Foto: Energa SA

Photovoltaik Bilanz 2020

Solarstromproduktion in Deutschland wächst um zwölf Prozent

Keine andere Erzeugungstechnologie konnte mit Blick auf die Stromproduktion in Deutschland so schnell zulegen, wie die Photovoltaik. Das hat mehrere Gründe.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) hat eine vorläufige Bilanz dieses Jahres gezogen: Im Jahr 2020 wurden im Vergleich zum Vorjahr etwa 25 Prozent mehr solare Dachanlagen installiert. „Egal ob Solarzellen, Solarspeicher oder Solarkollektoren – in diesem Jahr wurden sie unserer Branche geradezu aus den Händen gerissen“, freut sich Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar. „Das Jahr 2020 ist auch für die Solarbranche ‚herausfordernd‘ gewesen, durch den Abbau einiger Marktbarrieren schließlich aber erfolgreich“, resümiert Körnig.

Photovoltaik und Windkraft legen kräftig zu

Konkret konnte keine andere Energieform so stark zulegen wie die Photovoltaik. Der BSW Solar beruft sich hier auf die Daten des Jahresberichts der Energiewirtschaft, den der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jüngst veröffentlicht hat. Daraus geht hervor, dass die Photovoltaikanlagen in Deutschland im Jahr 2020 50,4 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt haben. Das sind 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr, als die Sonnenstromproduktion noch bei 45,1 Milliarden Kilowattstunden lag. Ein solches Wachstum kann nur noch die Offshore-Windkraft für sich verbuchen. Sie liegt mit 11,2 Prozent knapp hinter der Photovoltaik. Das Wachstum der Onshore-Windkraft lag bei 4,2 Prozent. Dennoch bleibt sie mit 105,3 Milliarden Kilowattstunden die Technologie, die einzeln den meisten Regenerativstrom erzeugt.

Rückgang bei vielen Erneuerbaren

Bei den anderen Erneuerbaren sieht es derweil nicht so rosig aus. So sinkt die Stromproduktion aus Biomasse um ein Prozent. Für die Stromerzeugung aus Siedlungsabfällen ging es 1,2 Prozent nach unten und die Geothermie musste bei der Stromerzeugung einen Rückgang um 5,9 Prozent hinnehmen. Den stärksten Rückgang bei den Erneuerbaren musste die Wasserkraft verbuchen. Sie hat in diesem Jahr 8,5 Prozent weniger Strom erzeugt als noch im Vorjahr.

Einbruch bei den Fossilen

Allerdings ist das kein Vergleich zu den Konventionellen. Für sie ging es kräftig Rückwärts. Die Zahlen sprechen Bände: Für die Kernkraft ging es um 14,4 Prozent nach unten, für die Braunkohle um 19,5 Prozent und für die Stromerzeugung aus Mineralöl um 12,6 Prozent. Mit einem Minus von 26 Prozent ging es für die Steinkohle am am kräftigsten bergab.

Fast jede zehnte Kilowattstunde liefert die Sonne

Damit liefern die installierten Solaranlagen immerhin schon fast neun Prozent des gesamten Stroms, der in Deutschland verbraucht wird. Das liegt zum einen am starken Zubau. Der BSW Solar sieht darin ein Ergebnis eines sich verändernden Klimabewusstseins, das inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen ist. Dazu komme noch das Streben vieler Verbraucher nach mehr Unabhängigkeit, die deutlich gesunkenen Preise für die Solartechnik, die verbesserten Förderbedingungen bei der Heizungsmodernisierung, die durch die solar angetriebenen Wärmepumpen auch den Zubau der Photovoltaik anregen. Das gleiche gilt für die Elektromobilität, die die Nachfrage nach Solaranlagen mit ankurbelt. Der BDEW und das Zentrum für Solarenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) nennt zusätzlich noch die in diesem Jahr sehr vielen Sonnenstunden, die natürlich ebenfalls für ein Plus bei den Produktionszahlen des Solarstroms gesorgt haben.

Solarthermie stoppt dieTalfahrt

Auch die Solarthermie konnte in diesem Jahr endlich den jahrelangen Marktrückgang stoppen. So zog der Absatz von Sonnenheizungen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um über 25 Prozent an. Der BSW Solar verweist zudem auf die Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft. Dort gingen in den ersten drei Quartalen 2020 sogar drei Mal so viele Anträge für einen Zuschuss zu einer Solarthermieanlage ein als noch gleichen Vorjahreszeitraum.

Optimismus für das kommende Jahr

Die Marktdynamik hinterlässt eine optimistische Stimmung in der Solarbranche, mit der sie in das kommende Jahr – und auch in die nächste Legislaturperiode – geht. „Wir erwarten, dass die Bundesregierung noch vor der Bundestagswahl in Übereinstimmung mit der EU die Klimaziele und das Solarisierungstempo deutlich heraufsetzen wird“, gibt sich Carsten Körnig optimistisch. „Mit dem Umlegen weniger energiepolitischer Hebel ließe sich das Installationstempo zeitnah verdoppeln und die Förderabhängigkeit verringern“, ist er überzeugt. „Eine überwältigende Investitionsbereitschaft bei privaten Verbrauchern und in der Wirtschaft ist selbst unter Pandemiebedingungen gegeben. Die Bundesregierung wird diesen Solarturbo 2021 zünden müssen. Die Klimaziele und damit die Wählergunst sind sonst ernsthaft in Gefahr“, warnt er.

Ausbautempo anheben

Deshalb wäre nach seiner Ansicht eine Verdoppelung bis Verdreifachung des jährlichen Ausbautempos erforderlich, damit der Kohle- und Atomausstieg keine Stromerzeugungslücke hinterlässt. Körnig verweist hier auf Marktforscher, die befürchten, dass bereits in zwei bis drei Jahren eine solche Lücke entstehen könnte, wenn der Ausbau der Erneuerbaren nicht mit dem Atom- und Kohleausstieg und der absehbar wachsenden Stromnachfrage Schritt hält.

10 bis 15 Gigawatt jährlich sind notwendig

So haben die Forscher des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) auf der Basis der Emissionsziele der EU ausgerechnet, was das für die Energiewende in Deutschland bedeutet. Das Ergebnis: Bis 2030 müssen jedes Jahr zwischen 10,5 und 14,8 Gigawatt neue Solarstromleistung aufgebaut werden. Der Ausbau der Onshore-Windkraft muss im gleichen Zeitraum zwischen 7,4 und 8,4 liegen. Auf hoher See müssten zudem jährlich zwischen 1,4 und 1,7 Gigawatt neue Anlagenleistung aufgebaut werden. Der BSW Solar erwartet allerdings auf der Basis der derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen einen Zubau von 4,6 bis 4,8 Gigawatt. Immerhin sind das ein Wachstum um 21 bis 26 Prozent im Vergleich zu den 3,8 Gigawatt, die im Jahr 2019 errichtet wurden.

Klimaschutz wird wahlentscheidend

Zudem sieht Carsten Körnig die Parteien bei der Bundestagswahl im Vorteil, die sich für eine zügige und konsequente Umsetzung der wissenschaftlichen Empfehlungen in der Klimapolitik stark machen. Denn dieses Thema könnte ausschlaggebend für den Wahlerfolg der Parteien bei der kommenden Bundestagswahl werden. Er verweist dazu auf eine jüngsten repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des BSW Solar. Hier gaben 73 Prozent der mehr als 2.000 Befragten an, dass die Klimapolitik für die eigene Wahlentscheidung aus heutiger Sicht sehr wichtig oder wichtig werden könne. Dabei sehen sie als die mit Abstand wichtigste Maßnahme des Klimaschutzes den Ausbau der Solarenergie und anderer erneuerbarer Energien.

Wollen Sie die Solarmärkte im Blick behalten? Dann abonnieren Sie einfach unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

Foto: Silke Reents

EEG 2021

12 neue Regelungen für die Photovoltaik in Kraft

Der Bundestag hat in seiner vorletzten Sitzung des vergangenen Jahres einige Verbesserungen für die Photovoltaik beschlossen, aber auch einige neue Hürden eingebaut. Worauf müssen Sie in diesem Jahr achten?

Foto: sebra - stock.adobe.com

Solardeckel

Photovoltaikbranche zieht vors Verfassungsgericht

Die Solarbranche will eine höchstrichterliche anordnen lassen, dass der drohende Förderstopp für neue Solaranlagen endlich aufgehoben wird. Denn andernfalls droht ein Markteinbruch von bis zu 80 Prozent, wie EuPD Research herausgefunden hat.

Foto: EuPD Research/BSW Solar/The smarter E Europe

Zubau der Photovoltaik muss schneller gehen

BSW Solar warnt vor Stromlücke

Im Jahr 2023 werden in Deutschland 46 Terawattstunden Strom zu wenig produziert, wenn der Ausbau der Photovoltaik nicht schneller geht. Das haben die Analysten von EuPD Research im Auftrag des BSW Solar und von Solar Promotion ausgerechnet.

Foto: BSW Solar

Weltweiter Solarmarkt

Photovoltaik knackt die 500-Gigawatt-Marke

Inzwischen sind weltweit 500 Gigawatt Solarstromleistung installiert. Mehr als 100 Gigawatt werden in diesem Jahr dazukommen, wie Marktanalysten prognostizieren.