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VKU-Verbandstagung

Stadtwerkestrategie: Energie-wendig durch Kooperationen

Mit Kooperationen müssen sie sich für stetig und rasant wechselnde Energiewende-Trends mobilisieren: Auf einem Verbandstag suchen Stadtwerke dafür Ideen.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Schon 2013 hatten die Stadtwerke Münster eine Kooperation mit den Stadtwerken des nahe gelegenen Osnabrück eingeleitet – damals, um intelligente Zählertechnik und Messverfahren in der Stromversorgung der Kunden zu entwickeln und einzuführen. Aber auch darüber hinaus sahen die beiden kommunalen Versorger reichlich Gelegenheiten, durch eine Zusammenarbeit in Sachen Energiewende sich den Chancen des flexiblen Marktes mit dezentraler und volatiler Erzeugung von grüner Energie zu stellen. Mit Zusammenarbeit auch bei den Versorgungsnetzen, bei Verkehrssteuerung und womöglich auch bei stadteigenen Fahrzeugen wollten beide Stadtwerke sich die eine oder andere Aufgabe aufteilen, ohne doppelt dafür Kräfte und Geldmittel aufzubringen. Die möglichen Synergieeffekte bezifferten damals die Partner auf rund fünf Millionen Euro Einsparpotenzial.

Längst ist Kooperation für die Münsteraner Stadtwerke in der niedersächsischen Windenergie-Konzentrations-Region nun ein probates und schnell genutztes Mittel. Damit versucht das Unternehmen erfolgreich, sich trotz eines Jahresumsatzes von nur 550 Millionen Euro zu einem wendigen und schnell handelnden Energiewendeakteur auszubilden.

Kooperationen ebnen Einstieg in Dienstleistungen

Ob beim Ausbau von Erneuerbare-Energien-Erzeugung, bei der Digitalisierung der Versorgungsdienste und der Kundenbeziehungen, beim Versorgen von Wohnblocks oder bei der Einführung eines pauschalen Mobilitätstickets für Bus, Bahn und Taxi zugleich – um privaten Autoverkehr zu vermeiden: Kooperationen mit Bürgern, Energiegenossenschaften, Betreibern und Projektierern lokaler Windparks, Taxidiensten oder beispielsweise einer Wohnungsgesellschaft ebneten den Einstieg.

Und nicht zuletzt nahm das aus der Kooperation mit den Stadtwerken Osnabrück hervorgegangene Tochterunternehmen Smartoptimo 2017 die Stadtwerke von Bielefeld, Solingen, Gütersloh, Menden, Gießen und Hagen als weitere Anteilseigner auf. Sie wollen damit gemeinsam die Wohnungswirtschaft in die Energiewende einbeziehen: mit Mieterstrom – die selbstbestimmte Versorgung von Mietern mit auf dem Haus erzeugtem Ökostrom – oder zum Beispiel auch mit Smart-Metering, also mit einer intelligenten Steuerung des privaten Stromverbrauchs nach Stromangebot.

Strategie der Partnerschaften ein Kernthema der Verbandstagung

In Person ihres derzeitigen Interimsgeschäftsführers Stefan Grützmacher leiten die Stadtwerke Münster auf der vom 11. bis 12. März in Berlin veranstalteten Jahrestagung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) auch eine eineinhalbstündige Diskussionsveranstaltung zu Kooperationen ein. Zu Beginn dieser Podiumsdiskussion, die am Dienstag, 12. März, stattfinden wird, wird Grützmacher mit einem Impulsvortrag zu Kooperationen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion aufs Thema einstimmen. Dann diskutieren er und Akteure der lokalen Energiewende aus drei weiteren Kommunen sowie Vertreter zweier Energieunternehmen über das Instrument Kooperationen.

Dass der VKU die Kooperationen als eine von drei zentralen Stadtwerke-Hauptthemen ausgewählt hat, dürfte kaum jemanden in der Stadtwerkeszene irritieren. Zuletzt 2017 hatte die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Price Waterhouse die Kooperationen als wichtiges Instrument identifiziert, um ein Akteur in der Energiewende bleiben zu können. Als zwei weitere inhaltliche Schwerpunkte stehen bei der Tagung die Digitalisierung der städtischen Infra- und Versorgungsstruktur sowie die Innovationskultur in den Stadtwerken mitsamt Zusammenarbeit mit innovativen Jungunternehmen auf der Agenda.

Prominenz: Altmaier, Schulze, Kramp-Karrenbauer, Schäfer-Gümbel

Der Eröffnungstag der VKU-Verbandstagung wird aber wie traditionell für diesen üblich mit Reden vieler verschiedener Bundespolitiker gespickt sein. So treten an diesem Tag zuerst Bundeswirtschafts- und –energieminister Peter Altmaier und dann Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit Botschaften der Regierung an die Stadtwerke auf. Auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel werden am Rednerpult stehen. Beide verkörpern sie offenbar die Koalitionsparteien der Bundesregierung. Der scheidende Dienstleistungsgewerkschaftsführer Frank Bsirske wird gegen Ende des ersten Tagungstages wohl über die Chancen und Risiken der Digitalisierung und vielleicht auch der Energiewende insgesamt für die Beschäftigten sprechen.

Am zweiten Tag werden unter anderen Rednern der Bundesverkehrsminister Christian Scheuer (CSU) und die Parteivorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Annalena Baerbock folgen. Auf der Bühne vertreten sind an beiden Tagen auch weitere führende Repräsentanten von Unternehmen und Stadtwerken und nicht zuletzt des VKU.

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