Foto: BSW Solar

Der Förderdeckel naht

Das Geschäftsklima der Solarbranche rast in den Keller

Noch nie war das Geschäftsklima in der Solarbranche so schlecht wie bisher. Denn die Planer, Projektierer und Handwerker arbeiten auf die installierte Leistung von 52 Gigawatt zu. Danach gibt es keine Förderung mehr.

Langsam drängt die Zeit. Der Solardeckel muss endlich weg, soll der Zubau von Photovoltaikleistung in Deutschland nicht in wenigen Wochen drastisch einbrechen. Denn die Handwerker realisieren derzeit jede Menge Projekte und in Kürze ist die Marke der installierten Leistung von 52 Gigawatt erreicht. Der Bundesverband Solarwirtschasft (BSW Solar) geht davon aus, dass es spätestens im August so weit ist.

Bundeswirtschaftsminister bleibt untätig

Bei den Investoren und in der Solarbranche wird die Angst immer größer, dass es dann für neu errichtete Anlagen keine Förderung mehr gibt. Zumindest ist das die aktuelle Gesetzeslage. Zwar hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schon im Herbst des vergangenen Jahres versprochen, für eine Nachfolgeregelung zu sorgen und den Solardeckel zu lüften. Doch lange Zeit hat er sich dahingehend noch keinen Millimeter bewegt und jetzt duckt er sich hinter dem Coronavirus weg.

Geschäftserwartung so schlecht wie nie

Eine entsprechend schlechte Geschäftserwartung registriert der BSW Solar derzeit bei den Planern und Projektieren. Nach den jüngsten Erhebungen hat sich der Geschäftserwartungsindex innerhalb von nur drei Monaten halbiert. „Eine vergleichbare Eintrübung in so kurzer Zeit haben wir nie zuvor beobachten können”, ist Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar, entsetzt. „Immer mehr Solarunternehmen geraten in Existenzangst. Häufigste genannte Ursache ist der nahende Solardeckel, während sich das Coronavirus bislang kaum dämpfend auf die Nachfrage nach Solarstromanlagen auswirkt.”

Zehntausende Jobs stehen auf dem Spiel

Deshalb fordert Körnig die Politik auf, den Solardeckel jetzt unverzüglich zu Fall zu bringen, um in letzter Minuten gewaltigen Schaden von der Energiewende und unserer Branche abzuwenden. „Die Verzögerung einer Gesetzesinitiative auf einen Zeitpunkt nach der Sommerpause ist keine Option”, betont Carsten Körnig mit Blick auf die Tatsache, dass die Fördergrenze im Falle von erwarteten Vorzieheffekten mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in diesem Sommer erreicht wird. „Schon jetzt platzen immer mehr große Solardachprojekte, die nicht mehr rechtzeitig ans Netz gehen können.”

Denn in einem sind sich die Energieexperten einig: Der Zubau von Solarstromanlagen auf Gebäuden ohne die Vergütungen im EEG wird auf einen Bruchteil des bisherigen Wertes schrumpfen. „Fällt der Solardeckel jetzt nicht, werden hunderte Solarunternehmen und zehntausende Jobs existentiell gefährdet”, warnt Körnig.

Offenen Brief geschrieben

Deshalb hat der BSW Solar schon im März einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel verfasst, den inzwischen etwa 2.000 Unternehmen unterschrieben haben. Darin fordern sie die Regierungschefin auf, das Thema auf ihren Tisch zu ziehen, damit der Förderdeckel rechtzeitig gestrichen wird. Weitere Unternehmen und Unterstützer können den Brief noch auf der Internetseite des BSW Solar unterzeichnen.

Index Von 141 auf 68 gesunken

Um den Geschäftsklimaindex zu ermitteln, befragt der BSW Solar am Ende eines jeden Quartals einen festen Kreis von Unternehmen der Branche zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Geschäftserwartungen. Aus den positiven, neutralen und negativen Antworten Werte für die Geschäftslage und die Geschäftserwartung, deren Saldo wiederum den Geschäftsklimaindex ergibt. Dabei ist der Referenzwert das durchschnittliche Ergebnis der Befragungen des Jahres 2011, der den Wert 100 bekommt. Zu diesem Wert werden die Durchschnittsergebnisse aller weiteren Befragungen in Relation gesetzt. Zu Beginn dieses Jahres lag der Index bei 141,2, also weit über den Geschäftserwartungen des Jahres 2011. Inzwischen ist er auf 68,5 abgesackt und liegt damit drastisch unter dem Wert des Jahres 2011.

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