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EnBW leitet Inbetriebnahme von 64-Turbinen-Feld mit Erzeugungskraft an der Gigawattgrenze ein

He Dreiht ist errichtet, und die ersten der 64 Windenergieanlagen mit 15 MW Nennleistung speisen ein. Das gab das Windparkentwicklungsunternehmen, der baden-württembergische Energiekonzern EnBW, am Donnerstag in Hamburg offiziell bekannt. Die Turbinen des dänischen Herstellers Vestas vom Typ V236-15.0 MW würden nun durch EnBW „Schritt für Schritt ans Netz angeschlossen, getestet, hochgefahren“, erklärte EnBW-Kommunikations-Chef Sebastian Ackermann auf einer feierlichen Eröffnungsfeier des Unternehmens in der Hansestadt. „Die ersten Turbinen speisen schon Strom ein und weitere werden jetzt sukzessive folgen“, sagte Ackermann zu den Gästen des Empfangs einleitend vor Redebeiträgen und einem Podiumsgespräch.

Als repräsentative Teilnehmende des Programms waren Bundesumweltminister Carsten Schneider, Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank sowie der Chef des Windturbinenkonzerns Vestas Henrik Andersen gekommen, um die Größenordnung und wirtschaftlichen Pluspunkte des Rekordwindparks He Dreiht „als Meilenstein“ wahrzunehmen.

2,4 Milliarden Euro, vermarktet mit direkten industriellen Stromlieferverträgen

Die äußerlichen Daten des Nordsee-Windparks ragen aus dem bisherigen deutschen Offshore-Windkraft-Ausbaubetrieb heraus: Mehr als 120 Kilometer Seekabel, 100 Kilometer Landkabel, ein Investment von fast 2,4 Milliarden Euro, der zweite Offshore-Windpark mit einer direkten 66-Kilovolt-Kabelanbindung an die Offshore-Umspannplattform des Netzbetreibers, die den Strom direkt ins Festlandnetz liefert. Außerdem hat EnBW für He Dreiht den Zuschlag aus einer Ausschreibung im Jahr 2017 ohne Vergütungsförderung erhalten und die Windparkerzeugung inzwischen nach eigenen Angaben für „nahezu die gesamte Leistung schon verkauft“. Abnehmer der künftigen Erzeugung sind Industrie- und Wirtschaftsunternehmen mit hohem Stromverbrauch. Als die wichtigsten davon gelten Evonik, Google, die Telekom-Tochter PASM, Frankfurts Flughafenkonzern Fraport, Bosch, die Stahlhersteller Salzgitter und SHS Stahl-Holding Saar, die Deutsche Bahn und Logistikunternehmen DHL Group. Sie alleine nehmen über langjährige Stromlieferverträge, als Power Purchase Agreements (PPA) bezeichnet, den Strom aus deutlich mehr als 625 MW ab. Die weiteren PPA-Kunden benennt EnBW nicht. Die mehrjährigen Stromabnahmeverträge decken teilweise das erste Betriebsjahrzehnt oder auch die ersten 15 Jahre ab.

Offshore-Windpark He Dreiht

www.otzipka.de - EnBW

Offshore-Windpark He Dreiht

Die von der Hamburger Niederlassung der Offshore-Windkraft-Sparte von EnBW organisierte und entwickelte Windparkerrichtung hatte in Hochzeiten zu einem Baubetrieb mit 60 Schiffen und 500 Mitarbeitenden geführt. Die Wertschöpfungskette band zudem Produktionsstandorte in mehreren europäischen Ländern ein. Rotorblätter aus Italien, Turm und Maschinenhaus aus Dänemark, die mit Durchmesser von neun Metern gefertigten Gründungsstahlsäulen, sogenannte Monopiles, aus Deutschland, Kabel aus Polen und Großbritannien, weitere Komponenten aus Spanien, Belgien und den Niederlanden.

Nach abgebrochenem Rotorblattteilstück: Entwarnung, es ist kein Serienschaden!  

Die Inbetriebnahme hatte nach dem Baustart vom Mai 2024 gemäß ursprünglichen Plänen bis zum Ende vorigen Jahres stattfinden sollen. Doch nach der Einspeisung der ersten Kilowattstunde im November 2025 folgten noch mehrere verspätete Errichtungsschritte des Gesamtprojektes: So stellte Übertragungsnetzbetreiber Tennet das Leitungssystem Borwin 5 erst Ende 2025 betriebsbereit. Und ein Ende Juli abgebrochenes Flügelteilstück von 20 Metern Länge sorgte für längere Nachprüfungen durch Anlagenhersteller Vestas. Inzwischen gilt als verlässlich, dass der Rotorblattbruch ein Einzelfall und kein Serienschaden war. Erst in der zweiten Septemberwoche gab die Genehmigungsbehörde die weitere Inbetriebnahme des Windparks wieder frei.

EnBW betreibt He Dreiht nicht alleine. Die Baden-Württemberger halten eine knappe Mehrheit an den Anteilen von 50,1 Prozent an ihrem Projekt, die andere knappe Hälfte des Eigentums ist in den Händen eines Konsortiums aus Allianz-Gesellschaften, AIP Management und Norges Bank Investment Management – Versicherern und Finanz- beziehungsweise Kapitalunternehmen also. Als Folgeprojekt in der deutschen Nordsee sieht die EnBW-Planung das Ein-Gigawatt-Projekt Dreekant vor, für das die Süddeutschen im kommenden Jahr den Genehmigungsantrag stellen möchten. Der Offshore-Windpark soll 2032 in einer bisher unerreichten Rekordentfernung von den deutschen Küsten in Betrieb gehen. Schon von der Hochseeinsel Helgoland aus liegt das Entwicklungsgebiet 120 Kilometer entfernt noch tiefer im Meer, ähnlich ist die Distanz auch zur Festland-nahen Insel Sylt.

He-Dreiht-Inbetriebnahme in „kommenden Monaten“ – Ørsteds Borkum Riffgrund 3 im kommerziellen Betrieb

He Dreiht werde „in den kommenden Monaten vollständig in Betrieb in Betrieb sein“, erklärte EnBW. Damit folgt das bald nächste größte deutsche Offshore-Windkraftfeld knapp auf die Inbetriebnahme des Meereswindparks Borkum Riffgrund 3 von Ørsted. Ende August meldete der dänische Energiekonzern, der Windpark mit 913 MW Nennleistung habe nun den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Auch die 83-Siemens-Windenergieanlagen dieses Baufelds produzieren Strom ohne staatliche Förderung nach einer Null-Cent-Ausschreibung wie bei He Dreiht. Die Investoren – außer Ørsted gehört der Windpark inzwischen auch dem Infrastrukturinvestor Nuveen Infrastructure – haben über PPA genau 786 MW an große Abnehmer wie Amazon, BASF, das Chemieunternehmen Covestro, eine Energiehandelsgesellschaft des Lebensmittelhändlers Rewe sowie Google vermarktet. Die Vertragslaufzeiten betragen 10 bis 20 Jahre.

Wie He Dreiht ist auch Borkum Riffgrund 3 direkt über ein Offshore-Umspannwerk des Netzbetreibers mit 66-Kilovolt-Drehstromkabeln aus den Windturbinen angedockt, das mit bis zu 130 Kilometer Seekabel den Strom ans Land führt. Borkum Riffgrund 3 hatte sich mehr als ein Jahr verspätet, weil die Plattform des Netzbetreibers nicht rechtzeitig installiert war. Nachdem die Anlagen dafür ein Jahr lang nach ihrer Errichtung ohne Betrieb stehen mussten, war die Inbetriebnahme für Frühjahr 2026 vorgesehen. Doch weitere offenbar eingetretene Netzausfälle hatten den Betrieb weiter verzögert, wie der Fachnachrichtendienst Energate mit Berufung auf Ørsted-Angaben berichtet.