Foto: Stadtwerke Bochum

Stadtwerke-Tagung zu neuen Geschäftsmodellen

Bochums Energiewende-Kür auf dem Datennetz

Die Stadtwerke Bochum installieren ein Funknetz zur Digitalisierung des Energiegeschäfts. Auf einer Versorgertagung im März erklären sie, warum.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Mit dem stadtweiten LoRaWan-Netz (Long Range Wide Area Network – also ungefähr: Weiträumiges Großraumnetzwerk) werde noch 2020 eine flächendeckende neuartige Datenübertragung der Stadtwerke möglich, erklärte Stadtwerke-Bochum-Chef Holger Rost in der vorletzten Februarwoche. Hiermit ließen sich künftig auf Digitalisierung basierende neue Energieprodukte und andere Geschäftsmodelle der Stadtwerke aufbauen. Dafür installieren die Stadtwerke Bochum im ganzen Stadtgebiet verteilt 30 sogenannte LoRaWan-Gateways. „LoRaWAN ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines intelligenten Stromnetzes, dem sogenannten Smart Grid“, sagte Rost bei einer Präsentation der Stadtwerke über die Fortschritte beim Funknetzaufbau.

Funknetz zur Datenübertragung im Aufbau

Was das bedeutet, muss sich erst noch in der Zukunft erweisen. Anfangs wird das Netz einzig unternehmensinternen Zwecken wie der Übertragung von Messwerten aus der städtischen Stromversorgung dienen. Künftig können Wetterdaten – wichtig zur exakten Voraussage von Energie- und Wärmebedarf im Stadtgebiet oder zur Prognose der Stromerzeugung etwa durch Photovoltaikanlagen –, die Verfügbarkeit von Parkplätzen, Füllstände von Behältern oder Mülltonnen und vieles mehr über die Funkstrecke gelangen. Zunächst haben die Westfalen 150.000 Euro investiert, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Datenübertragung inklusive. Das Funknetzwerk kann auch für Dritte geöffnet werden.

1.500 Wohneinheiten werden (fast) klimaneutrale Energiegemeinschaft

Digitalisierung spielt auch beim Aufbau einer weitgehend autarken, Klimaschadstoff-freien intelligenten Energieversorgung für den Bochumer Stadtteil Weitmar eine Rolle. Eingebettet in das Forschungsprojekt ODH@Bochum-Weitmar unter Beteiligung gleich dreier Fraunhofer-Forschungsinstitute sowie der Bochumer Wohnungsgesellschaft Vonovia und eines Münchner Dienstleistungsunternehmens schließt es 1.500 Wohneinheiten nach und nach zu einem Energieversorgungsnetzwerk zusammen. Durch ein intelligentes „selbstlernendes“ Energiemanagementsystem und eine digitale Marktplattform soll es gelingen, dass örtlich erzeugte Energie ohne Umweg über öffentliche Leitungen wie das Stromnetz direkt zu den Gebäuden sowie zu Elektromobilitäts-Tankstellen gelangt, wenn sie dort gebraucht wird. Durch Sektorkopplung, also beispielsweise durch Umwandlung überschüssigen örtlich erzeugten Stroms in Wärmeenergie zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung, soll die Energie immer auch in der gerade benötigten Form bereitgestellt werden. Dank einer Förderung durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 6,2 Millionen Euro soll das Projekt die Mieter nichts kosten.

Digitale Vermarktung der Kunden-Ausstattung mit regenerativer Energie

Auch die Kooperation mit der digitalen Plattform VLink des Energiekonzerns Vattenfall bauen die Bochumer Stadtwerke aus, wie sie im Herbst 2019 mitteilten. Die Plattform dient dem digitalisierten und automatisierten Endkundengeschäft zur Versorgung von Kunden mit Photovoltaik, Batteriespeichern sowie Wärme- und Ladelösungen für Elektrofahrzeuge. Wenig später, im Januar 2020, schlossen die Bochumer Versorger mit den Stadtwerken im nahe gelegenen Witten eine Kooperation zum Ausbau der Elektromobilität in den Versorgungsgebieten beider Partner ab.

Übrigens: Schon bisher sind die Bochumer Stadtwerke durch Beteiligung an zwei Meereswindparks in der deutschen Nordsee sowie durch das Eigentum an einzelnen eigenen Freiflächenphotovoltaikparks und Windturbinen und durch die Beteiligung am Stadtwerke-Verbundunternehmen Trianel und an dessen Wind- und Solarparks aktive Teilnehmer der Energiewende.

Und nun sind sie Gastgeber der VKU-Vertriebstagung am 16. und 17. März in Bochum. Die zweitägige Veranstaltung des Stadtwerkeverbunds Verband kommunaler Unternehmen (VKU) behandelt in mehreren Podiumsdiskussionen sowie Referaten, wie insbesondere die Digitalisierung für die Stadtwerke neue Geschäfte begründen kann. Aber auch aktuelle Entscheidungen des Klimakabinetts sind ein wichtiges Thema, mit dem die Tagung beginnt.

Stadtwerke-Vertriebstagung

Mehr Informationen zur VKU-Vertriebstagung am 16. und 17. März in Bochum finden Sie hier.

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