Foto: Dr. Artur Braun - CC-BY-SA-4.0

Wasserstoff

18 Tipps für grünen Wasserstoff

Wasserstoff gehört zu den großen Hoffnungsträgern - für Klimaschützer wie für die Energiewirtschaft, für Politik und Aktionäre. Dazu 10+8 Empfehungen.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Grüner Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende. Ein untrügliches Zeichen: Mitte Juni gab der größte deutsche Stromkonzern RWE bekannt, an seinem Kraftwerksstandort in Lingen im Emsland per Elektrolyse aus erneuerbaren Energien Wasserstoff produzieren zu wollen, der dann zum Thyssen-Krupp-Stahlwerk nach Duisburg - Partner in dieser neuen Wasserstoff-Verbindung - transportiert wird.

Wasserstoff-Aktien

Nach langem Zögern hat die Bundesregierung gerade ihre „Nationale Wasserstoffstrategie“ verabschiedet, die bis zum Jahr 2030 Erzeugungsanlagen von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung entstehenlassen soll. Schon wittern Anleger die Chance auf steile Gewinne mit Wasserstoff-Aktien. In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds in Deutschland von 5,9 auf 63,2 Milliarden Euro. Der Anstieg schlägt mit 971 Prozent zu Buche. Ein Anlage-Trend betrifft dabei den Mobilitäts-Wandel hin zur Nutzung grüner Energien. Besonders hoch fallen die Zugewinne bei den Wasserstoff-Konzernen Nel ASA sowie Powercell Sweden aus.

72 Prozent der Deutschen würden sich laut Block-builders.de für ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb entscheiden, wenn der Preis nicht über dem eines herkömmlichen Verbrenners läge. 34 Prozent der Deutschen würden bei einem identischen Kaufpreis Wasserstoff-Fahrzeugen den Vorzug geben. Bis zum Jahr 2050 erwarten Experten hingegen, dass jedes dritte Fahrzeug mit Wasserstoff-Antrieb ausgestattet ist.

10+8 Empfehlungen zur Wasserstoffstrategie

Auch die Europäische Union ist dabei, sich beim Wasserstoff auf eine gemeinschaftliche Strategie zu verständigen. Der Europäische Wasserstoff-Verband Hydrogen Europe hat dazu gerade zehn Handlungsempfehlungen herausgegeben. Unter anderem geht es darum, gesetzliche Barrieren für Produktion und Transport aufzuheben.

Und der Deutsche Nachhaltigkeitsrat hat in einer Stellungnahme zur Deutschen Wasserstoff-Strategie acht wesentliche Empfehlungen an die Bundesregierung gegeben:

1. Übergangszeiten inhaltlich definieren und „Lock-in“-Effekte vermeiden

2. Den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen

3. Grünen Wasserstoff mittel- bis langfristig marktfähig machen

4. Chancen von Wasserstoff effizient nutzen, industriellen Hochlauf zügig sichern

5. Forschung und Entwicklung von Wasserstofftechnologien fördern

6. Nachhaltigkeitsstandards für die Markteinführung von Wasserstoff zeitnah definieren

7. Investitionsfördernde Maßnahmen umfänglich und zügig umsetzen

8. Strategische Partnerschaften in Europa und international aufbauen und stärken

"Wasserstoff muss in Ergänzung der erneuerbaren Energien zur zentralen zweiten Säule der Energiewende werden und ist für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele unumgänglich“, sagte Ratsvorsitzender Werner Schnappauf anlässlich der Veröffentlichung einer Stellungnahme des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zur Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Kanzleramtschef Helge Braun hatte den Rat Anfang des Jahres um Empfehlungen zu drängenden energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Fragen gebeten.

Wasserstoffpakt mit den vorrangig beteiligten und betroffenen Industrien

Der Nachhaltigkeitsrat begrüßt demnach die Nationale Wasserstoffstrategie grundsätzlich, drängt aber darauf, dass diese schneller und ambitionierter umgesetzt werde: „Wir müssen jetzt groß denken und schnell handeln. Der Rat setzt sich entschlossen für eine grüne, global ausgerichtete Wasserstoffwirtschaft mit klar definierten Nachhaltigkeitsstandards ein. Deshalb empfiehlt der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, um einen zügigen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu schaffen, einen Wasserstoffpakt mit den vorrangig beteiligten und betroffenen Industrien in wechselseitiger Verantwortung und Verpflichtung zu schließen“, so Schnappauf. Wichtig sei, dass eine Dialogkultur gepflegt werde, in der Umwelt-, Verbraucherschutz- und Industrieverbände sowie Verbände der Entwicklungszusammenarbeit eng einbezogen würden. Nach Beratung im Wasserstoffrat solle dann zwischen Politik und beteiligter Industrie kooperativ, abgestimmt und verlässlich ein gemeinsamer Fahrplan vereinbart werden.

„Wasserstoff bietet ein großes Dekarbonisierungspotenzial für die Industrie, den Schwerlast- und den Flugverkehr. Auch in der Energiewirtschaft ist Wasserstoff unter Nutzung vorhandener und dem Ausbau neuer Infrastrukturen zwingend notwendig. In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten müssen erneuerbare Energien in noch nie dagewesenem Maße ausgebaut werden. Denn nur mit Hilfe der erneuerbaren Energien kann eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden. Außerdem wird Energie aus erneuerbaren Quellen mit Wasserstoff endlich speicherfähig“, erklärte Gunda Röstel, Ratsmitglied und Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Wasserstoff-Technik und zum grünen Markt im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.