Das Stromnetz in Deutschland ist eines der stabilsten der Welt. Durchschnittlich sind Haushalte rund zwölf Minuten pro Jahr von einem Stromausfall betroffen. Die meisten merken dies noch nicht einmal, da sie in der Zeit des Stromausfalls nicht zu Hause sind.
Doch der Sabotageakt zu Beginn dieses Jahres im Südwesten Berlins hat gezeigt, welche verheerenden Folgen ein längerer Stromausfall haben kann. Die Betroffenen hatten nicht nur keine Elektrizität. Auch Mobilfunk, Wasserversorgung und Heizungen fielen aus. Das hat im Winter noch zusätzliche Folgen wie kostspielige Schäden an Gebäuden durch geplatzte Wasser- und Heizungsrohre, warnt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Die Übernahme dieser Schäden durch Versicherungen ist häufig strittig.
Inselfähiger Wechselrichter ist notwendig
Eine Möglichkeit, sich gegen Stromausfälle zu wappnen, seien Solaranlagen mit Not- oder Ersatzstromfunktionen und Batteriespeicher, rät der Branchenverband. „Photovoltaik ist in der Lage, im Notfall dezentral und ohne funktionierenden Netzzugang die Energieversorgung sicherzustellen“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Das dient der Krisensicherheit der Betreiber und steigert die Resilienz unseres Energiesystems.“
Schließlich können Solaranlagen während eines Stromausfalls bei entsprechender Ausstattung Haushalte zeitweise auch autark mit Strom versorgen. Dazu muss aber ein inselfähiger Wechselrichter verbaut sein. Diese kann selbstständig ein Netz mit der vorgegebenen Frequenz von 50 Hertz aufbauen. Damit kann er die Solaranlage auch unabhängig vom Stromnetz betreiben und die Verbraucher im Gebäude mit Strom versorgen. Damit dies auch über Nacht gelingt, ist allerdings ein Batteriespeicher notwendig.
Strom im Krisenfall verfügbar
Wie lange eine solche inselbetriebsfähige Solaranlage im Falle eines Stromausfalls Energie liefern kann, hängt unter anderem von den genutzten Komponenten, der Größe und dem Ladestand des Speichers. Aber auch das Verbrauchsprofil der Betreiber sowie natürlich die Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle. „Wer sich eine neue Photovoltaikanlage anschaffen möchte, sollte sich auch zu den Möglichkeiten einer Not- und Ersatzstromfunktion beraten lassen, damit diese auf Wunsch im Krisenfall sofort verfügbar sind“, rät Carsten Körnig. „Die Mehrkosten für eine entsprechende technische Ausstattung seien in der Regel überschaubar. Auch bei Photovoltaik-Bestandsanlagen sei die Nachrüstung mit einer Notstrom- oder Ersatzstromfunktion in vielen Fällen möglich.“
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Steckdose für die Notversorgung
Doch Notstrom ist nicht gleich Notstrom. So verfügen manche Anlagen nur über eine Notstromfunktion, bei der einzelne Geräte mit einer Steckdose versorgt werden können. Damit wäre zumindest die Landung des Mobiltelefons oder der Betrieb einer Notheizung sichergestellt. In der Regel muss der Wechselrichter bei solchen Anlagen manuell auf die Notstromfunktion umgestellt werden.
Ersatzstrom fürs ganze Haus
Komfortabler ist es, wenn die Anlage über eine Ersatzstromversorgung verfügt. Dann kann die Photovoltaik entweder einen Teil des Gebäudes auf einer Phase oder das gesamte Hausnetz auf allen drei Phasen mit Sonnen- oder Batteriestrom versorgen. In diesem Falle wird der Stromkreis des Gebäudes vom Netz getrennt und die Anlage schaltet automatisch in den Inselbetrieb. Die vorhandene Elektroinstallation und die angeschlossenen Geräte werden dann aus der Batterie versorgt.
Wer kontrolliert die Software für die Steuerung von Batteriespeichern?
Damit dies möglichst lange gelingt, sollte der Hauseigentümer darauf achten, dass der Wechselrichter oder das Energiemanagement in der Lage ist, den Speicher bei Sonnenschein aus der Photovoltaikanlage nachzuladen. Ob das in der gewählten Variante möglich ist, kann der Fachbetrieb im Einzelfall erläutern, wissen die Branchenvertreter vom BSW-Solar.
Akkus mit Notstromsteckdose
Dies gelingt nicht nur im Einfamilienhaus, sondern ist auch im Mehrgeschosswohnungsbau und im Gewerbe eine Lösung, um sich gegen Stromausfälle zu wappnen. Außerdem haben einige Anbieter von Steckersolargeräten auch Batteriespeicher mit Notstromsteckdosen im Portfolio, über die sich Mieter:innen bei Stromausfall zumindest notdürftig versorgen können. Wer über keinen geeigneten Platz für die Installation von Solarmodulen verfügt, kann Notstrom auch aus einer tragbaren Batterie-Powerstation beziehen, rät der BSW-Solar.