Für die Initiatoren steht fest: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Bürgerenergie weiterhin eine zentrale Rolle spielt – und wenn politische Entscheidungen Planungssicherheit statt neue Hürden schaffen.
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Die Energiewende in Deutschland lebt von Engagement vor Ort – von Energiegenossenschaften, Bürgerinitiativen und regionalen Unternehmen. Genau diese Akteure sehen nun zentrale Prinzipien der Energiewende bedroht und fordern dringend Nachbesserungen.
Der Konflikt um das geplante Netzpaket spitzt sich zu. Über 440 Organisationen aus der Bürgerenergiebranche haben am 12. März in Berlin einen gemeinsamen Appell an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche übergeben. Ihr Vorwurf: Der aktuelle Gesetzentwurf könnte Investitionen in erneuerbare Energien gefährden und wichtige Fortschritte der Energiewende zunichtemachen.
Breite Allianz aus Bürgerenergie und Solarbranche
Zu den Unterzeichnenden gehören Energiegenossenschaften, Unternehmen aus der Erneuerbaren-Branche, Bürgerinitiativen sowie Verbände mit teils mehreren tausend Mitgliedern. Sie alle eint die Sorge, dass zentrale Grundprinzipien der Energiewende unter Druck geraten könnten – insbesondere der verlässliche Netzanschluss und der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).
Lesen Sie hier, was wirklich für die Energiesicherheit getan werden sollte.
Nach Ansicht der Organisationen würden mögliche Änderungen an diesen Mechanismen zu erheblicher Planungsunsicherheit führen. Millionen Bürgerinnen und Bürger, die in Solar- und andere erneuerbare Energieprojekte investieren, könnten dadurch verunsichert werden.
Frank Späte, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), formuliert es deutlich: Das Netzpaket könne die Energiewende und einen wachsenden Wirtschaftssektor „brutal abwürgen“.
Bürgerenergie als Motor der Energiewende
Bürgerenergieprojekte gelten seit Jahren als wichtiger Treiber der Energiewende in Deutschland. Genossenschaften, kommunale Initiativen und lokale Unternehmen sorgen nicht nur für den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch für gesellschaftliche Akzeptanz und regionale Wertschöpfung.
Lesen Sie hier, was das Netzpaket für den weiteren Solarausbau bedeuten würde.
Gerade diese Strukturen könnten laut den Verbänden unter Druck geraten, wenn die politischen Rahmenbedingungen unklar werden. Investitionen in Solar- und Windenergieanlagen hängen stark von stabilen Regeln und verlässlichen Netzzugängen ab.
Susanne Jung, Geschäftsführerin des Solarenergie-Fördervereins Deutschland (SFV), sieht die eigentlichen Probleme an anderer Stelle: „Solarstrom aus Bürgerenergieanlagen ist nicht die Bremse. Die Flexibilisierung unseres Stromsystems wurde verschlafen.“
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Sie fordert stattdessen mehr Tempo beim Ausbau von Speichern, beim Netzausbau sowie bei der Digitalisierung des Stromsystems.
Kritik an Netzpaket und möglichen EEG-Änderungen
Neben dem Netzpaket sorgt auch ein bekannt gewordener Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für Verunsicherung in der Branche. Aus Sicht der Bürgerenergie-Organisationen entsteht dadurch ein Gesamtbild, das Vertrauen in die energiepolitischen Rahmenbedingungen schwächen könnte.
Harald Uphoff vom Bündnis Bürgerenergie (BBEn) warnt: Wenn gleichzeitig neue Hürden für Bürgerenergie entstehen und grundlegende Regeln der Energiewende infrage gestellt werden, könnten viele Akteure das Vertrauen in langfristig stabile Investitionsbedingungen verlieren.
Dabei sei genau dieses Vertrauen entscheidend, um weiterhin in erneuerbare Energien zu investieren und die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.
Appell an die Bundesregierung
Der Appell wurde von der DGS, dem SFV und dem BBEn initiiert. Gemeinsam fordern sie die Bundesregierung auf, den aktuellen Entwurf des Netzpakets grundlegend zu überarbeiten.
Ziel müsse ein netzdienlicher und gleichzeitig investitionsfreundlicher Ausbau erneuerbarer Energien sein. Die Verbände bieten der Politik ausdrücklich einen fachlichen Dialog an, um gemeinsam tragfähige Lösungen für die Weiterentwicklung des Stromsystems zu entwickeln.