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Marktbereinigung

Siemens-Gamesa rückt unter neues Konzerndach

Der Siemens-Konzern will mehr Rendite – und bildet eine teilselbständige Strom- und Gas-Sparte. Windturbinenbauer SGRE erhielte so wieder ein neues Gewand.

Tilman Weber

Technologiekonzern Siemens soll sich künftig mehr auf Automatisierung, industrielle Digitalisierung und intelligente Infrastruktur fokussieren. Beim derzeit nicht in allen Bereichen rentablen Münchner Konzern hat der Aufsichtsrat jetzt der entsprechenden Unternehmensstrategie Vision 2020+ zugestimmt. Laut damit verbundenen Planungen soll Siemens auf dynamischen Wachstumsmärkten sowie durch Effizienzsteigerungen höhere Renditen und schnelleres Wachstum erreichen. Dazu gehört offenbar der jetzt bevorstehende Schritt, das Technologiegeschäft für die Bereiche Öl und Gas, konventionelle Energieerzeugung, Energieübertragung und dazugehörige Servicegeschäfte sowie das Windenergiegeschäft in ein neues Unternehmen auszulagern und abzugeben.

Die erst im April als solche zusammengefasste Sparte Gas & Power wird demnach als ein sogenanntes Spin-off bis im September 2020 an die Börse gehen. Siemens selbst will an dem neuen Player auf dem Energiemarkt nur eine wenngleich große Sperrminorität von knapp unter 50 Prozent von dessen Anteilen behalten. Das heutige Gas & Power wird danach laut Siemens-Angaben komplett eigenständig und unternehmerisch frei agieren. Als großer Wettbewerber im Energiemarkt wird das Unternehmen seinen ersten Aufschlag gleich mit einer Größe von 30 Milliarden Euro Jahresumsatz und 80.000 Mitarbeitern leisten.

So ganz will der Münchner Technologiekonzern seine Bindung zu dem neuen heranwachsenden Energiemarktriesen aber nicht kappen: Das Spin-off soll weiter Unterstützung aus München erhalten, zum Beispiel finanzielle Dienstleistungen der Siemens Financial Services nutzen, am Vertriebsnetzwerk der Siemens-Regionen partizipieren oder die Marke „Siemens“ in Lizenz tragen können.

Außerdem kündigten die Münchner nun an, auch das Windturbinenunternehmen Siemens Gamesa in den neuen Energiemarktriesen zu integrieren. Siemens werde den eigenen 59-Prozent-Anteil an dem Turbinenbauer einbringen.

„Durch die Unabhängigkeit können wir unsere Position der Stärke effektiver nutzen, um unsere Kunden in sich schnell wandelnden Energiemärkten zu unterstützen“, sagte Lisa Davis, aktuelle CEO von Siemens Gas and Power. „Die globale Elektrifizierung spielt weiterhin eine wesentliche Rolle für den wirtschaftlichen und ökologischen Fortschritt in der Welt. Als einziges Unternehmen verfügen wir über ein Portfolio entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette – von konventionellen bis zu erneuerbaren Energien.“ Die Eigenständigkeit gebe der Führung bei Gas & Power „mehr Freiheit und Flexibilität“, um die Energieanlagen-Kunden der Münchner eigene Angebote machen zu können.

Der Siemens-Konzern strebt mit der Auslagerung des Stromerzeugungsgeschäfts nicht zuletzt eine höhere Rendite für die Münchner an. Um 14 bis 18 Prozent soll die Gewinnmarge des verbliebenen industriellen Kerngeschäfts langfristig ausmachen.

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