Foto: Baywa r.e.

Energy Report 2019 von Baywa re - ein Kommentar zur aktuellen Energiepolitik

Unternehmen wollen in Erneuerbare investieren

Die Mehrheit der Unternehmen in Europa will in erneuerbare Energien investieren, um ihre Stromkosten zu senken. Sie stehen allerdings oft vor bürokratischen Hürden, die die Regierungen in den vergangenen Jahren aufgebaut haben.

Noch ist nichts in Sack und Tüten. Doch kaum jemand nimmt an, dass der Bundestag am morgigen Freitag (30. November 2018) die massiven Verschlechterungen des Rahmens für den Bau von größeren Ökostromanlagen stoppen wird. Zwar liegen dann noch die Hoffnungen auf dem Bundesrat, der ja schon ein dickes Änderungspaket ins Bundeswirtschaftsministerium geschickt hat. Doch selbst wenn man hier einlenkt, der Flurschaden ist angerichtet.

Altmaiers Angriffe zielen vor allem auf die Unternehmen. Vielmehr die Klimaschutzziele, die diese verfolgen. Denn die haben sie tatsächlich. Wie der aktuelle Energy Report von Baywa re zeigt, will die Mehrheit der Unternehmen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen gern mehr in erneuerbare Energie investieren – hauptsächlich, um die Energiekosten zu senken. Denn längs ist auch in den Unternehmen angekommen, dass sich der Bau von eigenen Solaranlagen oder andere Ökostromgeneratoren finanziell lohnt. Zumindest 92 Prozent von ihnen investieren in solche Technologien, um die eigenen Stromkosten zu senken.

Bis zu drei Viertel wollen eigenen Ökostrom

Um das herauszufinden, hat das Meinungsforschungsinstitut Yougov die Energieentscheider von 1.200 Unternehmen in den oben genannten Ländern nach ihren Nachhaltigkeitszielen befragt. Dabei stand der Nutzung von erneuerbaren Energien bei zwei Drittel bis drei Viertel von ihnen ganz weit oben auf der To-Do-Liste. Ganz vorn bei den Interessenten liegen die Unternehmen in Spanien, wo sich die Rahmenbedingungen gerade verbessern. Schließlich ist dort die lästige Eigenverbrauchssteuer weggefallen.

In Deutschland hingegen, wo die Sonnensteuer immer noch gilt und wo die Solarbranche endlich die psychologische Hürde, Solaranlagen würden sich deshalb nicht lohnen, geknackt hat, kommt der Bundeswirtschaftsminister mit dem nächsten Knüppel, den er der Energiewende zwischen die Beine wirft. Man mag darüber spekulieren, warum er das tut. Aber klar ist: Selbst wenn die Absenkung des Einspeisetarifs nur geringe Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Anlagen hätten, die ohnehin für den Eigenverbrauch gebaut werden, geht der Kampf der Solarbranche wieder von neuem los.

Anlagen ohne Bevormundung bauen

Dabei wünschen sich die Unternehmen nichts sehnlicher als endlich ohne Bevormundung aus den europäischen Hauptstädten Anlagen bauen zu können. Das zeigt die Studie von Baywa re ganz deutlich. Zwar bewerten die Unternehmen die Rahmenbedingungen – zum Zeitpunkt der Befragung – grundsätzlich durchaus positiv. Aber bürokratische und komplexe Vorschriften erschweren den Unternehmen die Investition in erneuerbare Energien. Genau diese Kerbe haben die europäischen Regierungen jahrelang immer weiter vertieft – mit komplizierten Regelungen für den Eigenverbrauch, in einigen Ländern auch, indem sie komplexe Voraussetzungen für den Netzanschluss zugelassen haben oder die Investoren mit endlosen Meldepflichten traktieren. Dabei zeigen die Ergebnisse der Umfrage ganz deutlich, dass das Potenzial für Unternehmen, die Energiewende einen riesigen Schritt weiterzubringen, groß ist. „Voraussetzung ist, dass wesentliche Hindernisse, die weitere Investitionen in erneuerbare Energien erschweren, überwunden werden können“, schreiben die Autoren des Energy Report.

Wirtschaftlich ist die Sache durch

Das ist auch die einzige Möglichkeit für die unwilligen politischen Entscheider in den europäischen Hauptstädten, die Energiewende noch aufzuhalten – aus welchem Grund sie das tun, bleibt Spekulation. Denn wirtschaftlich ist die Sache eigentlich durch. Zumindest was die Unternehmen angeht. Denn nur noch eine Minderheit sieht die Investitionskosten für den Bau von Eigenverbrauchsanlagen als zu hoch an. Deren Anteil liegt nur noch bei etwa einem Drittel, wenn man die befragten Unternehmen in Großbritannien und Polen weglässt. Doch selbst dort sieht mehr als die Hälfte der Befragten nicht mehr die Investitionskosten als Hürde. Selbst die Amortisationszeiten sind für die Mehrheit der Unternehmen nicht mehr zu lang. Auch die Unsicherheit, dass die eigenen Ökostromanlagen ausfallen könnten und plötzlich die Versorgungssicherheit auf der Kippe stehen könnte, haben sich weitgehend in Luft aufgelöst. Es sind tatsächlich ausschließlich die Hürden, die die Politik aufstellt, die die Unternehmen davon abhält, in erneuerbare Energien zu investieren und damit ihre Stromkosten zu senken.

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