Foto: Stadtwerke München

Stadtwerke

Trianel will Flexibilitätsgeschäft entwickeln

Die Stadtwerke-Kooperation will zusammen mit weiteren Partnern im Rahmen des Projekts Flexstore Geschäftsmodelle für den Flexibilitätsmarkt entwickeln. Damit können Stadtwerke sich ein neues Standbein im Zuge der Energiewende verschaffen.

Die Stadtwerke-Kooperation Trianel mit Sitz in Aachen hat den Flexstore gestartet. Das ist ein Angebot an Stadtwerke, die Unterstützung bei der Umsetzung von Flexibilitätsprojekten bekommen wollen. Die Spannbreite reicht dabei von der Installation von Speichersystemen über die Entwicklung Quartieren mit flexiblem Verbrauchs- und Erzeugungsverhalten bis hin zu industriellen Flexibilitätslösungen.

Bedarf an Flexibilität steigt

Denn diese Flexibilitäten werden angesichts des Ausbaus von fluktuierender Erzeugung und des Umstiegs auf Wind- und Solarenergie in Zukunft wichtiger. Denn bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch in Deutschland auf 65 Prozent steigen. „Der Umbau der Energiewirtschaft mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Abschied von konventionellen Grundlastkraftwerken wird den Bedarf an Flexibilität und Speichermöglichkeiten massiv steigern“, erklärt Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke-Kooperation Trianel. „Hier sollten sich Stadtwerke frühzeitig positionieren und jenseits des Commodityvertriebs eine neue Marktrolle als Flexibilitätsmanager für ihr Versorgungsgebiet aufbauen.“

Neue Marktrolle für Stadtwerke

Schließlich wird ein Flexibilitätsmarkt entstehen. Schließlich müssen die volatil erzeugenden Ökostromanlagen in das Energiesystem integriert werden. Dieses Geschäftsfeld sollten die Stadtwerke schnell für sich erschließen, um den Einstieg in den Flexibilitätsmarkt nicht zu verpassen. „Der Schlüssel liegt im Flexibilitätsmanagement auf Verteilnetzebene, in der klugen Steuerung der fluktuierenden Erzeugung der Erneuerbaren und der Verbrauchsseite, in der Bereitstellung von Speicherkapazitäten sowie in der Kopplung der Sektoren,“ erklärt Becker die Strategie.

Derzeit seien Flexibilitätsanwendungen zwar im aktuellen Marktumfeld wirtschaftlich nicht darstellbar, sagt der Trianel-Sprecher. „Mit der Stilllegung fossiler Grundlastkraftwerke wird ab 2023 der Bedarf an Flexibilitäten aber stark ansteigen. Um die Chancen des zukünftigen Geschäftsfelds zu nutzen, sei es für Stadtwerke wichtig, sich bereits heute mit der neuen Marktrolle als Flexibilitätsmanager zu beschäftigen.“

Wissen aufbauen und teilen

Die Einstiegshürde in diesen Markt will Trianel für die Stadtwerke absenken und gemeinsam mit Stadtwerken und weiteren Projektpartnern das notwendige Know-how aufbauen. Es geht hier darum, Chancen für die Flexibilisierung zu erkennen und letztlich Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Dazu soll in der ersten Phase des auf drei Jahre angelegten Netzwerkprojekts der Wissensaufbau und Wissenstransfer unter den Mitgliedern des Flexstore gefördert werden. „Im Fokus stehen dabei die Analyse neuer Entwicklungen im Bereich der Flexibilisierung des Energiesystems sowie der Speichermöglichkeit und sich daraus potenziell ergebender neuer Geschäftsfelder“, beschreibt Trianel diese Phase. Ein zentrales Element werden Workshops mit den Mitgliedern sein. Die erste dieser Veranstaltungen soll noch im Frühjahr 2020 stattfinden.

Investitionsmöglichkeiten schaffen

Aus den Ergebnissen der ersten Phase will Trianel zusammen mit den Flexstore-Mitgliedern tragfähige Geschäftsmodelle entwerfen und Pilotprojekte anstoßen. Dabei sollen die Töpfe der deutschlandweiten Forschungsförderung angezapft werden. Langfristig werden daraus konkrete Investitionsmöglichkeiten für die Stadtwerke in innovative Flexibilitäts- und Sektorkopplungsprojekte aus den Bereichen des intelligenten Verteilnetzbetriebs, Stromspeicherung in Großbatterien, Power-to-Gas und Power-to-Heat geschaffen.