Foto: Deutsche Windtechnik

Altanlagen

"Ob sich Instandsetzungen noch lohnen, hängt vom Vermarktungsvertrag für Windstrom ab"

Eike Feder vom Instandhaltungsunternehmen Deutsche Windtechnik zur Frage, wie gut Altanlagen vor ihrem Weiterbetrieb in Schuss sein müssen.

Tilman Weber

Wird Deutsche Windtechnik für Weiterbetreiber zum kombinierten Wartungsdienstleister und Betriebsführer, der auch ein PPA anbahnt oder eine andere Direktvermarktung organisiert?

Eike Feder: Unser Fokus liegt weiterhin auf der Instandhaltung. Wir wollen jedoch am Zahn der Zeit mitwirken und sträuben uns daher nicht, über den Tellerrand der Instandhaltung hinauszublicken. Dies kann zum Beispiel die Schnittstellenoptimierung mit der Betriebsführung, als auch die Anbahnung mit einem PPA oder der Direktvermarktung sein.

Welches Modell günstig ist, wird der Betreiber also sehr projektbezogen entscheiden müssen?

Eike Feder: Ja. Jeder Altwindpark hat eine andere Turbinentechnologie und eine individuelle Projektstruktur. Kunden haben verschiedene Ideen und Vorstellungen und loten somit völlig zurecht selbst ihre besten Möglichkeiten aus: Die einen wollen eine feste, risikolose Rendite. Andere sehen ihr Potential in der reinen Direktvermarktung, setzen auf steigende Strompreise und versuchen ihre Betriebskosten anzupassen. Am Ende findet jeder hoffentlich sein rentabelstes Konzept.

Was ist falsch am traditionellen Slogan „Weiterbetrieb bis zum nächsten Großschaden“?

Eike Feder: Falsch daran ist erstmal gar nichts. Es kann durchaus sein, dass ein Großschaden die Stilllegung der Windenergieanlage bedeutet. Wichtig für den Weiterbetrieb sind unserer Einschätzung nach die Prognosen für deren Eintritt. Habe ich im letzten Drittel meiner EEG-Betriebsphase noch eine Großkomponente getauscht, habe ich ein Risiko im Weiterbetrieb weniger. Hinter der Frage versteckt sich im Grunde der Gedanke: Spielt sich meine Investition wieder ein? Schließe ich einen PPA für sieben Jahre, doch nach zwei Jahren fällt das Getriebe aus, rechnet sich die Reparatur unter Einbindung von beispielsweise gebrauchten Komponenten. Habe ich diesen Großschaden erst im sechsten Jahr, lohnt sich die Instandsetzung angesichts des dann in einem Jahr bevorstehenden Ablaufs des PPA nicht mehr. In der reinen Direktvermarktung sind die Karten anders gemischt: Hier kenne ich meine Investitionskosten, habe aber keine Garantie über die potentiellen Erlöse. Für dieses Beispiel könnte der Slogan durchaus Realität bekommen.

Welchen anderen Slogan würden Sie lieber empfehlen?

Eike Feder: Mir schwebt dabei etwas Positiveres vor, denn niemand sollte den Weiterbetrieb unter der Angst eines wirtschaftlichen Desasters beginnen. Let´s do it – vielleicht?

Welcher PPA-Preis wird ab 2021 im Weiterbetrieb der richtige sein?

Eike Feder: Was ist schon richtig? Der eine Betreiber kommt mit 3,5 Cent pro Kilowattstunde aus und ein anderer benötigt 5,8 Cent pro kWh. Ein richtig oder falsch kann es dabei nicht geben. Jeder muss selbst herausfinden mit welchem Konzept, welchen Risiken und Renditen er in den Weiterbetrieb starten möchte.

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