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Netzintegration

Windstromrekordland Dänemark: Vorteil eines durchlässigen Energiesystems

Bildrechte: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/#

Dänemarks staatlicher Netzregulator Energienet.dk meldete jetzt den neuen Erzeugungsrekord, begründete ihn aber mit einem bloß „normalen Windjahr“. Nach einer Windstromquote im Vorjahr 2013 von „nur” 33,2 Prozent hätten durchschnittliche Windverhältnisse genügt, um aus einem guten Windpark-Zubaujahr auch ein Rekordertragsjahr werden zu lassen. Neue Turbinen-Installationen an Land sowie der Netzanschluss des Offshore-Windfeldes Anholt mit 400 Megawatt (MW) trugen somit dazu bei, aber auch manche besonders windreichen Jahresphasen wie schon der Januar 2014. In diesem ersten Monat des vergangenen Jahres bewältigte die Windkraft sogar 61,7 Prozent des nationalen Stromverbrauchs.  

„Damit hat Dänemark bewiesen, dass sich größere Mengen Windenergie ohne Probleme handhaben lassen”, kommentierte der Geschäftsführer des Dänischen Windenergieverbandes, Jan Hylleberg, die nationale Strombilanz. „Jedes Jahr belegen wir, dass wir noch mehr Elektrizität aus Windkraft in unser Energiesystem integrieren können”, sagte Hylleberg. Außerdem forderte er: „Von nun an wird es in erster Linie darauf ankommen zu garantieren, dass wir diesen Strom (auch) im Transport- und im Wärmesektor nutzen. Zusammen mit Politikern müssen wir dringend für mehr Wärmepumpen im Wärmenetz sorgen, weil darin ein großes Potenzial liegt.“

Handel und Grenzverbindungen

Die Presseabteilung der Netzagentur erklärte auf Anfrage von ERNEUERBARE ENERGIEN zudem, trotz des neuerlichen Windstromrekords seien nicht mehr Regulierungsmaßnahmen durch den Netzbetreiber erfordert. Es sei zudem in Dänemark nicht neu, dass auch 2014 wieder während Stunden oder gar Tagen die Windstromeinspeisung den nationalen Verbrauch weit übertroffen habe. Dies sei an sich für Dänemark insofern keine Nachricht wert. „Aber natürlich wird es solche Momente mit weiterer Zunahme der Windkraft im Netz immer häufiger geben“, betonte der Pressechef von Energienet.dk, Jesper Nørskov Rasmussen.  

Tatsächlich hat das dänische Parlament eine Windkraftquote von 50 Prozent für 2020 als Ziel gesetzt. Dass der fluktuierende Windstrom bislang so frei durch die Trassen des südskandinavischen Landes pulsieren kann, erklärt Energienet.dk mit der guten Verbindung des nationalen Netzes durch zahlreiche Interkonnektoren mit anderen nationalen Netzen. Diese Netzbrücken – erst im Januar war eine neuartige Hochspannungsgleichstromleitung zwischen Dänemark und Norwegen offiziell in Betrieb gegangen – führen laut Energienet.dk inzwischen sogar dazu, dass das Land beispielsweise „fast die gesamte Spitzenlast über die Interkonnektoren importieren kann. Dann wenn wenig Wind weht – „an windigen Tagen exportieren wir viel“, erklärte Energienet-Sprecher Rasmussen. Hinzu komme, dass Dänemark zum Stromhandelssystem Nord Pool gehöre, wo die Elektrizität aller vier skandinavischen Länder gehandelt wird.

Ruf nach Wärmepumpenförderung

Allerdings verweist auch der staatliche Regulierer auf Herausforderungen, die jährlich noch mehr Windkraft langfristig für das Netz mit sich bringt. So variierten die Stromhandelspreise etwa auf dem Spotmarkt stark. Zwar gebe es für das dänische Stromnetz bislang keine definierte Grenze für die wachsende Windstromeinspeisung. Aber natürlich werde es künftig schwieriger, das Netz „auszubalancieren, wenn die Windstrom-Integration höher ist.“

Den Vorstoß des Windkraftverbandschefs begrüßt man beim Übertragungsnetzregulator offenbar auch: Derzeit spielten die Wärmepumpen noch eine sehr kleine Rolle in der Netzregulierung. Würden diese aber künftig mehr zu einem „Normalfall“ in der Energieversorgung, könnten die Pumpen mehr der Elektrizität aus der Windkraft gerade in Zeiten niedriger Spotmarkt-Stromhandelspreise speichern.

(Tilman Weber)