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Klimapolitik

IPCC-Sonderbericht über 1,5°C globale Erwärmung

Stellungnahmen zum gerade veröffentlichten Sonderbericht des UN-Klimarats IPCC zum 1,5 Grad-Ziel.

Nicole Weinhold

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatte sich die internationale Gemeinschaft darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf "deutlich unter 2°C" zu begrenzen, wobei 1,5°C als anzustrebendes Ziel genannt wurden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sehen in dem wissenschaftlichen Bericht einen weiteren Beleg für die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels. Dem Bericht zufolge liegt die aktuelle globale Erwärmung bereits bei etwa 1°C. Die derzeitigen Anstrengungen im Klimaschutz reichten nicht aus, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Im Pariser Klimaabkommen hatte die Staatengemeinschaft 2015 beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C, wenn möglich unter 1,5°C zu beschränken.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren. Das ist die Kernbotschaft des Berichts. Die nächsten Jahre sind entscheidend, damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Dafür trägt gerade unsere Generation eine herausragende Verantwortung. Wir müssen den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen. Jede vermiedene Tonne CO2, jedes vermiedene Zehntelgrad Erderwärmung zählt. Dieser Umbau bringt viele Veränderungen mit sich und die große Chance, unsere Wirtschaft zukunftsfähiger und unsere Gesellschaft lebenswerter zu machen.“

Mit Blick auf den Sonderbericht des UN-Klimarats IPCC zum 1,5 Grad-Ziel erklärt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: "Der Bericht zeigt, dass wir an einem Scheideweg stehen. Seine Botschaft ist klar: Noch können wir eine lebensfeindlichere Zukunft verhindern! Entweder gelingt uns binnen weniger Jahre ein Kulturwandel hin zu einer tiefgreifenden Umkehr unserer Lebens- und Wirtschaftsweise, oder wir werden uns in einem Klimasystem wiederfinden, in dem Millionen Menschen weltweit ihre Heimat, ihre Lebensgrundlagen oder gar ihr Leben verlieren. Jetzt zählt jedes Zehntelgrad – für uns und vor allem die, die schon heute am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Nicht aber weitere Ausreden von Wirtschaft und Politik. Auch unsere Bundesregierung muss jetzt handeln."

Konkrete Maßnahmen

Pirmin Spiegel weiter: "Konkrete Optionen, um Emissionen zu reduzieren und um Entwicklung und Fortschritt anders zu definieren, liegen längst auf dem Tisch: Das Ende der fossilen Rohstoffe als Energieträger - zuvorderst der Kohleverstromung weltweit -, das Umlenken unserer Finanzströme hin zu erneuerbaren Technologien, emissionsarme Mobilität, die Reduktion unseres Fleischkonsums und der Schutz und die Stärkung der noch bestehenden naturnahen Wälder und Ökosysteme. So erhalten wir die Lebensgrundlagen und Chancen für Millionen von Menschen, sich aus ihrer Armut zu befreien, statt in weitere Katastrophen zu stürzen."

Was sagt das Potsdam-Institut?

Zu diesem Thema Elmar Kriegler, einer der Autoren des Berichts; am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist er Vize-Chef des Forschungsbereichs Nachhaltige Lösungsstrategien: "Die bisher von den Regierungen weltweit bis 2030 geplanten Reduzierungen des Ausstoßes von Treibhausgasen reichen ganz klar nicht aus, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen - die Maßnahmen müssen verstärkt werden, wie unser Bericht zeigt. Die 1,5-Grad-Grenze erfordert eine CO2-neutrale Gesellschaft bereits bis 2050. Dies ist eine große Herausforderung, die eine beispiellose Transformation erfordern würde - eine Transformation, die die gleiche ist wie für das Einhalten der 2-Grad-Grenze, aber noch schneller gehen müsste. Unabhängig vom Temperaturziel ist rasches Handeln entscheidend. Es sind wirklich die nächsten paar Jahre, die zählen, denn jetzt entscheiden die Regierungen über ihre Emissionsreduktionen bis 2030. Was wiederum darüber entscheiden wird, ob es uns gelingt, die schlimmsten Klimarisiken zu begrenzen oder nicht."

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