Foto: Deutsche Windguard

Windpolitik

Onshorewind-Zubau ist dramatisch eingebrochen

Der deutsche Onshore-Windmarkt ist abgestürzt. 2.154 Megawatt - so wenig wurde zuletzt 2012 aufgestellt. Genehmigungen müssen beschleunigt werden.

Nicole Weinhold

Der Zubau von Onshore-Windenergieanlagen ist laut Deutsche Windguard 2018 um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zusammengebrochen. 2.402 Megawatt (MW) oder 743 Anlagen. Zuletzt wurde 2012 auf diesem niedrigen Niveau zugebaut. Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems hatten Mitte 2018 noch mit 3.300 MW gerechnet. Rund 240 MW wurden zudem abgebaut, also beträgt der Realzubau 2.154 MW (siehe Aufmachergrafik).

Anna-Kathrin Wallasch, Leiterin Politik bei Deutsche Windguard, berichtete auf der Pressekonferenz in Berlin, die durchschnittliche Nennleistung der neuen Anlagen betrage 3,2 MW, 118 Meter sei Rotordurchmesser, 132 Meter die Nabenhöhe - beides sei um vier Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Bundesländern liegt Niedersachsen an der Spitze vor NRW, Brandenburg und Hessen. Rheinland-Pfalz als südliches Bundesland brachte es auf immerhin 203 MW. "Während der Rotordurchmesser in allen Bundesländern relativ ähnlich ausgefallen ist, sind die Nabenhöhen sehr unterschiedlich." In Schleswig-Holstein sind es 103 Meter, in Baden-Württemberg 123 Meter. Bezüglich Ausschreibungsvolumen muss man sagen, dass dieses 2018 nicht ausgeschöpft wurde. Dadurch dass nur Projekte mit BImSchG-Genehmigung berechtigt waren teilzunehmen, dadurch sind höhere Zuschlagswerte von 5,6 Cent durchschnittlich entstanden. Anlagen mit nur 225 MW sind pro Monat 2018 genehmigt worden, deutlich weniger als bisher. Die Stromerzeugung ist mit 89,5 TWh um vier Prozent gegenüber 2017 gestiegen. Damit hatte Wind Onshore einen Anteil von 16 Prozent an der Stromerzeugung.

Dramatische Situation für Windbranche

BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm nannte die Situation "dramatisch". Deutschland habe 2016 dem Pariser Klimaabkommen zugestimmt und im Koalitionsvertrag für 2030 einen Anteil von 65 Prozent Erneuerbaren festgeschrieben. "Windenergie ist bereit einen höheren Beitrag zu leisten", betonte er. Der BWE sei zurückhaltend optimistisch, dass ein positives Signal bezüglich des Ausbaupfades von Regierungsseite komme. "Wir müssen jetzt beginnen, einen kräftigen Zubau einzuleiten." Die schlechten Zubauzahlen 2018 erklärt er mit 914 MW Übergangsanlagen, die nicht ans Netz gegangen sind, weil Genehmigungen beklagt wurden. Entsprechend sind die Genehmigungen massiv zurück gegangen (siehe Grafik unten). "Artenschutz wird mehr und mehr zum Hebel, um den Windparkausbau zu verhindern. Genehmigungen stellen keine Rechtssicherheit dar." Hinzu kämen nach seiner Aussage viele Umgenehmigungen und eine Reihe von Projektentwicklern, die sich erst nach dem Stichtag für Ausschreibungen entschieden haben. Axthelm betonte noch einmal: "Die Genehmigungssituation ist dramatisch, Verfahren dauern immer länger, fast 10.000 MW hängen in Ländern fest." Entsprechend sehe der BWE für 2019 einen schwachen Markt. Für das Jahr 2019 erwarten die Verbände nur einen Zubau von knapp 2.000 MW. Die im Energiesammelgesetz festgelegten Sonderausschreibungen sind enorm wichtig und geben zwar Zuversicht auf eine Erholung ab 2021 - im internationalen Vergleich verliert der deutsche Markt jedoch an Dynamik und Bedeutung.

Bundesländer schwächeln beim Zubau

Schwach sei auch die Situation der Bundesländer: "Es gibt nicht mehr einen Platz 1, in allen Ländern sind die Zahlen rückläufig." Aber einige Länder blockieren den Ausbau der Windkraft extrem. Bayern hat mit der 10H-Regelung der Windkraft den Rücken gekehrt, in Sachsen-Anhalt und Sachsen sieht es äußerst schlecht aus. "Wenn diese Ländern Energieländer bleiben wollen, muss da was passieren", so der BWE-Geschäftsführer. Hamburg habe es als Stadtstaat immerhin geschafft, vier Anlagen zu bauen. In Industriegebieten sei es durchaus möglich Windenergieanlagen aufzustellen.

"Wir sehen für die Ausschreibungen in diesem Jahr schlechte Voraussetzungen." Genehmigungen seien Voraussetzung für den Ausbau. Man habe nach Fukushima einen schnellen Ausbau gesehen, der Wille der Landesregierungen war da. Nun aber sei die Debatte über einen zu schnellen Ausbau angekommen, das bremse. Zwei Prozent der Landesfläche als Ausbauziel müssten fokussiert werden. Das sei völlig ausreichend, um guten Beitrag für Energiewende zu erreichen.

Ausbaupfad definieren

Von der Politik fordert Axthelm, man müsse jetzt schnell einen Ausbaupfad definieren, der aufzeigt, wie die 2030-Ziele sich erreichen lassen. Und das 2030-Ziel betreffe nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Zweitens fordert er einen erleichterten Marktzugang bei Industrie und Gewerbe für Strom. Drittens sei eine Flächenbereitstellung über alle Bundesländer hinweg ein Schritt nach vorn. Um Ländern den Rücken zu stärken, müsse man die zwei Prozent von Bund ins Raumordnungsgesetz aufnehmen lassen. Und Genehmigungsverfahren sollten erleichtert und beschleunigt werden. Dadurch erhalten mehr Projekte eine Genehmigung, um sowohl den stabilen Zubau als auch den Wettbewerb zu sichern

Stop and Go der Industrie

Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems, betonte: "Wir sind zurück im Stop and Go aus Herstellerperspektive. Das heißt, wir sind mit riesiger Herausforderung 2020 konfrontiert. Das internationale Bild wird Dank unserer Exportstärke gedämpft." Doch der Weg zu den 2030-Ausbauzielen sei der Schlüssel zu Investitionen, insbesondere in der Zulieferkette.

Bezüglich der Akzeptanz-Diskussion betonte er, in der Politik werde Akzeptanz mit Verhinderung gleichgesetzt. "Aber dass der Ausbau nicht stattfindet, die Alternative haben wir nicht. Denn dann wird auch der Kohlekompromiss so nicht kommen." Bezüglich des Weltmarktes stellt er einige Zahlen des Windwindcouncil GWEC vor: 2018 sei ein schwaches Jahr gewesen, außer in Nordamerika. Europa werde 2019 leicht zulegen auf 15 GW gegenüber 13,8 GW 2018. Gemäß der GWEC-Prognose wird der weltweit größte Zubau von Windenergieanlagen in den Jahren 2019 bis 2022 in Asien (118 GW) erwartet, gefolgt von Europa (62 GW) und Nordamerika (44 GW) (siehe Grafik unten). „Um die Exportstärke der deutschen Hersteller zu wahren, muss sich die Politik für die Aufrechterhaltung der offenen Märkte einsetzen. Dies gilt auch für die Sicherstellung der Exportfinanzierung“, sagte Matthias Zelinger.

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