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Klimawandel

Hitzefrei: Atomkraftwerk in Niedersachsen muss Weser schonen

Muss das Atomkraftwerk Grohnde wegen der Erwärmung der Weser vorübergehend abschalten? Umgang mit der Hitze bundesweit verschieden.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Aktualisiert am Freitag, 26.07.2019, 19:30 Uhr,
Aus dem niedersächsischen Umweltministerium gab es bereits am Donnerstag die Bestätigung für den für heute erwarteten Schritt: Weil die Weser bei den entscheidenden Werten aus den verschiedenen Messstellen entlang des Flusses wohl am Donnerstag die kritische Schwelle von 26 Grad Celsius überschreite, müsse das Atomkraftwerk Grohnde vom Netz – und könne womöglich erst wieder am Sonntag in Betrieb gehen.

Bereits fast 25 und fast 26 Grad erreicht

Tatsächlich zeigen die Messwerte der zwei nächsten flussabwärts gelegenen Stationen einen fast geradlinigen Trend hin zur Überschreitung des Limits an diesem Freitag an. So war der tägliche Höchstwert an der nach dem Atomkraftwerk mit knapp 25 Kilometer Flussdistanz nächstgelegenen Messstelle Hessisch Oldendorf laut den offiziellen landeseigenen Daten seit dem 23. Juli, seit Dienstag also, stetig in täglichen Ein-Grad-Sprüngen angestiegen - nach einer kurzen Phase bei gut 21 Grad stagnierender Temperaturwerte. Am Donnerstag hatte der Höchstwert knapp die Unterkante der 25-Grad-Latte touchiert. Der gut 45 Flusskilometer abwärts gelegene Messpunkt Porta Westfalica hatte am selben Tag hingegen bereits einen Höchstwert von fast 26 Grad gemeldet. Dort war der stetige Anstieg der Messwerte in Ein-Grad-Stufen bereits vorher eingetreten: Er hält am Standort Porta Westfalica bereits seit dem Erreichen eines zwischenzeitlichen Tiefstandes von 17 Grad am 17. August infolge der jüngsten zurückliegenden Wetter-Abkühlphase der Region verlässlich an.

Zwar kühlten sich die Flusstemperaturen an beiden Messstationen in der Nacht auf Freitag wie üblich deutlich wieder etwas ab – in Porta Westfalica sogar um rund ein Grad Celsius. Doch schnellten die Werte aufgrund der intensiven und früh einsetzenden Mittagshitzeperioden der vergangenen Tage zuletzt schon jeweils verlässlich um ein ganzes Grad – in Hessisch Oldendorf – und sogar zwei Grad – in Porta Westfalica – auf einen täglichen Peak-Wert. Bei bereits um sieben Uhr gemessenen 24,6 Grad in Hessisch Oldendorf ist schon dort am Freitag die 26-Grad-Obergrenze absehbar. Für Porta Westfalica liegen noch keine gültigen Daten vor – jedoch müsste ausgerechnet dort trotz eines zum Freitag weiteren erwarteten Hitze-Tages mit Lufttemperaturen von weit über 30 Grad jegliche weitere Flusserwärmung plötzlich unterbleiben, um den Schwellenwert 26 Grad nicht zu verletzen. "Es gibt bisher für uns keinen Grund, von der gestrigen Warnung abzuweichen", hieß es auf kurzfristige Anfrage von ERNEUERBARE ENERGIEN am Freitagmittag aus dem niedersächsischen Umweltministerium. Eine Stellungnahme des Betreibers Preußen Elektra sowie Messwertüberscheitungen belegende gültige Daten lägen aber noch nicht vor.

Aktualisiert (bis Zwischenüberschrift): Tatsächlich war es dann zumindest bis am Freitagnachmittag doch nicht mehr zu einer Abschaltung gekommen, wie wenige Internetredaktionen wie beispielsweise die der Berliner Taz sich durch Betreiber Preussen Elektra hatten bestätigen lassen. Der Grenzwert sei im für das Atomkraftwerk Grohnde entscheidenden Abschnitt nicht in die gefährliche Temperaturregion von knapp unter 25 Grad gelangt. Ob am Spätnachmittag eine eventuell weitere Erwärmung an dem Zustand etwas änderte, war unklar.

Allerdings hatten sich die Messwerte flussabwärts sowohl in Hessisch Oldendorf als auch in Porta Westfalica laut vorläufigen Daten der dafür zuständigen Landesstellen tatsächlich auf 26 Grad beziehungsweise auf sogar leicht darüber 26,3 Grad am späteren Nachmittag erhöht. Gemäß den unvollständig angezeigten Daten hielt das 26,0-Grad-Niveau in Hessisch Oldendorf für mindestens knapp zwei Stunden. Doch laut Preussen Elektra war der Wert um 16.30 Uhr "im für unser Kernkraftwerk Grohnde relevanten Flussabschnitt derzeit noch knapp unter 25 Grad" geblieben, wie die Radio- und Fernsehanstalt NDR meldete. Gemeint war offenbar die Messstelle Boffzen rund 40 Kilometer flussaufwärts. Das niedersächsische Umweltministerium blieb auch bis am Abend noch eine angekündigte Pressemitteilung zu Grohnde schuldig.

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Allerdings scheinen es die Bundesländer unterschiedlich zu handhaben. Während Niedersachsen nun vermutlich bei 26 Grad den Schlussstrich ziehen wird, hatte Baden-Württemberg im vergangenen Jahr in der zweiten Augustwoche erklärt, dass es Ausnahmegenehmigungen für den Betrieb bis zu einer Flusserwärmung auf 28,5 Grad ausgehändigt habe. Die Flusswerte waren dort dann zwar nicht ganz so hoch aber auf bis zu 27 Grad geklettert. Die Flusswerte waren dort dann zwar nicht ganz so hoch aber auf bis zu 27 Grad geklettert. Hierbei hatte das baden-württembergische Umweltministerium das Erwärmungslimit ausschließlich mit dem Schutz der Flusstiere begründet.

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