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Photovoltaik legt zu – nicht nur aufgrund von Sondereffekten

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat der Ausbau der Photovoltaik im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent zugelegt. Nach einem eher verhaltenen Jahresauftakt stieg die Nachfrage nach Solaranlagen nach dem Kriegsbeginn der USA und Israels mit dem Iran und der daraufhin folgenden Sperrung der Straße von Hormus massiv an. Dies hat ausgereicht, um den Ausbau im ersten Halbjahr auf rund 7,4 Gigawatt zu katapultieren. Zum Vergleich: Im gleichen Vorjahreszeitraum lag der Zubau bei 6,8 Gigawatt. Das teilt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf Basis der Eintragungen ins Marktstammdatenregister mit.

Ein Fünftel ist Solarstrom

Damit bleibt der Ausbau zwar zunächst auf Kurs – auch wenn das längst nicht ausreicht, um die gesetzlichen Ausbauziele für 2030 zu schaffen. Denn derzeit sind in Deutschland gut sechs Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 125 Gigawatt installiert – nach 25,5 Jahren Ausbau. Zusammen mit rund 2,7 Millionen stationären Batteriespeichern decken sie inzwischen etwa ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs, teilt der BSW-Solar mit. Nach den gesetzlichen Ausbauzielen soll die installierte Solarstromleistung bis 2030 aber auf 215 Gigawatt steigen. Eine große Aufgabe für die nächsten 3,5 Jahre.

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Sondereffekte als Markttreiber

Ob die Dynamik zumindest ausreicht, den Zubau bis Jahresende tatsächlich auf dem Niveau des Vorjahres zu halten, wird sich zudem noch zeigen. Denn der BSW-Solar führt das starke Wachstum im Laufe dieses Jahres unter anderem auf Sondereffekte zurück. Neben dem Iran-Krieg, der vielen Hauseigentümern die Unsicherheit von fossilen Energieträgern – wie schon nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine – deutlich vor Augen geführt hat, spielt auch die Energiepolitik der CDU eine Rolle.

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Die Planung von CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Hürden für Erneuerbare drastisch nach oben zu schrauben, um wieder mehr Erdgas ins System zu drücken, zeigt ebenfalls Wirkung. Denn die Ankündigung, Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu 25 Kilowatt in die verpflichtende Direktvermarktung – ohne eine dazu passende technische Infrastruktur – zu zwingen, treibt viele an, ihre Photovoltaikpläne noch vor einer eventuellen Gesetzesänderung umzusetzen. „Das ist ein rationales Verhalten aller Beteiligten, energiepolitisch jedoch nicht das, was eigentlich gewollt sein sollte“, sagt Julius Pahmeier, Geschäftsführer des Energiedienstleisters Vrey, mit Blick auf die Daten des BSW-Solar.

Nachhaltiges Wachstum ist auch dabei

Er sieht aber neben diesen Sondereffekten auch nachhaltiges Wachstum. „Grundsätzlich beobachten wir, dass Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern zunehmend an Bedeutung gewinnt und neue Modelle wie die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung zusätzliche Dynamik in den Markt bringen“, berichtet er.

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Strombedarf wird wachsen

Dennoch sieht auch Pahmeier deutlich die Vorzieheffekte und warnt – genauso wie der BSW-Solar – davor, die Pläne von Katherina Reiche zum Ausbremsen der Erneuerbaren umzusetzen. „Die kommenden Jahre sind kein Selbstläufer“, betont Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Durch mehr E-Autos, Wärmepumpen, Rechenzentren und Klimaanlagen wird der Strombedarf wachsen. Deshalb darf der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern, Fassaden und Freiflächen jetzt nicht ausgebremst werden“, fordert er mit Blick auf die Vorhaben des CDU-geführten Bundeswirtschaftsministeriums.

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Neben der Pflicht zur Direktvermarktung für kleinere Solaranlagen würden auch das Netzpaket und hier hauptsächlich der Redispatch-Vorbehalt die Energiewende drastisch ausbremsen. Dabei geht es darum, dass die Anlagenbetreiber in bestimmten Regionen mit schwächlichen Netzen keine Entschädigung mehr für das Abregeln bekommen. Dies schiebt die Aufgabe des Netzausbaus den Anlagenbetreibern zu und nimmt die Netzbetreiber aus der Verantwortung.

Investoren und Verbraucher nicht verunsichern

Eine solche Regelung würde nach Einschätzung von Wissenschaft und Branche den Solarausbau deutlich verlangsamen und Investitionen erschweren. Davon wären auch zehntausende Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette betroffen, warnt der Branchenverband. „An einem stärkeren Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern führt klima-, energie- und wirtschaftspolitisch kein Weg vorbei“, betont Carsten Körnig. „Statt Investoren und Verbraucher mit unausgereiften Reformvorschlägen zu verunsichern, braucht Deutschland verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.“

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Das sieht Julius Pahmeier ähnlich. „Der Markt kann durchaus mit einer Anpassung der Förderung leben. Was er nicht verträgt, ist ein regulatorisches Vakuum“, kritisiert er. „Wenn ein Projektentwickler heute eine Anlage plant, die 2027 ans Netz geht, und schlicht nicht weiß, was mit dem eingespeisten Überschuss passiert, ist das für seriöse Investitionsentscheidungen nicht tragbar. Was der Markt jetzt braucht, sind verlässliche Übergangsregelungen und ein klarer regulatorischer Fahrplan statt immer neuer Vorzieheffekte“, betont der Vrey-Chef.