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Windenergietage

Industrie PPA - Was will eigentlich der Kunde?

Alle reden über Stromlieferverträge, aber was erwarten Industriekunden? Urs Neuhöffer von GAME lieferte bei den Windenergietagen erste Antworten.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Es ist eine Frage, die noch recht neu in der Windbranche diskutiert wird, dafür aber umso intensiver: Wie und an wen kann ich meinen Windstrom verkaufen, nach Ende der EEG-Förderung oder überhaupt? Eine Möglichkeit sind Abnahmeverträge mit Industriekunden. Nicht nur große amerikanische Konzerne wie Google und Co haben Interesse daran, grün erzeugten Strom zu nutzen, nicht zuletzt aus Marketingfragen.

Markt über 29,7 TWh jährlich

Immerhin: Der Markt ist groß genug, meint Urs Neuhöffer. 227 TWh Strom jährlich würden Deutschland an Industriekunden geliefert, deren Stromverbrauch mehr als 2 GWh betrage, sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft für angewandte Marktforschung ("G.A.M.E.") in der Energiewirtschaft in einem Vortag bei den Windenergietagen in Potsdam. Davon wechselten 16,2 Prozent oder 29,7 TWh jährlich den Lieferanten. Dies sei der Markt, in den die Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen einsteigen könnten. Denn viele Unternehmen seien mittlerweile an der Reduzierung ihren ökologischen Fußabdrucks interessiert. Laut einer Befragung seines Instituts unter 687 Unternehmen, hätten 14 Prozent kurzfristig und 15 Prozent mittelfristig Interesse an einer Direktbelieferung mit grünem Strom. „Das Thema ist noch neu, deshalb sind die Kunden noch zurückhaltend“, so Neuhöffer. In einem Jahr rechne er mit mehr Interesse.

Die Kunden wollen einfache Festpreise und Sicherheit

Doch was wollen Industriekunden eigentlich, wenn sie Strom kaufen? Vor allem wenig Aufwand, lautet die Antwort von Urs Neuhöffer. Marktbefragungen seines Instituts hätten ergeben, dass zudem vor allem der Preis und die Sicherheit des Strombezugs weitere wesentliche Kriterien sein.

„Die Mehrheit der Kunden will wenig Zeit aufwenden, legt Wert auf Festpreise und möchte keine Risiken eingehen“, so Neuhöffer. Nur die wenigsten wollten die Chancen des Marktes nutzen und eigene Kompetenzen beim Thema Stromeinkauf aufbauen. Vor allem kleinere Unternehmen mit einem Stromverbrauch bis zu 3 GWh setzten auf fixe Preise, und erst für größere Kunden ab 50 GW sei ein Portfoliomanagement interessant.

Hier böten sich Chancen für Wind-PPA (Power Purchase Agreements), so Neuhöffer. Denn auch die Betreiber von Windparks hätten großes Interesse an Festpreisen. Ebenso würden die Vorstellungen über die Vertragslänge passen: Industriekunden bevorzugten eine Vertragslaufzeit von drei bis fünf Jahren und auch die Windparkbetreiber verspürten wenig Neigung, ihren Strom am Spotmarkt zu handeln.

Der Terminmarkt bildet die Preisobergrenze

Bleibt das Thema Preis. „Der Terminmarkt ist die Vergleichsgröße für Industriekunden“, sagte Urs Neuhöffer. Dieser Preis bilde die obere Grenze. Für Betreiber wiederum setze sich der Preis aus den Stromgestehungskosten plus Kosten für Veredelung, Ausgleichskosten und Risikoaufschlägen zusammen. Wer dann unter dem Terminmarktpreis bleibe, könne am Markt mitspielen. Angesichts des Ausstiegs aus Atom- und Kohlekraft und dem derzeit schleppenden Ausbau der Erneuerbaren sei zudem mittelfristig mit steigenden Preisen zu rechnen - schon jetzt liege er für 2023 bei 50 Euro/MWh. Bis 2026 könnte sich der Preis zwischen 60 und 75 Euro (MWh) bewegen.

„Die Herausforderung für Windbranche und Stromhändler ist jetzt, ein einfaches und risikoarmes Produkt für die Kunden zu entwickeln“, lautete Urs Neuhöffers Fazit.

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