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Schleswig-Holstein fordert verlässliche Rahmenbedingungen für Wasserstoffwirtschaft

Grüner Wasserstoff bietet große Chancen für mehr Flexibilität im Energiesystem, neue industrielle Wertschöpfung und zusätzliche Investitionen in Schleswig-Holstein. Gleichzeitig sorgen die aktuellen energiepolitischen Entwürfe der Bundesregierung für wachsende Unsicherheit bei den Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien. Dies war die zentrale Botschaft beim Parlamentarischen Sommerempfang des Landesverbands Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein.

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Marcus Hrach, Geschäftsführer des LEE Schleswig-Holstein, übte scharfe Kritik an der Energiepolitik: „Frau Reiche tritt auf das energiepolitische Gaspedal, hat aber den Rückwärtsgang eingelegt. Statt den Weg in ein erneuerbares Energiesystem freizumachen, bindet sie Deutschland an neue fossile Abhängigkeiten." Jeder Euro für erneuerbare Energien, Speicher und Flexibilität mache Energie günstiger, sicherer und unabhängiger. Jeder Euro für neue fossile Strukturen verlängere hingegen teure Importabhängigkeiten, mindere die Resilienz und schaffe Kosten für Bürger und Unternehmen.

Wasserstoff als strategischer Baustein

Für Hrach gehört Wasserstoff untrennbar zu einem modernen Energiesystem. Schleswig-Holstein könne Energieland und Industriestandort zugleich sein, wenn die Politik jetzt Planungssicherheit, Infrastruktur und einen verlässlichen Markthochlauf von grünem Wasserstoff ermögliche. Die strategische Rolle von Wasserstoff im künftigen Energiesystem gehe weit über einzelne Projekte hinaus. Entscheidend sei, jetzt die richtigen Rahmenbedingungen für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft zu schaffen und Wasserstoff dort einzusetzen, wo direkte Elektrifizierung an ihre Grenzen stoße.

Erdgas ist kein Ökogas – mehr dazu hier.

Felix Chr. Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts, ordnete die Bedeutung von Wasserstoff für die langfristige Transformation des Energiesystems ein: „Ohne robuste Klimaneutralitätspfade gibt es keinen Wasserstoff und ohne Wasserstoff gibt es keine Klimaneutralität." Wasserstoff werde auch für eine souveräne und zukunftsorientierte Industriepolitik eine wichtige Rolle spielen können und müssen. Deswegen dürfe der kurzfristig noch relativ teure Wasserstoffhochlauf keinesfalls von der Aktivitäts- und Prioritätsliste verschwinden.

Projekte sind vorhanden, Genehmigungen fehlen

Aus Sicht der Projektentwicklung ist die Ausgangslage eindeutig. „Wer morgen grüne Gase und Methanol will, wer Flexibilität und eigene Versorgungssicherheit will, muss heute Wasserstoffprojekte möglich machen", sagte LEE SH Vorstand Ove Petersen. Die Projekte seien da, die Regionen bereit und die Unternehmen wollten investieren. Was fehle, seien schnelle Genehmigungen, überregionale Wasserstoffinfrastruktur und insbesondere stabile Rahmenbedingungen.

Damit aus konkreten Projektideen auch tatsächlich Investitionen werden, braucht es neben technologischen Lösungen vor allem verlässliche wirtschaftliche und regulatorische Perspektiven. Felix Pahl, Partner Energy Transition Funds bei Copenhagen Infrastructure Partners, richtete den Blick auf die Perspektive von Investoren und Kapitalgebern: „Die Zukunft des grünen Wasserstoffs entscheidet sich nicht im Labor, sondern in der Anwendung. Wenn wir regionale Potenziale konsequent nutzen und Projekte gemeinsam zur Marktreife bringen, schaffen wir eine nachhaltige Energieversorgung, stärken den Wirtschaftsstandort und eröffnen neue Chancen für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette."

Stahlindustrie fordert bezahlbaren Wasserstoff

Für die Industrie ist Wasserstoff kein abstraktes Zukunftsthema, sondern ein entscheidender Baustein für die Transformation bestehender Produktionsstandorte und Wertschöpfungsketten. Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, beschrieb, worauf es aus Sicht der energieintensiven Industrie jetzt ankommt: „Wasserstoff ist für eine emissionsarme Stahlproduktion wesentlich. Heute ist er aber weder ausreichend verfügbar noch bezahlbar."

Damit Wasserstoff in der Stahlindustrie wettbewerbsfähig werden könne, brauche es ein Umdenken bei den regulatorischen Rahmenbedingungen, mehr Pragmatismus und Märkte, die emissionsarmen Stahl Made in EU abnehmen. Weil die Wasserstoffelektrolyse genau wie die Stahlindustrie auf bezahlbaren Strom angewiesen sei, brauche es außerdem endlich einen Industriestrompreis, der seinen Namen verdient.

Der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein vertritt die Vielfalt und gemeinsame Stärke der Erneuerbaren-Energien-Branche. Zu den LEE SH-Mitgliedern gehören neben diversen Spartenverbänden auch rund 200 Unternehmen, Verbände, Vereine und Einzelpersonen.