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Corona-Schnellumfrage

Wie (sehr) halten Sie ihren Service für die Windenergie aufrecht?

„Lockdown“ zur Pandemie: Manche Windkraftfirmen, etwa in der industriellen Fertigung, arbeiten eingeschränkt – andere sind voll da. Eine Umfrage.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

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Dirk Hansen, Geschäftsführer, Dirk Hansen Elektro- und Windtechnik

Sind Sie für Ihre Kunden noch voll da?
Dirk Hansen:
Ja, wir sind im voll Umfang tätig. Wir sind ein Stück systemrelevant. Ohne Strom läuft nichts! Wir halten den gesamten Service/DFÜ aufrecht. Auch alle unsere Partner Firmen, wie Kran-Unternehmen, Speditionen arbeiten ohne Einschränkungen!

Welcher ist vielleicht sogar besonders nachgefragt?
Dirk Hansen:
Wichtig ist, dass auch unsere Kunden jederzeit bei uns anrufen können, um ihre Fragen und Anliegen loszuwerden. In diesen Zeiten ist es wichtig, überhaupt einen zuverlässigen Service anzubieten und bei Problemen zu helfen.

Welchen Service müssen Sie zurückstellen – und warum?
Dirk Hansen:
Ich hoffe, dass meine Fachkräfte bei guter Gesundheit sind und bleiben und wir unsere Service-Leistungen weiterhin bringen.

Liegt betreffs Ihres speziellen Servicebereichs für Ihre Kunden sogar eine Chance durch die Coronakrise, indem diese gerade jetzt etwas mit Ihrer Hilfe verbessern können?
Dirk Hansen:
Wir hoffen aus den jetzigen Dingen zu lernen, dass es Grenzen gibt. Diese jetzt zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen ist unser Ziel. Bitte bleiben Sie alle gesund!

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Stephan Frigge, Geschäftsführer, Phoenix Contact Deutschland

Sind Sie für Ihre Kunden noch voll da?
Stephan Frigge:
Selbstverständlich. Wir haben sehr früh begonnen, um uns auf die drohende Pandemie vorzubereiten. Heute sind alle Vorkehrungsmaßnahmen zur Sicherung unserer Kernprozesse und zum Schutz unserer Mitarbeiter umgesetzt. Im Prinzip halten wir unsere gesamte Bandbreite an Services aufrecht, allerdings mussten wir einige Services und Prozesse an die derzeitigen Rahmenbedingungen anpassen. Was bedeutet das im Einzelnen? Für die kommenden Monate haben wir alle Präsenzveranstaltungen wie Messen, Seminare oder Technologie- und Produktvorstellungen vor Ort auf ein absolutes Minimum beschränkt oder abgesagt. Für alle kundenrelevanten Aufgabenstellungen agieren wir heute sehr stark aus der Dezentralität und nutzen vor allem digitale Medien und das Telefon, um unsere Leistungen wie gewohnt anbieten zu können.

Welcher ist vielleicht sogar besonders nachgefragt?
Stephan Frigge:
Wie nicht anders zu vermuten, ist derzeit der direkte Kontakt zu den Kundencentern sehr gefragt. Viele Kunden haben Fragen zur generellen Lieferfähigkeit und Auswirkungen der Corona-Krise auf ihre Bestellungen. Hier sind wir gerne auskunftsbereit, da unsere Lieferfähigkeit kaum beeinträchtigt ist. In den wenigen Fällen, in denen wir dennoch mit Herausforderungen in der Lieferkette konfrontiert sind, suchen wir mit unseren Kunden nach Lösungen oder Alternativen.

Welchen bieten Sie zur Unterstützung in der jetzigen Situation vielleicht zusätzlich an?
Stephan Frigge:
Wir bereiten zum Beispiel gerade die sogenannten „Phoenix Contact Dialogue Days“ vor. Eine digitale und interaktive Kombination aus Messe und Konferenz, bei der wir unsere diesjährigen Innovationen und Highlights vorstellen und in Interaktion mit allen Kunden und Interessierten kommen werden. So beflügelt die Krise auch die ein oder andere Digitalisierungschance. Serviceeinsätze und Baustellenunterstützung führen wir natürlich nach wie vor durch.

Liegt betreffs Ihres speziellen Servicebereichs für Ihre Kunden sogar eine Chance in der Ruhezeit durch die Coronakrise, indem diese gerade jetzt etwas verbessern können?
Stephan Frigge:
Neben der intensiveren Nutzung von digitalen Medien sehe ich derzeit noch keine neuen Chancen, die gerade durch die Corona-Krise zum Tragen kommen. Ganz persönlich empfinde ich es allerdings bemerkenswert, welche positiven Begleiterscheinungen die Krise mit sich bringt. Es wird viel mehr kommuniziert, es werden pragmatische Lösungen gefunden und es herrscht eine durchgängig konstruktive Stimmung.

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Manfred Lührs, 8.2-Sachverständiger für Windenergieanlagen

Maschinenbau- und Schweißfachingenieur – Wirtschaftsmediator, 8.2 Consulting AG und 8.2 Group e.V. Manfred Lührs ist Gründer des Experten-Netzwerks 8.2

Ja, bizarre Zeiten! Eine große Bedrohung liegt über allen und Allem – und ein große Ruhe für Alle, die aber lähmend wirken kann!

8.2 ist erstmal nicht direkt betroffen – aber es gibt natürlich aktuell keine Neukontakte und neue Aufträge! Das wird sich erst in den Monaten danach bemerkbar machen. Auch aktuell können Prüfungen an WEA zum Teil nicht durchgeführt werden weil zum Beispiel das Personal der Hersteller fehlt.

Wir sind für unsere Kunden voll da, endlich ist auch mal Zeit Dinge im Detail auszuarbeiten! Zusätzliche Aufgaben ergeben sich durch die Verzögerungen beim Neuaufbau, Diskussionen mit der BNetzA sind notwendig, weil das Nichteinhalten von Terminen und Pönalen drohen – dabei unterstützen wir unsere Kunden!

Durch Corona wird auch (hoffentlich) unser globalisiertes Wirtschaftssystem mal genauer unter die Lupe gestellt – China als „verlängerte Werkbank“ Europas hat eben nicht nur Vorteile – es fehlt aktuell an Medizinprodukten, weil vieles in China hergestellt wird und jetzt deshalb nicht ausreichend verfügbar ist. Ähnliches gilt für Bauteile in WEA….

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Gerrit Schmidt, Geschäftsführer, VSB Service GmbH

Sind Sie für Ihre Kunden noch voll da?
Gerrit Schmidt:
Ja, unser Business Continuity Konzept ermöglicht es, vollständig und ohne Leistungseinschränkungen mobil zu Arbeiten. Wir sind intern so organisiert, dass sowohl in der Leitwarte als auch in anderen kritischen Bereichen die Mitarbeiter im Notfall auch über Wochen autark zum Beispiel aus dem Homeoffice arbeiten und so den Betrieb sicherstellen können. Alle Leistungen des VSB Energieparkmanagements, zum Beispiel Betriebsführung und Instandhaltung, stehen uneingeschränkt zur Verfügung. Für unsere Kunden ist wichtig, dass sie sich auch jetzt auf uns verlassen können und wir transparent kommunizieren. Auch sie sind größtenteils im Homeoffice und es ist jetzt von besonderer Bedeutung, dass wir ihnen jederzeit vollumfängliche Informationen über die Lage in den Windparks geben können. Besonders wichtig ist unseren Kunden auch, dass Leistungen vor Ort nicht eingeschränkt werden – hier sind wir maßgeblich von den Verwaltungsentscheidungen abhängig.

Welchen bieten Sie zur Unterstützung in der jetzigen Situation vielleicht zusätzlich an?
Gerrit Schmidt:
Wir unterstützen unsere Kunden durch Prozessoptimierung. Eine wichtige Eigenschaft, die uns in dieser Situation voranbringt, ist unsere Innovationsfähigkeit. Wir nutzen die Chance, um Prozesse und Systeme weiter zu optimieren und ergänzen digitale Dienste für unsere Kunden.

Welchen Service müssen Sie zurückstellen – und warum?
Gerrit Schmidt:
Bis zum jetzigen Zeitpunkt mussten wir keinen unserer Services einschränken. Für uns ist Homeoffice und Remote-Tätigkeit bereits gut etabliert gewesen bevor die Krise kam. Jetzt bauen wir es natürlich stärker aus und nutzen gleichzeitig die Chance, interne und auch externe Kommunikationswege im Rahmen der Digitalisierung weiterzudenken und zu optimieren.

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Holger Fritsch, Geschäftsführer, Bachmann Monitoring

Sind Sie für Ihre Kunden noch voll da?
Holger Fritsch:
Ja, weitestgehend! Die Vitalfunktionen des Unternehmens konnten bisher sehr erfolgreich gesichert werden.

Welchen Service halten Sie aufrecht?
Holger Fritsch:
Die Fernüberwachung zur Fehlerfrüherkennung am Antriebsstrang von Windenergieanlagen. Unsere 20 Mitarbeiter in dieser Abteilung die sonst in unserem Remote Monitoring Center arbeiten, sind jetzt im Homeoffice und sichern weiterhin die kontinuierliche Überwachung zur Aufrechterhaltung der Anlagenverfügbarkeit.

Welcher ist vielleicht sogar besonders nachgefragt?
Holger Fritsch:
In diesem Punkt geht es für uns vor allem um die Sicherung der Lieferketten. Wir organisieren zum Beispiel die Aufrechterhaltung der CMS-Serienbelieferungen. Wir versuchen immer auch jetzt direkt ansprechbar für unsere Kunden zu sein, denn schließlich können wir diese Situation nur gemeinsam durchstehen und unsere Kunden sollen auch spüren können, dass wir trotz allem für sie da sind.

Welchen Service müssen Sie zurückstellen – und warum?
Holger Fritsch:
Unmittelbare Projektrealisierungen wie beispielsweise geplante CMS-Nachrüstungen von Windparks in Italien mussten wir aktuell zurückstellen. Der Service vor Ort zum Beispiel zur Reparatur von Messsystemen ist eingeschränkt und wird von uns stark fallbezogen entschieden (mit entsprechend festgelegten Handlungsanweisungen für unsere Servicemitarbeiter, wenn wir uns für den Einsatz entschieden haben sollten …).

Liegt betreffs Ihres speziellen Servicebereichs für Ihre Kunden sogar eine Chance in der Ruhezeit die Coronakrise, indem diese gerade jetzt etwas verbessern können?
Holger Fritsch:
Meines Erachtens kann man natürlich auch aus dieser Krise viel lernen. Zum einen generell, wie wichtig eine dezentrale Energieversorgung für die Versorgungssicherheit einer Gesellschaft insgesamt sein kann. Zum anderen zeigt sich: Serviceorganisationen, die unter anderem über solche (für die Versorgungssicherheit notwendigen, Redaktion ERNEUERBARE ENERGIEN) Dienstleistungen verfügen, können auch in solchen schweren Zeiten Geld verdienen. Unsere Remote-Monitoring-Dienstleistungen werden meines Erachtens auch dadurch in Folge an Bedeutung gewinnen, denn wir können gleichzeitig größeren Serviceorganisationen helfen, ihre eigenen Remote-Zentren aufzubauen, zu strukturieren und erfolgreich zu betreiben.

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Matthias Brandt, Vorstand, Deutsche Windtechnik

Sind Sie für Ihre Kunden noch voll da?
Matthias Brandt:
Ja, wir sind vollständig für unsere Kunden da. Ein großer Teil der Bürobelegschaft arbeitet von zu Hause aus, durch IT-Support ist für den Kunden kaum ein Unterschied erkennbar.

Welchen Service halten Sie aufrecht?
Matthias Brandt:
Insbesondere haben wir unser Augenmerk auf alle Kernfunktionen gelegt. Das sind die vertraglich vom Kunden gewünschte Leistungen: Der Service an den Windkraftanlagen, Inspektionen, Reparaturen, Fernüberwachung und so weiter sowie alle relevanten Supportfunktionen wie Reporting, Buchhaltung und vieles mehr.

Welcher ist vielleicht sogar besonders nachgefragt? Welchen bieten Sie zur Unterstützung in der jetzigen Situation vielleicht zusätzlich an? Welchen Service müssen Sie zurückstellen – und warum?
Matthias Brandt:
Ähnlich wie wir, priorisieren auch die Kunden. Das heißt: Momentan wird das Augenmerk verstärkt auf notwendige Arbeiten gelegt. Noch müssen wir jedoch nur sehr vereinzelt Aufgaben verlegen oder umorganisieren. Dies betrifft meistens Aufgaben, bei denen Experten und Kollegen in der Reisetätigkeit sehr behindert sind. Gelegentlich steht der externe Support auch nur eingeschränkt zu Verfügung. Bisher konnten wir fast alle Herausforderungen in solchen Fällen durch individuelle Lösungen kompensieren. Der Aufwand ist aber dann ungleich höher.

Liegt betreffs Ihres speziellen Servicebereichs für Ihre Kunden sogar eine Chance in der Ruhezeit der Coronakrise, indem diese gerade jetzt etwas verbessern können?
Matthias Brandt:
Wie für fast alle Unternehmen gilt auch für uns: Es werden noch mehr Bereiche sichtbar, für die IT-Systeme und Digitalisierung verstärkt eingesetzt werden können. Ich rechne und erhoffe mir mindestens auch zukünftig eine Reduzierung von Reise- und Fahrtzeiten, eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten, eine noch bessere Kombination von Beruf und Familie und viele weitere effizientere Prozesse.

Sie lasen die Langfassung einer Schnellumfrage von Ende März, über die wir zusammenfassend in der neuen Ausgabe des gedruckten Magazins ERNEUERBARE ENERGIEN berichten. Falls Sie nicht Abonenntin oder Abonnent sind, können Sie die April-Ausgabe hier alternativ als Einzelheft mit Angabe der Heft-Nummer 03/2020 nachbestellen. Auch die Bestellung eines Probehefts ist möglich, allerdings ohne Anspruch auf Zusendung einer bestimmten Ausgabe.

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