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Ausbauzahlen 1. Halbjahr 2020

Windenergie onshore: Die Top 3 der Bundesländer

Der Ausbau der Windenergie an Land stockt - aber nicht überall. Die drei besten Bundesländer der ersten sechs Monate 2020 liefern einen Überraschungssieger.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Der Ausbau der Windenergie an Land geht immer noch viel zu langsam, wenn die Klimaziele der Bundesregierung ernsthaft erreicht werden sollen. Doch nicht in allen Bundesländern ist die Entwicklung gleich. Das zeigen die Zahlen, die die Deutsche Windguard jetzt veröffentlicht hat. Die Top 3 der Bundesländer:

Platz 1: Nordrhein-Westfalen

Ein bisschen überraschend landet das bevölkerungsreichste Bundesland auf Platz 1 der Top-3-Liste Windenergieausbau onshore - gilt doch die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nicht unbedingt als größter Fan der Windenergie. Trotzdem: Im ersten Halbjahr wurde mit etwa einem Fünftel der größte Anteil am Brutto-Leistungszubau in Nordrhein-Westfalen realisiert. 39 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 115 MW reichen in den ersten sechs Monaten 2020 für Platz 1. Auch bei den Zuschlägen in den Ausschreibungen ist das Bundesland fast führend: Nordrhein-Westfalen liegt mit einem Anteil von mehr 20 Prozent am insgesamt bezuschlagten Volumen von 1.138 MW vorn - mit 235 MW liegt NRW nur knapp hinter Schleswig-Holstein.

Insgesamt erzeugen damit rund 6.000 MW Windenergieleistung Strom in NRW, Platz 4 in Deutschland.

Platz 2: Brandenburg

Wenig überraschend liegt Brandenburg auf Platz 2 der Ausbaustatistik des 1. Halbjahres 2020 - das Land ist schon seit Jahren auf den vordersten Plätzen dabei. In den ersten sechs Monaten dieses Jahren kamen zwar nur 24 Windenergieanlagen mit 85 MW Leistung brutto hinzu, das reichte aber für den Silberrang. Ebenfalls an Platz 2 liegt das Bundesland in der Gesamtstatistik: Gut 3.900 Turbinen mit einer Gesamtleistung von fast 7.400 MW sorgen dafür.

Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des Landesverbandes Windenergie der Länder Berlin Brandenburg, sieht zumindest eine leicht positive Entwicklung: „Die Windenergie in Brandenburg scheint die Talsohle durchschritten zu haben und der Ausbau steigt wieder an. Das macht Mut. Wir brauchen aber mehr als nur einen Hoffnungsschimmer.“ Für die kommenden Jahre sieht Glahr insbesondere den drohenden Rückbau alter Bestandsanlagen als massives Problem: „Gerade vor dem Hintergrund, dass in den nächsten fünf Jahren fast die Hälfte der heutigen Anlagen älter als 20 Jahre sind und aus der EEG-Vergütung fallen, muss jetzt dringend gehandelt werden. Wir laufen sonst mittelfristig in eine Versorgungslücke.“

Platz 3: Niedersachsen

Auch der Bronzeplatz geht an ein Land im Norden: Niedersachsen schafft mit einem Bruttozubau von 23 Windenergieanlagen mit 75 MW Leistung den dritten Rang. Für das Land, mit der größten installierten Windleistung in Deutschland (rund 12.000 MW) ist das ein bisschen zu wenig, findet Niedersachsen Umweltminister Olaf Lies (SPD), seit kurzem auch Vorsitzender des Beirates der Bundesnetzagentur. Der stockende Zubau von Windenergie an Land könne den drohenden Rückbau von Altanlagen ab Ende 2020 nicht kompensieren.

Der LEE Niedersachsen/Bremen fordert daher, die Rahmenbedingungen im Land deutlich zu verbessern. „Die gerade laufende Novellierung des Windenergieerlasses und der Landesraumordnung müssen auf untergesetzlicher Ebene klare Signale für einen zügigen Ausbau der Windenergie geben – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, betont LEE-Vorsitzende Bärbel Heidebroek. „Wesentliche Hemmnisse gehören beseitigt, ambitionierte Flächenziele für den Ausbau müssen gesetzt und Genehmigungen beschleunigt werden.“

Und wo ist Schleswig-Holstein?

Als Pionier und Vorreiter beim Ausbau der Windenergie findet sich das nördlichste Bundesland im ersten Halbjahr 2020 unter ferner liefen. Fünf neue Windenergieanlagen, 14 MW Leistung - damit reiht sich das Land hinter Bayern auf Platz zehn der Rangliste ein. Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch: Bei den Zuschlägen der Ausschreibungen in den ersten sechs Monaten liegt Schleswig-Holstein mit 259 MW vorn.

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