Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die Europäische Union hat beihilferechtlich zugestimmt: Noch in diesem Monat sollen die ersten Ausschreibungen für gesicherte Kraftwerksleistung starten. Sie sollen im Fall einer Dunkelflaute den fehlenden Wind- und Solarstrom ausgleichen. Kritiker monieren, dass angesichts der Ausschreibungsbedingungen dafür allein Gaskraftwerke infrage kommen.
BSW-Solar kritisiert StromVKG: Weiter hohe Hürden für Speicher
Diese Strategie könnte teuer werden: Nicht nur, dass die Förderung für die neuen Kraftwerke von gut 30 Milliarden Euro auf den Strompreis umgelegt wird. Eine neue Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zeigt, dass erhebliche zusätzliche Kosten für Klimaschäden entstehen könnten. Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe analysierte das FÖS die ersten beiden Ausschreibungsrunden des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StromVKG), mit denen neun Gigawatt gesicherte Kraftwerksleistung entstehen sollen.
Methan aus der Lieferkette fällt nicht unter den CO₂-Preis
Laut FÖS verursachen diese Gaskraftwerke bis 2045 – unter Berücksichtigung des 20-jährigen Treibhauspotentials von Methan – Treibhausgasemissionen von 72 bis 125 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalenten. Die nicht durch CO₂-Preise gedeckten Klimaschäden belaufen sich demnach auf 19 bis 127 Milliarden Euro.
Dunkelflaute-Debatte gehört vom Kopf auf die Füße gestellt
Ein Hauptproblem sind Methanemissionen entlang der Erdgas-Lieferkette. Methan entweicht bei Förderung, Verarbeitung und Transport und wirkt kurzfristig deutlich klimaschädlicher als CO₂. „Werden diese Vorkettenemissionen berücksichtigt, fällt die Klimabilanz neuer Gaskraftwerke deutlich schlechter aus als bei der reinen Betrachtung der Kraftwerksemissionen“, heißt es in einer Presseinformation des FÖS.
Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, forderte, die Ausschreibungen so gestalten, dass klimafreundliche Flexibilitätsoptionen eine realistische Chance haben. „Andernfalls zahlen Verbraucher*innen doppelt: für die Förderung fossiler Kapazitäten und für die Folgekosten der Klimakrise.“
FÖS fordert Überarbeitung des StromVKG
Florian Zerzawy, Leiter Energiepolitik beim FÖS und Hauptautor der Studie, nannte die Methanemissionen den „blinde Fleck der Erdgasnutzung“. Eine ehrliche Klimabilanz müsse diese Vorketten vollständig einbeziehen. „Andernfalls erscheinen Gaskraftwerke sauberer, als sie sind“, warnte er und brachte eine Methanabgabe ins Spiel, um die tatsächlichen Klimakosten von Methan sichtbar zu machen und Investitionen in die Vermeidung von Leckagen zu belohnen.
Irreführende Werbung: Erdgas ist kein „Ökogas“
Das FÖS fordert nun, das StromVKG zu überarbeiten. Die Ausschreibungskriterien sollten technologieoffen gestaltet werden, damit auch Batteriespeicher, flexible Biogasanlagen und andere klimafreundliche Kapazitäten eine faire Chance erhalten, hieß es. Zudem brauche es verbindliche Fahrpläne für die frühzeitige Umstellung auf grünen Wasserstoff. Auf EU-Ebene müsse zudem die Methanverordnung ambitioniert umgesetzt werden, um die Methanintensität von Gasimporten wirksam zu begrenzen.