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Strom speichern statt abregeln: Wilhelmshaven wird zum Nervenzentrum der Energiewende

Blauer Himmel über der Nordsee, eine steife Brise treibt über den Deich. Direkt dahinter: das abgeschaltete Kohlekraftwerk von Uniper in Wilhelmshaven, ein Monument vergangener Energiepolitik. Ein paar Meter weiter beginnt die Zukunft – abgesperrtes Gelände, Warnschilder: „Achtung, Kampfmittelräumung“. Hier soll ein 50-Megawatt-Batteriespeicher entstehen. Über aktuelle Fortschritte des Vorhabens erfahren Sie hier mehr.

Uniper und Ngen haben auf dem Gelände des ehemaligen Uniper-Kraftwerks in Wilhelmshaven den offiziellen Spatenstich für den Bau eines Batteriespeichers mit einer Leistung von 50 Megawatt (100 MWh) gesetzt. Mit der Anlage schaffen beide Unternehmen einen wichtigen Baustein für eine flexible, zuverlässige und zunehmend erneuerbare Stromversorgung in Deutschland.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Wo früher Kohle verfeuert wurde, soll künftig Strom gespeichert werden – und zwar genau dann, wenn Windräder und Solaranlagen mehr liefern, als das Netz aufnehmen kann. Für Niedersachsen ist das mehr als ein technisches Projekt. Es ist ein politisches Signal.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies stellt die Dimension klar: Es gehe nicht nur um saubere Energie, sondern um Unabhängigkeit. Batteriespeicher seien „ein elementarer Baustein“, um eine verlässliche Versorgung aus heimischen erneuerbaren Quellen sicherzustellen. Dahinter steht eine der zentralen Fragen der aktuellen Energiepolitik: Wie wird aus schwankender Erzeugung ein stabiles System?

Sehen Sie auf unserem Youtube-Kanal eine Diskussion unter anderen mit Uniper zum Thema Stromvermarktung und Speicher 

Die Antwort liegt auch in Wilhelmshaven. Der Standort ist längst mehr als ein ehemaliges Kohlekraftwerk. LNG-Terminals, Wasserstoffpläne, Energie-Hub – und nun ein Großspeicher. Die Region wird zum Experimentierfeld der Energiewende (siehe Schaubild). Und gleichzeitig zu einem politischen Prüfstein.

Lesen Sie hier Olaf Lies Meinung zum Thema Offshore-Windkraft in Deutschland 

Denn während die Technik voranschreitet, bleibt die Kritik an der politischen Linie laut. Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist fordert vor allem eines: Verlässlichkeit. Ständiges Nachjustieren, mal nach links, mal nach rechts, schrecke Investoren ab. „Damit kann niemand etwas anfangen“, sagt er. Wer wolle schon in eine Zukunft investieren, deren Rahmen sich ständig verschiebt?

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Der Batteriespeicher wird ein Meilenstein: 100 Megawattstunden Kapazität, geplant für Anfang 2027. Seine Funktion ist zentral. Er soll Strom aufnehmen, wenn zu viel produziert wird, und wieder abgeben, wenn er gebraucht wird. Ein Puffer für ein System, das ohne solche Flexibilität an seine Grenzen stößt.

Lesen Sie hier etwas über Uniper und den Bau eines Elektrolyseurs

Für Uniper ist das Projekt Teil einer größeren Transformation. Der Konzern, lange ein Symbol konventioneller Energie, positioniert sich neu. COO Holger Kreetz spricht von der „nächsten Phase der Energiewende“ – einem integrierten, digital gesteuerten System, in dem unterschiedliche Technologien zusammenspielen. Wilhelmshaven sei dafür ein konkretes Beispiel.

Schaubild Zukunft der Energieregion Wilhelmshaven.

Nicole Weinhold

Schaubild Zukunft der Energieregion Wilhelmshaven.

Tatsächlich entscheidet sich hier mehr als nur die Zukunft eines Standorts. Es geht um die Frage, ob Deutschland den Umbau seines Energiesystems technisch und politisch gleichzeitig bewältigen kann. Speicher wie dieser könnten helfen, Kosten zu senken, weil weniger Strom abgeregelt werden muss – ein Punkt, den auch Lies betont.

Doch der Erfolg hängt nicht nur von Megawatt und Megawattstunden ab. Er hängt daran, ob Politik, Wirtschaft und Region an einem Strang ziehen – und ob sie es schaffen, aus einem ehemaligen Kohleareal einen stabilen Baustein der neuen Energieordnung zu machen.

Noch ist das Gelände abgesperrt. Noch wird nach Altlasten im Boden gesucht. Aber genau das macht den Ort so symbolisch: Die Energiewende in Wilhelmshaven beginnt nicht auf der grünen Wiese – sondern auf dem Fundament der alten Welt. 

Mit der digitalen Beteiligungsplattform „Hallo Zukunft Uniper“ bietet Uniper interessierten Bürgern eine Möglichkeit den Fortschritt des Projekts zu verfolgen und Fragen zu stellen.