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Blackout-Gefahr in Deutschland: 10 Maßnahmen, die unser Stromnetz endlich krisenfest machen

Der jüngste Angriff auf ein Berliner Umspannwerk hat Deutschland aufgerüttelt. Zehntausende Menschen saßen tagelang im Dunkeln, Krankenhäuser mussten auf Notstrom umschalten, der Alltag kam zum Erliegen. Christof Wittwer, Leiter des Geschäftsbereichs „Leistungselektronik, Netze und intelligente Systeme“ am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, macht deutlich, wie einfach potenzielle Angreifer an sensible Informationen gelangen: Im Internet seien viele Daten zum Stromnetz verfügbar – nicht nur Linksextremisten dürften diese haben, sondern auch der russische Geheimdienst.

Die gute Nachricht: Es gibt konkrete Lösungen. Diese zehn Maßnahmen können das deutsche Stromnetz deutlich resilienter machen.

1. Kritische Knotenpunkte physisch absichern

Umspannwerke, Netzleitstellen und Höchstspannungsleitungen brauchen dringend besseren Schutz. Zugangskontrollen, Videoüberwachung und Perimetersicherung nach einheitlichen Kritis-Standards können nach Ansicht des BDEW Sabotage, Brandanschläge und Drohnenangriffe deutlich erschweren. Besonders exponierte Anlagen in Ballungsräumen sollten dabei Priorität haben.

2. Redundanz ins Netzdesign einbauen

Wittwer erklärt, dass die großen Übertragungsleitungen häufig redundant ausgelegt seien, die Ebenen darunter – wie in Berlin – meist jedoch nicht. Aus Kostengründen habe man schlicht darauf verzichtet. Das muss sich ändern: Zusätzliche Leitungsverbindungen, ringförmige Strukturen und vorgehaltene Reservekapazitäten können verhindern, dass ein einzelner Ausfall zum Dominoeffekt führt.

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3. Dezentrale Strukturen und Inselnetzfähigkeit fördern

Ein zentralisiertes System ist anfällig für gezielte Angriffe. Dezentrale Erzeugung durch Photovoltaik, Blockheizkraftwerke und Batteriespeicher schafft laut VKU regionale Autarkieoptionen. Kommunen sollten in die Lage versetzt werden, bei Großstörungen kurzfristig Inselnetze aufzubauen – etwa für Krankenhäuser, Wasserwerke und Rechenzentren.

4. Schwarzstartfähige Kraftwerke und Wiederanlaufpläne bereithalten

Nach einem großflächigen Blackout muss das System kontrolliert wieder hochgefahren werden können. Dafür braucht es schwarzstartfähige Kraftwerke und Batteriespeicher, die geographisch verteilt und regelmäßig getestet werden. Europaweit abgestimmte Wiederaufbaupläne verhindern, dass der Neustart an einzelnen Engpässen scheitert.

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5. Cyber- und IT-Sicherheit massiv verstärken

Mit der Digitalisierung der Netzsteuerung wächst die Angriffsfläche für Hacker. Leitsysteme, Umrichter und Schutztechnik müssen kontinuierlich gehärtet werden. Multi-Faktor-Authentifizierung, Netzwerksegmentierung und regelmäßige Übungen mit BSI und Bundesnetzagentur sind unverzichtbar, um Cyberangriffe frühzeitig zu erkennen.

6. Ausfallsichere Kommunikationsnetze aufbauen

Netzführung hängt von stabiler Kommunikation ab. Fällt die Telekommunikation aus, wird selbst ein technisch intaktes Stromnetz schwer steuerbar. Netzbetreiber brauchen eigene, schwarzfallfeste Kommunikationsinfrastrukturen. Zudem muss klar geregelt werden, wie lange Mobilfunk- und Festnetzknoten im Stromausfall autonom durchhalten müssen.

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7. Mobile Einsatztruppen für schnelle Reparaturen

Wittwer regt eine Art „Eingreiftruppe“ an, die bei Schäden am Netz schnell handeln könne. Sabotage sei schwer zu verhindern, aber mit geeigneten Reparaturmaßnahmen sollte es gelingen, solche Stromausfälle auf weniger als 24 Stunden zu beschränken. Mobile Trafos auf Lastwagen könnten zügig die Stromversorgung wiederherstellen, bis die eigentlichen Leitungen repariert seien.

8. Strategische Ersatzteilreserven anlegen

Großtransformatoren und Schaltgeräte sind oft Einzelanfertigungen mit langen Lieferzeiten. Strategische Ersatzteilpools, gemeinsame Lager der Netzbetreiber und standardisierte Bauweisen verkürzen Reparaturzeiten nach Anschlägen erheblich. Gut ausgebildete, krisenerfahrene Einsatzteams sind dabei ebenso wichtig wie die Technik selbst.

9. Regulierungsrahmen auf Resilienz ausrichten

Wittwer betont, dass Resilienz letztlich eine Frage des Geldes sei. Sicherheit koste, und diese Kosten würden als Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt. Man müsse einen Mittelweg zwischen Robustheit des Systems und Wirtschaftlichkeit finden. Das Kritis-Dachgesetz der Bundesregierung soll hier ansetzen: Es sieht Risikoanalysen für alle Sektoren der kritischen Infrastruktur vor, die in Resilienzpläne und konkrete Schutzmaßnahmen münden.

10. Die Bevölkerung auf den Ernstfall vorbereiten

Selbst bei maximaler Optimierung bleibt ein Restrisiko für längere regionale Stromausfälle – gerade angesichts asymmetrischer Konflikte und Extremwetterereignisse. Aufklärung über persönliche Notfallvorsorge, Mindestvorräte und Nachbarschaftshilfe stärkt die gesellschaftliche Resilienz. Im Ernstfall entlastet das Einsatzkräfte und Netzbetreiber gleichermaßen.

Fazit: Stabilität ist kein Zufall

Wenn es nicht gerade sabotiert wird, gehört das deutsche Stromnetz zu den stabilsten der Welt: Die durchschnittliche Dauer von Stromausfällen lag 2024 laut Bundesnetzagentur bei nur 11,7 Minuten pro Verbraucher. Doch der Berliner Anschlag zeigt, dass diese Stabilität nicht selbstverständlich ist. Die Investition in ein resilienteres Netz ist eine Investition in unsere Sicherheit – und damit jeden Cent wert.