Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr erstmals mehr als ein Gigawatt Windleistung neu errichtet. Der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) kommt in vorläufigen Berechnungen auf einen Zubau von 1.346 Megawatt (MW) brutto und 1.288 MW netto nach Abzug der abgebauten Altanlagen.
Zuwachs um mehr als 80 Prozent
Das seien fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr, schreibt der LEE NRW in einer Presseinformation. Das Land liege damit auch bundesweit auf Platz 1 der Zubau-Rangliste vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein. „Der letztjährige Zuwachs beweist eindrucksvoll, was beim Windenergieausbau möglich ist, wenn Politik, die Windenergiebranche und die Genehmigungsbehörden ein gemeinsames Ziel haben“, kommentiert Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW, die Zahlen.
Er geht davon aus, dass es auch im laufenden Jahr einen Zuwachs bei der Windenergieleistung von mehr 1.500 MW geben kann: Dafür sprächen die vorliegenden Genehmigungen mit einem Volumen von mehr als 6.000 MW Leistung. Der Blick nach vorne sei allerdings nicht ungetrübt: „Der weitere Windenergieausbau im bisherigen Tempo wird kein Selbstläufer werden. Es gibt einige Probleme, die der Windbranche zunehmend große Bauchschmerzen bereiten“, so Vossler.
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Haupthindernis: Netzausbau
Als Haupthindernisse nennt der Verband neben maroden Autobahnen und Brücken die Unsicherheit über die kommende EEG-Novelle sowie den fehlenden Netzausbau. Aktuell gebe es die meisten Netzengpässe zwischen Paderborn und Nordhessen, die bereits seit 2016 bekannt seien. Der Ausbau der entsprechenden Hochspannungsleitungen sei aber erst für 2030 vorgesehen, hieß es weiter. Schon jetzt werde in der Region jährlich erneuerbarer Strom abgeregelt, der 90.000 Haushalte versorgen könnte. „Gleichzeitig werden im aktuellen Regionalplan für Ostwestfalen-Lippe rund 90 Prozent aller neuer Flächen in den Kreisen Höxter und Paderborn ausgewiesen“, kritisiert Steffen Lackmann, Geschäftsführer der Hellwegwind GmbH mit Sitz in Paderborn. Bis dort die zusätzlichen notwendigen Netze geplant und gebaut sind, werden Jahre vergehen. „Bei uns in der Region sind deshalb mehrere hundert Megawatt an genehmigter Windenergieleistung betroffen, die möglicherweise nicht umgesetzt werden können“, so Lackmann.
Die Achillesferse der Energiewende
Der LEE NRW fordert daher einen zügigen Netzausbau: Die Landesregierung müsse alles unternehmen, um das Tempo beim Netzausbau endlich zu forcieren und bestehende Netzkapazitäten effizienter zu nutzen. „Die schwarz-grüne Regierung wäre schlecht beraten, wenn sie sich um die Früchte ihrer erfolgreichen Windenergiepolitik bringen würde“, sagt Christian Vossler.