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Besser Co-Location als Standalone-Speicher

Franz-Josef Feilmeier, Geschäftsführer von Fenecon, und sein Bruder Stefan Feilmeier, stellvertretender Geschäftsführer, erklären im Interview, welche Rolle Speicher und Co-Location künftig im Energiesystem spielen.

Was zeigen Sie auf der Smarter E Europe? Was steht beim Thema Großspeicher im Fokus?

Franz-Josef Feilmeier: Wir sind einer der letzten verbliebenen Hersteller, die ihre Großspeicher komplett in Deutschland fertigen. Dabei legen wir bei allen Komponenten großen Wert auf sichere, einheimische Lieferketten. Und Großspeicher bedeutet für uns nicht nur der Standalone-Speicher am Umspannwerk, sondern besonders auch der Speicher am Solarpark, Industriestandort oder Ladepark – überall, wo ‚behind-the-meter‘ bestehende Netzanschlüsse genutzt werden können. Dafür bringen wir eine neue modulare Speicher-Plattform mit auf die Messe, gepaart mit unserem vielfach ausgezeichneten Energiemanagement mit KI-basiertem Forecasting und Fahrplanmanagement.

Wie gelingt es Ihnen, sich so stark auf Deutschland zu fokussieren, während andere alles aus China beziehen?

Franz-Josef Feilmeier: Entscheidend ist bei den Großspeichern die gute Verfügbarkeit von neuen E-Fahrzeugbatterien. So groß wir uns als Speicherbranche auch fühlen mögen – im letzten Jahr betrug der gesamte deutsche Großspeichermarkt nach Zahlen der RWTH Battery-Charts lediglich 2 Gigawattstunden. Gleichzeitig wurden hierzulande 100 GWh in E-Fahrzeuge verbaut, ein Faktor von 50. Hergestellt wird allerdings mehr als verbaut: Es bleiben also in unseren Verhältnissen massenhaft Batterien aus der Fahrzeugindustrie übrig, beispielsweise wenn ein neuer Präsident in den USA es deutschen Elektroautoherstellern schwer macht oder aufgrund fehlender Chips zeitweise Bänder still stehen. Wir wissen von den OEMs und Zulieferern, dass typischerweise mindestens fünf Prozent dieser Premium-Automotive-Batterien – und letztes Jahr waren es sogar mehr als 5 GWh – übrig bleiben. Und dann landen sie im Schredder und werden direkt recycelt, obwohl sie qualitativ sogar besser sind als kostenoptimierte, großformatige LFP-Zellen.

Auch im Heim- und Gewerbespeicherbereich haben wir mittlerweile eine Größe und damit Skalierung erreicht, mit der wir wettbewerbsfähig in Deutschland produzieren können. So bauen wir derzeit Hybridwechselrichter- und Batteriemodulproduktionen in unserem Heimspeicherwerk in Süddeutschland auf.

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit Europa resilienter wird?

Franz-Josef Feilmeier: Politisch stehen derzeit zwei Ziele im Fokus. Erstens Cybersicherheit: Durch die Branche geht gerade eine Schockwelle wegen des EU-Förderverbots für chinesische Wechselrichter – und das ist ja erst der Anfang. Dort denkt man beispielsweise an das politische Erpressungspotenzial, das man China an die Hand gibt, wenn es per Mausklick unser Energiesystem lahmlegen kann. Aber sogar der einzelne Servicetechniker kann mit seinem Passwortzugang oft auf Gigawatts an steuerbarer Leistung in Europa zugreifen. Feindlich gesinnte Hacker könnten an solchen Onlinezugängen aus China und ohne Gültigkeit des europäischen Rechtssystems interessiert sein. Als wir es 2012 mit dem 50,2 Hz-Problem zu tun hatten, hat sich die Politik sogar für eine Nachrüstpflicht aller betroffenen Wechselrichter entschieden, daran lehnen sich aktuelle Diskussionen an.

Zweitens industriepolitische Resilienz. Politik muss wieder über Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung nachdenken. Auch unsere Grundstoffindustrien brauchen neue Absatzkanäle. In Europa gefertigte Batteriespeicher können auch Stahl, Elektromaterial, Klimatechnik usw. von heimischen Herstellern nutzen und damit wegbrechende Automotive-Mengen ersetzen. Daher wird künftig gelten: wo in Europa Steuergeld fließt, wird auch die umfassende europäische Fertigung Vorgabe sein.

Stefan Feilmeier: Wir sind beide Reserveoffiziere der Bundeswehr und tauschen uns regelmäßig mit Sicherheitsbehörden aus, denn Cyberangriffe auf die Energieinfrastruktur finden täglich statt. Parallel wird im Bereich der öffentlichen Verwaltung viel über Datensouveränität und den Wert von Open-Source-Software gesprochen. Mit unserem Cybersicherheit-by-Design-Ansatz und unserem Engagement in der OpenEMS Association bringen wir diese Welten zusammen - denn dezentrale Speicher mit intelligentem Energiemanagement bieten die Chance für eine wirklich resiliente, sichere und unabhängige Energieversorgung.
Bei uns sind Speicher und Energiemanagement eine Einheit. Wären wir nur Energiemanagementsystem-Anbieter, wären wir einer der größten in Deutschland. Diese Erfahrung bringen wir dorthin, wo Speicher wirklich Sinn ergeben – nicht nur in die Bubble „Standalone-Großspeicher auf dem freien Feld“, sondern an den Industriestandort und in den Solarpark.

Sie sagen Bubble?

Franz-Josef Feilmeier: Ein Containergroßspeicher als Produkt ist logistisch und kostenseitig optimiert, größer skaliert es nicht. Während also ein Projekt mit zig solcher Einheiten eigene teure Netzinfrastruktur und teure Pachtflächen braucht – und dann jede Kilowattstunde am Energiemarkt kaufen und verkaufen und dafür mit netzverträglichen Restriktionen durchs Netz muss – können dieselben Containerspeicher co-located kombinierte Einnahmen erzielen, schneller gebaut werden und freier agieren. Der Standalone-Großspeicher-Hype renditehungriger, meist internationaler Investoren wird also vorübergehen, während Speicher ‚behind-the-meter‘ nachhaltig wirtschaftlich sind und bleiben. Daher haben wir auch die klare Vision von einem „Speicher und Energiemanagement an jedem Netzanschluss“ – einfach weil es überall Sinn macht und wirtschaftlich ist.

Was bieten Sie beim Thema Co-Location mit PV?

Franz-Josef Feilmeier: Neue Solarparks machen am Energiemarkt nur noch mit Speicher Sinn und bei jungen Parks ohne Vergütung bei Negativpreisen erhöhen Speicher die Wirtschaftlichkeit. Wichtig ist aber, dass wir nicht denselben Fehler wie bei den PV-Heimspeichern machen – den nimmt uns die Politik immer noch sehr übel: lasst uns keine neuen „Winterschläfer“ bauen. Wichtig ist also, dass auch Grünstromspeicher technisch und beim Messkonzept so gebaut werden, dass sie nicht nur aus der PV-Anlage, sondern auch aus dem Netz geladen werden können. Die Politik wird dafür sorgen, dass die Netzbetreiber auch Bezugsleistung dafür bereitstellen werden.

Stefan Feilmeier: Dasselbe gilt natürlich auch für Dachanlagen aller Größenordnungen: hier werden aktuell auch viele Anlagen mit Speicher nachgerüstet. Diese können wir mit Direktvermarktungspartnern ebenso einfach und ertragreich an den Energiemarkt anbinden. Alle Anlagen nutzen bei uns das gleiche Energiemanagementsystem und dieselben Vermarkter-Schnittstellen. Dank des Energiefahrplans mit KI-basierten, Anlagen-individuellen Erzeugungs- und Verbrauchsforecasts können überschüssige Energiemengen hochpreisig aus dem Speicher eingespeist und restlicher Strombedarf zu Zeiten günstiger Börsenstrompreise und variabler Netzentgelte bezogen werden. Deutschland ist unser Heimatmarkt und wir haben immer den Anspruch, alle aktuellen und zukünftigen Energiemarktmöglichkeiten für unsere Kunden nutzbar zu machen – und das ohne neue Abhängigkeiten oder laufende Kosten.

Franz-Josef und Stefan Feilmeier, Geschäftsführer und stellvertretender Geschäftsführer des Speicherherstellers Fenecon

FENECON

Franz-Josef und Stefan Feilmeier, Geschäftsführer und stellvertretender Geschäftsführer des Speicherherstellers Fenecon