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Am 24. Juli 2026 vermeldete der Energiekonzern RWE die Übernahme von 35 Prozent der Anteile am Netzbetreiber Amprion. Mit 3,6 Milliarden Euro stockte das Unternehmen seine Beteiligung damit auf 55 Prozent auf und erreicht so eine Mehrheit, nachdem die Kartellbehörden dem Geschäft am 17. Juli 2026 zugestimmt haben.
RWE beherrscht schon jetzt den Strommarkt
Bei den Ökoenergieanbietern schrillen zu diesem Zeitpunkt die Alarmglocken. Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau, Green Planet Energy und Naturstrom kritisieren die Übernahmen und verlangen eine Überprüfung des Deals durch die Bundesnetzagentur. Denn sie sehen die Grundlage der Liberalisierung des Energiemarkts erheblich verletzt. „Denn die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarktliberalisierung“, wettert Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender von Naturstrom. „Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE widerspricht diesem Unbundling-Prinzip entscheidend und würde eine weitere Marktkonzentration im Stromsektor bedeuten“, warnt er.
Es sei unverständlich, warum dieser Deal ohne größere Prüfung durchgewinkt wurde, obwohl das Kartellamt mehrfach konstatiert habe, dass RWE in der Stromerzeugung schon an der Schwelle zur Marktbeherrschung stehe, wundert sich der Naturstrom-Chef. „Mit dem Zugriff auf die Informationen aus dem Netzbetrieb kann der Konzern sich so weitere unfaire Vorteile verschaffen – zulasten von Wettbewerb und Verbrauchern“, sagt er.
Netzbetreiber müssen unabhängig bleiben
Nils Müller, Vorstand der Green Planet Energy ergänzt: „Wenn Deutschlands größter Stromerzeuger Mehrheitsgesellschafter eines Übertragungsnetzbetreibers werden will, ist der Interessenkonflikt vorprogrammiert. Netzbetreiber verfügen über eine Schlüsselrolle für den Ausbau und die Modernisierung unseres Energiesystems“, umreißt er die Problematik. „Gerade weil der stockende Netzausbau inzwischen sogar als Begründung dafür dient, den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen, müssen Netzbetreiber unabhängig handeln und alle Marktteilnehmer gleichbehandeln“, betont Nils Müller. „Die Bundesnetzagentur sollte deshalb in einem neuen Zertifizierungsverfahren gründlich prüfen, ob diese Unabhängigkeit weiterhin zweifelsfrei gewährleistet ist.“
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Wettbewerbsvorteile für RWE
Auch Alexander Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau, sieht durch die Konzentration der Marktmacht bei RWE den fairen Netz- und Marktzugang gefährdet. Sladek warnt vor einem Interessenkonflikt, wenn ein großer Energieanbieter sich einen Netzbetreiber kauft. „Denn im heutigen Stromsystem entscheiden die Übertragungsnetzbetreiber darüber mit, welche Anlagen an das Übertragungsnetz angeschlossen werden – und über die Präqualifikation darüber, welche Anlagen sich am Regelleistungsmarkt beteiligen können, auch solche im Verteilnetz“, erklärt Alexander Sladek. „Wenn RWE, selbst Betreiber von Großbatteriespeichern, als Übertragungsnetzbetreiber über Marktzugang und Präqualifikation entscheiden kann, drohen Wettbewerbsvorteile für den Konzern. Dadurch können Barrieren für unabhängige Anbieter von Flexibilität entstehen, und damit für genau die Technologien, die wir für ein kosteneffizientes und klimaneutrales Stromsystem brauchen.“
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Netzbetreiber sind ohnehin schon Monopolisten
Aus Sicht von Felix Schäfer, Vorstand der Bürgerwerke, verliert die Energiewende dadurch eine wichtige Säule: die Demokratisierung der Energieversorgung. „Durch den Ausbau von Wind- und Solaranlagen können sich Menschen lokal an der Stromerzeugung beteiligen. Das steigert Akzeptanz, Teilhabe und Engagement“, erklärt er. „Die Netze bilden dagegen schon immer ein natürliches Monopol. Wenn ein Energiekonzern den Netzbetrieb beeinflussen kann, droht eine erneute Machtkonzentration bei Großunternehmen. Eine Re-Oligopolisierung der Energiewirtschaft würde die Energiewende ausbremsen“, warnt Felix Schäfer.
Die vier Unternehmen fordern von der Bundesnetzagentur, dass diese im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens nach Paragraph 4a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) umfassend prüft, ob die Regelungen der Entflechtung nach Paragraph 8 EnWG noch gegeben sind. Dabei müsse transparent nachgewiesen werden, dass Amprion unabhängig handelt, alle Marktteilnehmer gleichbehandelt und sensible Informationen aus dem Netzbetrieb geschützt bleiben, fordern die Kritiker der Übernahme.