Das energiewirtschaftliche Beratungsunternehmen BET Consulting hat zusammen mit Energy2Market einen frei zugänglichen Marktindex für Batteriespeicher in der Co-Location entwickelt. Schließlich wird der Bau von Speichern in Kombination mit Solarparks und gewerblichen Photovoltaikanlagen immer mehr zum Standard. Doch fehlte bisher eine transparent quantifizierte Anzeige des täglichen Mehrwerts solcher Speicher.
Reale Vermarktungsergebnisse eingepflegt
Deshalb hat BET ein solches Modell auf Basis umfangreicher Projekterfahrung entwickelt. Das Unternehmen hat die Konzeption, Modellierung, Datenverarbeitung und Veröffentlichung des Indexes übernommen. Energy2Market wiederum hat das Modell mit seiner Marktexpertise und einem großen operativen Co-Location-Portfolio aus Photovoltaik und Batteriespeichern ergänzt.
Im laufenden Betrieb modelliert Energy2Market kontinuierlich auf Basis realer Vermarktungs- und Optimierungsergebnisse die Ertragswerte dieser kombinierten Anlagen. Im Anschluss zeigt der Index, welche Marktmechaniken, Erlösstrukturen und Restriktionen zum jeweiligen Zeitpunkt möglich sind.
Verschiedene Speicherarten berücksichtigt
Dadurch bekommen die Anlagenbetreiber eine robuste und nachvollziehbare Referenzgröße, um den Betrieb des Systems entsprechend anzupassen. Denn der Index zeigt tagesaktuell den erzielbaren Mehrwert unterschiedlicher Speicherstrategien gegenüber dem reinen Betrieb der Solaranlage ohne Batterie. Dabei berücksichtigt er verschiedene Speichertypen.
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So unterschieden sich die Erlösstrukturen eines reinen Grünstromspeichers, der ausschließlich Strom aus der Solaranlage zwischenlagert, von denen eines sogenannten Graustromspeichers. Denn dieser speichert Strom aus dem Netz ein. Dabei geht aber die EEG-Qualität des eingelagerten Stroms verloren, was sich wiederum auf die Zertifizierung dieser Energie auswirkt. Wieder andere Erlösstrukturen sind im Mischbetrieb möglich. Wichtig ist hier die Abgrenzung des Ökostroms vom eingespeicherten Netzstrom, was mit einem passenden Messkonzept möglich ist. Dann bleibt die EEG-Qualität dieser Strommengen erhalten, die sich besser vermarkten lassen.
Marktanalyse im 15-Minuten-Takt
Grundlage für den Index ist eine detaillierte Einsatzsimulation des Handels- und Betriebsverhaltens der Anlagenkombination auf den relevanten Spot-Märkten. Die Berechnung erfolgt in einer 15-Minuten-Auflösung. Sie berücksichtigt tagesaktuell den Day-Ahead-Markt, Intraday-Auktionen, den kontinuierlichen Intraday-Handel sowie veröffentlichte Marktwerte und Wetterdaten zur Photovoltaikeinspeisung.
Zusatzerlöse gemessen
Der erste Einsatz des Index zeigt, dass die Solaranlage in Kombination mit einem Speicher klar messbare Zusatzerlöse im Vergleich zur reinen Photovoltaikanlage einspielt. Dies gilt vorrangig dann, wenn die Marktwerte des Stroms sinken, wie es in den Mittagsstunden im Sommer inzwischen üblich ist. In diesen Perioden erzielen reine Grünstromspeicher rund 50 Prozent geringere Erlöse als Graustromspeicher. Im Gegensatz dazu bieten Grünstromspeicher aber einen einfacheren Netzzugang und Fördermöglichkeiten. „Durch die zukünftig verfügbare Abgrenzungsoption kann ein Mischstromspeicher zwar erhebliche Mehrerlöse gegenüber dem reinen Grünstrombetrieb erzielen, der Mehrwert gegenüber einem Graustrombetrieb ist bei neuen Photovoltaikanlagen jedoch gering“, beschreiben die Projektpartner die Ergebnisse.
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Der Index ist ab sofort frei zugänglich und dient als objektive Referenzgröße für Marktteilnehmer. Der Index eröffne einen transparenten Blick auf reale Zusatzerlöse – unabhängig und neutral, betonen die Projektpartner. „Der Index schließt eine zentrale Informationslücke im Markt und bietet Investoren, Projektentwicklern, Banken und Betreibern eine objektive Orientierung und eine verlässliche Grundlage zur Bewertung hybrider Photovoltaikprojekte und bestehender Prognosen“, erklärt Alexander Kox, Geschäftsführer von BET.
Grundlage für projektspezifische Analysen
Der neue BESS-Co-Location-Index sei ein frei zugängliches Werkzeug als Startpunkt für vertiefende, projektspezifische Analysen, ergänzt Lukas Löhr, Leiter Kompetenzteam Energiemarktmodelle & Preisprognosen bei BET. Kai Becker, Entwicklungschef von Energy2Market, sieht in dem Index die Möglichkeit, Transparenz in ein Thema zu bringen, das den Markt derzeit intensiv beschäftigt, dessen wirtschaftliche Potenziale jedoch häufig unterschätzt oder falsch eingeordnet werden. „Der BESS-Co-Location-Index verbindet wissenschaftliche Modellierung mit unserer operativen Markterfahrung aus der Optimierung realer Co-Location-Anlagen – genau diese Perspektive benötigt der Markt jetzt“, ist er sich sicher.
Bei der Entwicklung wurden die Indexwerte konsequent an realen Vermarktungsergebnissen gespiegelt, erklärt Rüdiger Deilke, Portfoliomanager bei Energy2Market. „Dadurch stellen wir sicher, dass der Index keine theoretische Größe bleibt, sondern die tatsächlichen Erlöspotenziale von Co-Location-Projekten realistisch abbildet“, sagt er.