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Wasserstoff

Vier Tipps für eine erfolgreiche europäische Wasserstoff-Strategie

Die europäische Wasserstoff-Strategie ist ein erster Schritt. Mit einigen Anpassungen könnte sie die Energiezukunft maßgeblich positiv beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Die Europäische Kommission hat ihre Strategie zu Wasserstoff und einem integrierten Energiesystem verabschiedet. Gut, dass es sie gibt. Sie könnte mit einigen Anpassungen aber deutlich stärkere Wirkung erzielen.

Folgende Anpassungen wäre wichtig:

1. Erneuerbare Energien

Ein klares Bekenntnis für einen zügigen und vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien. Die Wasserstoff-Strategie muss mit einem beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien kombiniert werden. Der gesamte CO2-Fußabdruck von Wasserstoffprodukten muss berücksichtigt werden, sodass sich daraus der Einsatz von grünem Wasserstoff statt grauem oder blauem durchsetzt.

2. Flexibilität und Speicherfähigkeit

Die zentralen Vorteile von Wasserstoff sollten zur Geltung kommen. Das sind Flexibilität und Speicherfähigkeit. Das würde dazu führen, dass Wasserstoff dann und dort produziert wird, wo tatsächlich viel erneuerbarer Strom zur Verfügung steht. Wasserstoff wird wirtschaftlich eine Erfolgsgeschichte, wenn er seine Rolle als Partner der Erneuerbaren einnimmt. Die Wasserstoffproduktion muss auf die Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenstrom reagieren.

3. Mutige Ziele

Die europäische Wasserstoffstrategie sieht laut Entwurf vom 19. Juni einen EU-weiten Ausbau von mindestens vier Gigawatt Elektrolyse-Kapazität bis 2024 und 40 Gigawatt bis 2030 vor. Die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sieht einen deutschen Ausbau von fünf Gigawatt bis 2030 vor, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert fünf Gigawatt bis 2025. Sprich: Die Ausbauziele sollten höher angesetzt werden. Sie sollten ambitionierter sein.

4. Absage an fossile Quellen

Die europäische Wasserstoffstrategie sollte eine eindeutige Absage an klimaschädliche fossile Wasserstoffquellen enthalten. Für eine Übergangszeit soll laut bisherigem Plan auch sogenannter „blauer Wasserstoff“ genutzt werden, der aus Erdgas per Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) gewonnen wird sowie Wasserstoff, der aus fossilem Strom stammt. Die europäische Wasserstoffstrategie zeigt deutlich die Handschrift der Erdgaslobby, die auch bei der deutschen Strategie schon mitgemischt hat. Die EU sollte lieber die Chance nutzen, gemeinsam mit den benachbarten Regionen neue, am Klimaschutz orientierte Energiepartnerschaften aufzubauen, statt überholte Geschäftsmodelle der fossilen Gasbranche zu erhalten. Klimafreundlich ist nur grüner Wasserstoff.

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