Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die Agriphotovoltaik wächst schneller als jedes andere Solarsegment. Da waren sich die Redner der Eröffnungssession des diesjährigen Agrivoltaics Industry Forums einig, das Conexio PSE organisiert hat. Rund 85 Teilnehmer sind in das malerische Château Gassies bei Bordeaux gekommen, um sich über die Kombination aus Landwirtschaft und Solarstromerzeugung zu informieren. „Für mich ist Agriphotovoltaik ein Hoffnungsschimmer, weil sie Klima und Boden zusammenbringt“, sagt Jochen Hauff, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Think Resiliency. Sie liefere Strom für ein industrialisierendes Europa und stärke zugleich Landwirte, Wasserhaushalt und Nahrungsmittelproduktion. Für ihn steht die Agri-PV trotz Margendruck und politischem Gegenwind auf der Gewinnerseite.
Solartechnik für Landwirte – alles Wichtige zu Technik und Regeln im Spezial
Diese positive Einschätzung bestätigt auch Philipp Kunze, Vorsitzender der Agrivoltaics Task Force beim Global Solar Council (GSC). Anhand von Beispielen hat er belegt, dass die Agri-PV den Schritt von einzelnen Demonstrationsprojekten hin zu einer festen Säule der Energiewende gemacht hat. „Jetzt ist die Zeit der Skalierung der Agri-PV gekommen“, betont er. „Wir sehen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Photovoltaik nicht nur an heißen Sommern hier in Frankreich und anderswo, sondern daran, dass Land knapper wird.“
Agri-PV hilft bei der Kostenstruktur
Er sieht auch positive Signale aus der Politik, die mitzieht. Italien, Frankreich und Deutschland arbeiten an einheitlichen Standards, Israel stellt Agri-PV in seinem Flächennutzungsplan an die erste Stelle, Indien und Japan setzen auf Programme mit Landwirten. „Wenn wir mit Banken und unabhängigen Ingenieurbüros zusammenarbeiten, machen wir das Segment für Investoren noch sicherer“, erklärt Philipp Kunze.
Vor allem im Anbau von Sonderkulturen wie Obst, Beeren und Wein ist die solare Überdachung einfach und kosteneffizient umsetzbar. Schließlich sind die Strukturen schon vorhanden oder müssen ohnehin aufgebaut werden, auf denen die Module installiert werden können. „Die Agri-PV ist eine riesige Chance, Obstbauern bei der Kostenstruktur zu helfen. Sie bietet große Möglichkeiten, wenn es um den Stromverbrauch geht, wenn es um die Elektrifizierung geht, wenn es um den Betrieb von Kühlhäusern geht“, sagt Leo Vöhringer mit Blick auf den Kostendruck, unter dem der Anbau von Sonderkulturen steht. Er ist Landwirt und Geschäftsführer von Voen Vöhringer. Das Unternehmen bietet Überdachungssysteme für den Obst- und Beerenanbau an – auch solar.
Leichte Module ins Foliendach integrieren
Im Obst- und Beerenanbau lassen sich die Module in bestehende Schutzsysteme einbauen, ohne neue Fundamente legen zu müssen. Dazu hat er zusammen mit Forschern des Fraunhofer ISE das Voen-E‑Crops-Konzept entwickelt. Das ist eine Lösung, leichte Solarmodule in die bestehenden Folienüberdachungen der Sonderkulturpflanzungen zu integrieren.
Agri-PV in Riepholm: Klingbeil sieht ein Vorbild für die Energiewende
Damit die Landwirte den größten Nutzen haben, setzt er auf eine klare Regel. „Wir müssen das Agri in der Agriphotovoltaik an erster Stelle halten“, betont er. „Wir müssen also familiäre und lokale Produktionsstrukturen stärken, aber dann auch faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.“ Weniger Bürokratie würde den Effekt noch verstärken.
Rückenwind aus Brüssel
Auch Antanas Karbauskas von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission legt Wert auf die Stärken der Agri-PV für die Landwirtschaft. „Agri-PV kann in vielen Fällen helfen“, sagte er mit Blick auf die Einkommensstruktur der Agrarbetriebe. Doch sie kann noch mehr. Sie lindert Wasserknappheit, ersetzt Energie auf dem Hof und schützt Ernten vor Hagel und Dürre. Das wird sich auch auf die Versicherungsprämien auswirken, die die Landwirte bezahlen müssen.
Rechtliche Fragen rund um Agri-PV: Von Pacht über Genehmigung bis Netzanbindung und EEG-Förderung
Damit das Potenzial voll aufgeht, rät er zu Transparenz und Fairness. „Landwirte sollen Eigentümer sein, nicht der bloße Dienstleister, und die landwirtschaftliche Nutzung soll weitergehen und im Mittelpunkt stehen“, betont Antanas Karbauskas. Schließlich bekommen die Landwirte die EU-Agrarförderung nur für Flächen mit Agri-PV, solange dort Landwirtschaft stattfindet.
Klare Regeln notwendig
Er sieht die Nutzung von Flächen für herkömmliche Solarparks kritisch. „Was zumindest gewisse Bedenken aufwirft, die immer berücksichtigt werden müssen, sind die steigenden Bodenpreise, die Pachtpreise“, sagt Karbauskas. „Sicherlich, wir bekommen hauptsächlich Beschwerden, wenn die Flächen für normale Solarparks genutzt werden, und weniger über die Agri‑PV. Trotzdem kann auch die Agri-PV die Bodenpreise erhöhen, nicht nur für die genutzte Fläche selbst, sondern auch für die umliegenden Flächen. Denn wenn der Landwirt 300 oder 400 Euro an den Grundeigentümer zahlt und der Solarentwickler das Zehnfache bietet, entscheiden sich die Grundeigentümer natürlich für den Solarentwickler.“
Goldbeck Solar baut Agri-PV-Anlage mit verschiedenen Technologien
Deshalb sind klare Regeln notwendig, um zu verhindern, dass die Solarparks mit leichten Anpassungen als Agri-PV durchgehen. „Die dominierende Art von Agri-PV in der EU ist die Schafbeweidung“, kritisiert Antanas Karbauskas. „Wenn wir den Wert der Energieproduktion mit dem Wert der Schafe vergleichen, verdient der Landwirt hunderte Male mehr mit dem Strom als mit den Schafen. Wenn die Landwirtschaft aber das Hauptziel sein sollte, der Energiewert jedoch hunderte Male höher ist als der landwirtschaftliche Wert von derselben Parzelle, ist es fraglich, ob dies noch Agri-PV ist.“
Vorteile der Agri-PV benannt
Entsprechend setzt sich Antanas Karbauskas für einen ausgewogenen Ansatz ein. „Europa muss elektrifiziert werden, das ist klar, daran gibt es keinen Zweifel. Aber das muss klug und fair geschehen, ohne viele Fehler“, betont er. Deshalb sind klare Regeln notwendig, die die landwirtschaftliche Produktion in den Mittelpunkt stellen.
Dries Acke, stellvertretender Geschäftsführer von Solarpower Europe, brachte Zahlen mit, die für sich sprechen. „Agri-PV steigert die Erträge in einigen Regionen um bis zu 60 Prozent, hält bis zu 30 Prozent mehr Wasser im Boden und erhöht die Kohlenstoffspeicherung um 80 Prozent“, sagt er. Dazu kommt noch das Temperaturmanagement. Im Sommer ist es um bis zu sechs Grad kühler unter den Modulen, im Winter und vor allem im Frühjahr erreicht die Fläche unter den Modulen bis zu sieben Grad mehr als die Umgebung.
Regularien sind auf dem Weg
Dazu kommt der Strom für den Hof. „Das ist eine Win-Win-Win-Situation, und wir kommunizieren sie immer wieder“, sagte Acke. Er verweist auf die digitale Karte mit spannenden Projektbeispielen, die der europäische Solarverband erstellt hat. Außerdem hat Solarpower Europe ein Handbuch mit zehn Agri-PV-Typen und unterschiedlichen Geschäftsmodellen.
Agri-PV: „Es kommt auf Bodenfreiheit, Reihenabstände und die gezielte Lichtlenkung an“
Er hat auch eine Politikkarte mitgebracht, die zeigt, in welchen Bereichen bezüglich der Agri-PV die einzelnen Mitgliedsstaaten schon gut aufgestellt sind und wo noch Hürden stehen. Hier zeigt sich, dass sich schon einiges bewegt hat und die Regelungen für die Kombination von Landwirtschaft und Solarenergie in immer mehr europäischen Ländern besser werden, auch wenn es noch viel Nachholbedarf gibt.
Mit kleiner Förderung die Betriebskosten senken
Für den nächsten Schritt setzt er auf die Landwirte von morgen. „Mit einer kleinen Investitionsförderung am Anfang ernten sie später alle Betriebskostenvorteile“, sagte er. Von der Kommission wünscht er sich einen Rahmen, der diese Dynamik verstärkt.
Firma Doppelernte über Agri-PV: Für uns steht der Landwirt im Mittelpunkt
Doch die Teilnehmer der Konferenz bekamen nicht nur ein Politikupdate. Das spannende Programm bot viele weitere Informationen rund um die Agri‑PV. So konnten sich die Teilnehmer über die Vorteile und Herausforderungen anhand konkreter Projekte informieren. Außerdem zeigten die Referenten eines kompletten Panels, welche Möglichkeiten der Finanzierung für die Agri-PV möglich sind und welche Voraussetzungen die Projekte mitbringen müssen. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Blick in die Zukunft der Automatisierung der Landwirtschaft, womit auch der auf dem Feld produzierte Solarstrom dankbare Abnehmer findet.
Interessenten, die nicht in Bordeaux dabei sein konnten, finden eine Aufzeichnung aller Vorträge und Diskussionsrunden in der Mediathek der The smarter E.