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Windmarkt

ENERCON und Lagerwey profitieren voneinander

Stefan Lütkemeyer, Leiter Vertrieb International der ENERCON GmbH, spricht im Interview über neue und künftige Technik.

Inhaltsverzeichnis

Interview: Nicole Weinhold

Was war der wichtigste Grund für die Übernahme von Lagerwey?

Stefan Lütkemeyer: Lagerwey und ENERCON sind zwei Unternehmen, die eine ganz ähnliche Ausrichtung und Historie haben. Beide Unternehmen sind technologisch führend und ergänzen sich in ihren Technologien sehr gut. Durch die strategische Partnerschaft, die wir Ende 2017 geschlossen haben, schaffen wir eine starke Basis und die Voraussetzung, Synergien in vielen Bereichen zu nutzen. Dies verschafft uns eine sehr gute Ausgangslage, um uns im schärferen internationalen Wettbewerb noch besser zu behaupten.

Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, sehen wir in den ersten gemeinsamen Entwicklungsprojekten, bei denen wir unser Know-how bündeln, beispielsweise bei der Lagerwey L147 LP4 oder bei den neuen Stahlturmvarianten für die ENERCON E-126 EP3, die auf Lagerweys Modularem Stahlturm (MST) basieren. Außerdem verfügen wir durch Lagerweys PMG-Technologie über eine weitere Option für unsere zukünftige Anlagenentwicklung im Bereich Generatorkonstruktion.

Wie gelang es, die E-126 EP3 leichter zu bekommen - ca. 200 t leichter als E-126 EP4?

Stefan Lütkemeyer: Die geringere Gondelkopfmasse ergibt sich aus dem neuen kompakten Anlagen­design. Die EP3 ist insgesamt deutlich schlanker konstruiert, was durch die neue Kompaktlagerung möglich wurde. Der Verzicht auf die alle Komponenten umschließende eiförmige Aluminiumverkleidung – bislang ein typisches ENERCON-Designmerkmal – brachte eine weitere erhebliche Gewichtsersparnis.

Der Gewichtsvorteil war jedoch nur ein Ziel der Neuentwicklung. Als Reaktion auf die veränderten Marktanforderungen wollten wir eine Optimierung aller Prozesse – von der Fertigung über Transport und Logistik bis Aufbau und In­betriebnahme – erreichen, das heißt sie einfacher, schneller und natürlich auch kostengünstiger darstellen. Mit dem bisherigen Anlagenkonzept wäre es unter den neuen Marktbedingungen zunehmend schwieriger geworden, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu behaupten.

Werden Sie PMG einsetzen?

Stefan Lütkemeyer: Der Einsatz von Generatoren mit PMG-Technologie auch in ENERCON-WEA ist durch die Partnerschaft mit Lagerwey eine Option, die wir derzeit prüfen. Entschieden ist darüber aber noch nicht.

Wird der Modulare Stahlturm von Lagerwey auch für ENERCON-WEA eingesetzt?

Stefan Lütkemeyer: Definitiv ja. Dieses Turmkonzept ist eine sehr gute Ergänzung des kompakten EP3-Anlagendesigns. Wir werden bereits in 2019 einen EP3-Prototyp mit MST-Technologie errichten.

Sind Betontürme nicht mehr nötig, weil das Gewicht der Gondel reduziert wurde?

Stefan Lütkemeyer: Wir sehen bei den neuen kompakten WEA-Generationen sowohl der Marke ENERCON als auch der Marke Lagerwey ganz klar den Trend zum Einsatz von Stahltürmen. Stahltürme bieten Vorteile beim Transport, beim Aufbau sowie bei der Realisierung von Local-Con­tent-Anforderungen. Die kompakten Anlagendesigns mit den verringerten Gondelmassen sind hierfür eine Grundvoraussetzung. Abhängig von Standortbedingungen und Nabenhöhen können Hybrid­türme aber weiterhin von Vorteil sein, weshalb wir Hybridtürme im Portfolio, auch für das kompakte Anlagendesign der EP3, behalten.

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Auf den Windenergietagen von Spreewind referiert Stefan Lütkemeyer in Forum 1 am 6.11.

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