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Turbinenhersteller

Senvion hat Insolvenz angemeldet

Senvion hat die Insolvenz erwischt. Wer ist schuld? Wie kann es jetzt weiter gehen bei einem der ältesten Windturbinenhersteller?

Nicole Weinhold

Der Hamburger Windturbinenhersteller Senvion ist insolvent. Am Dienstag wurde der Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt, nachdem die Verhandlungen mit Banken und anderen Geldgebern erfolglos verliefen. Gleichwohl wird weiter um ein Finanzierungsangebot gerunden. Sollten die Banken noch zustimmten, könne der mit rund 950 Millionen Euro verschuldete Windanlagenhersteller den Insolvenzprozess noch abbrechen. Vor allem Verzögerungen in der Installation von Windparks sollen zu Umsatzausfällen geführt haben. Das Verfahren bezieht sich bisher nur auf die Senvion GmbH und deren Deutschland-Tochter, in den nächsten Tagen wird aber erwartet, dass die börsennotierte Senvion SA folgt.

Restrukturierungsversuch

Wie wir berichteten, hatte Senvion erst vor drei Wochen einen Resturkturierungsmanager eingestellt, um die Finanznot zu bekämpfen. Der Anfang 2019 neu angetretene Senvion-Chef Yves Rannou sagte damals dazu: „Wir haben einen klar definierten Maßnahmenplan, um das Unternehmen mittelfristig zu stabilisieren und zu stärken.“ Der Londoner Restrukturierungsspezialist werde die bei Senvion bereits „laufenden Finanzierungsgespräche mit wichtigen Stakeholdern als CRO erfolgreich vorantreiben." Das ist offenbar nicht geglückt. Die Finanzierungslücke im laufenden Geschäft beträgt 100 Millionen Euro.

Investoren hätten Geld in die Hand nehmen müssen

Das Handelsblatt gibt den Investoren eine Teilschuld. Senvion hätte auf ausländische Märkte ausweichen müssen, so die Wirtschaftszeitung. Zur Erinnerung: 2007 ging die Turbinenschmiede nach einem langen Bieterkampf an den indischen Produzenten Suzlon, damals noch unter dem ursprünglichen Namen Repower. Die Repower Systems AG entstand im Jahr 2001 unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Fritz Vahrenholt aus der Fusion der Unternehmen Jacobs Energie, Brandenburgischen Wind- und Umwelttechnologien GmbH (BWU), pro + pro Energiesysteme GmbH & Co. KG (Rendsburg) sowie Denker & Wulf. Damit ist Senvion eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Windunternehmen in Deutschland.

Seit dem Verkauf im Jahr 2015 hält Centerbridge die Mehrheit der Anteile. Dafür hätte man aber viel mehr Geld in die Hand nehmen müssen, als Investor Centerbridge geben wollte. Es hätte mehr investiert werden müssen, damit Senvion die erforderliche Größe am hart umkämpften Markt hätte aufbauen können. Vielleicht fehlte es an Mut, mit frischem Geld die Pleite abzuwenden. Offenbar gibt es nun neue Investoren, die Senvion übernehmen wollen. Wie und ob das mit kräftiger Finanzspritze funktionieren kann, wird sich zeigen.

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Auf ein Wort: Typenoffen

Wenn der Windturbinen-Hersteller Insolvenz anmeldet…

kann das für die Projektierer von Windparks unangenehme Konsequenzen haben. Besonders, wenn die gesamte Genehmigung durch den Anlagentausch hinfällig wird.

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