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Photovoltaik in den USA

Kalifornien führt Solarpflicht ein

Die Kalifornische Energiekommission hat beschlossen, dass neue Wohn- und Geschäftsgebäude im Bundesstaat ab 2020 grundsätzlich nur mit einer Photovoltaikanlage gebaut werden dürfen. Damit will die Kommission die Treibhausgasemissionen weiter senken und gleichzeitig die Baukosten nicht allzu drastisch erhöhen.

Installation Dach USA
 - Für die Solarbranche in den USA ist die Entscheidung der Energiekommssion eine Steilvorlage. Kalifornien werden dadurch nicht nur die Nummer Eins bei der Energiewende in den USA, sondern der massenhafte Bau von Solaranlagen werde auch ökonomische Vorteile für den Bundesstaat nach sich ziehen, wie Abigail Ross Hopper, Präsidentin der Branchenvereinugung SEIA, betont. Sie rechnet mit Milliardeninvestitionen.
Für die Solarbranche in den USA ist die Entscheidung der Energiekommssion eine Steilvorlage. Kalifornien werden dadurch nicht nur die Nummer Eins bei der Energiewende in den USA, sondern der massenhafte Bau von Solaranlagen werde auch ökonomische Vorteile für den Bundesstaat nach sich ziehen, wie Abigail Ross Hopper, Präsidentin der Branchenvereinugung SEIA, betont. Sie rechnet mit Milliardeninvestitionen.
Dennis Schroeder / NREL

Die Kalifornische Energiekommission (Californian Energy Commission – CEC) hat neue Standards für Wohn- und Gewerbegebäude beschlossen. Ein zentraler Teil betrifft den Energieverbrauch. So müssen ab 1. Januar 2020 alle neu errichteten Wohngebäude zwingend eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oder an der Fassade haben. Damit hat Kalifornien als erster Staat in den USA eine Solarpflicht eingeführt. Eine Pflicht zum zusätzlichen Einbau eines Speichers ist in der Regelung nicht enthalten. Die Energiekommission bezweckt aber, dass sich die Hauseigentümer für Solarbatterien, Wärmepumpen und andere Technologien entscheiden, um den Eigenverbrauch in den Gebäuden zu erhöhen.

Der neue Standard für die Energieeffizienz von Gebäuden (2019 Building Energy Efficiency Standard), der zum Wechsel in das kommende Jahrzehnt in Kraft tritt enthält mehrere Teile. Neben der Solarpflicht für Wohnhäuser gelten dann auch höhere Anforderungen an die Gebäudehülle. So setzt die Energiekommission die Werte für den Austausch von Wärme mit der Umwelt drastisch nach oben. Auch die Vorgaben für die Luftqualität in den Gebäuden wird drastisch erhöht, um die Bewohner vor Luftverunreinigungen von Außen besser zu schützen. „Mit diesen neuen Standards werden die Gebäude besser beim Energieverbrauch abschneiden und gleichzeitig zu einem stabilen Netz beitragen“, betont Andrew McAllister, der in der Energiekommission für das Thema Energieeffizienz verantwortlich ist. „Die Gebäude, die die Kalifornier kaufen und in denen sie leben, werden sehr effizient arbeiten, während sie ihre eigene saubere Energie produzieren.“

Energieverbrauch auf Null senken – bilanziell

Mit dem neuen Standard will die Energiekommission einen Beitrag zum Ziel Kaliforniens leisten, die Energieversorgung bis 2030 zur Hälfte mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Zudem soll der Energieverbrauch von Wohngebäuden bilanziell – als über das gesamte Jahr hinweg – gesehen im Jahr 2020 bei Null liegen. Das gleiche Ziel sollen die Gewerbegebäude im Jahr 2030 erreichen. Außerdem sollen Gewerbebetrieben dann auch mindestens 50 Prozent ihres Energieverbrauchs aus erneuerbaren Ressourcen beziehen.

Kritiker bemängeln, dass durch die Solarpflicht die Immobilienpreise weiter steigen werden. Doch das tun sie ohnehin schon. Inzwischen liegen die Kosten für ein Haus in Kalifornien bei durchschnittlich 550.000 Dollar, wie die New York Times berichtet. Das ist doppelt so hoch wie der amerikanische Durchschnitt. Allerdings muss man hier dazu sagen, dass in diese Rechnung auch die extrem teuren Immobilien für die gut bezahlten höheren Angestellten im Silicon Valley einfließen, die gern mal weit über eine Million Dollar für ein Wohnhaus hinblättern.

Immobilienmarkt hört auf Nachfrage und Angebot

Bei diesen Preisen fallen die durchschnittlich veranschlagten 9.500 Dollar für eine Solaranlage nicht mehr ins Gewicht. Zudem haben viele Untersuchungen gezeigt, dass hohe Energiestandards nicht zwangsläufig zu höheren Immobilienkosten führen, da dies ein freier Markt ist, der von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Konkret bedeutet dies, dass ein Gebäude mit niedrigerem Energiestandard durchaus teurer sein kann als eines mit höherem Energiestandard, wenn es sich in einer bevorzugten Lage befindet oder viele Käufer sich für diese Immobilie interessieren.

Außerdem wird sich die Solaranlage wieder amortisieren, weil schließlich die Eigentümer ihre Energiekosten durch den neuen Standard drastisch reduzieren. Dazu tragen auch die Net-Metering-Regelungen in Kalifornien bei. So der ins Netz eingespeiste überschüssige Strom mit dem Strombezug aus dem Netz kompensiert. Das heißt, sie bezahlen dann in der Höhe der eingespeisten Energie einen niedrigeren Strompreis, wenn sie diese Energiemenge wieder aus dem Netz beziehen. Die Unterschiede machen bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde aus.

Balance zwischen Energieziel und Baukosten gefunden

Außerdem werden die Betriebskosten der Häuser weiter sinken, weil sie durch die höheren Standards für die Energieeffizienz der Gebäudehülle und für die ohnehin weniger Energie verbrauchen. Dadurch und durch weitere Effizienzmaßnahmen sinkt der Energieverbrauch von gewerblichen Neubauten um 30 Prozent im Vergleich zu einem Gebäude, das nach dem Standard von 2016 gebaut wurden. Der Energieverbrauch von Wohngebäuden wird dann sogar um 53 Prozent sinken. Die Energiekommission betont, dass die 9.500 Dollar für die Solaranlage mit Einsparungen in Höhe von 19.000 Dollar durch Einsparungen gegengerechnet werden müssen – bei einer Laufzeit von 30 Jahren. „Mit der Annahme der neuen Regelungen hat die Kalifornische Energiekommission eine faire Balance zwischen der Reduzierung der Treibhausgasmissionen bie gleichzeitiger Begrenzung der Baukosten getroffen“, sagt Dan Dunmoyer, Präsident des Kalifornischen Bauindustrieverbandes. Der Verband war schließlich an der 18monatigen Ausarbeitung der neuen Regelungen beteiligt. Die Industrievereinigung sieht in den neuen Regelungen einen kosteneffizienten Standard, der Hauskäufern die Möglichkeit gibt, dass sich ihre Investitionen über die Lebensdauer ihrer Gebäude amortisieren. (Sven Ullrich)