Der Bundestag debattiert heute über die Strategie zum Aufbau von Rechenzentren. Ein wesentlicher Punkt ist der Anschluss von Rechenzentren an das Stromnetz. Diese haben einen hohen Stromverbrauch, aber gleichzeitig ändern sie ihre Leistungsaufnahme teilweise rasant. Dies müsse bei der Planung von Netzkapazitäten berücksichtigt werden. Die Rechenzentren treten dabei in Konkurrenz mit anderen Großverbrauchern. Die Bundesregierung nennt hier explizit unter anderem Großwärmepumpen. Doch auch Großspeicher werden in diesem Zusammenhang immer wieder als Konkurrenten um die Netzanschlüsse und die Kapazitäten im Netz genannt.
Speicher ergänzen Rechenzentren
Der Bundesverband Energiespeichersysteme (BVES) betont, dass dies zu kurz greife. „Speicher und Rechenzentren erfüllen unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen – und können gerade gemeinsam erheblichen Mehrwert schaffen“, betonen die Branchenvertreter. Sie verweisen unter anderem auf die sehr dynamischen Lastprofile der modernen Rechenzentren. Gerade diese Lastspitzen können Energiespeicher perfekt ausgleichen, damit die Netze entlastet werden und gleichzeitig die Integration erneuerbarer Energien verbessert wird. „So entstehen flexible, systemdienliche Lösungen, die sowohl den Energiebedarf der Digitalisierung als auch die Anforderungen an Netzstabilität und Versorgungssicherheit adressieren“, lautet das Resümee aus der Branche.
Grundlage für die digitale Infrastruktur
Energiespeicher sind gleichzeitig die Grundlage für die schnelle Realisierung digitaler Infrastruktur, zu der auch Rechenzentren gehören – unabhängig von langwierigen Netzausbauprozessen. Sie schaffen kurzfristig verfügbare Flexibilität und können Netzengpässe überbrücken. Damit werde der Aufbau von Rechenzentren beschleunigt, ohne zusätzliche Belastungen für das Stromsystem zu erzeugen. Batteriespeicher sind also keine Konkurrenten zu den Rechenzentren um die Netzanschlüsse, sondern könnten den Ausbau sogar vereinfachen.
Rechenzentren gezielt mit Ökostrom und Speichern kombinieren
Der BVES verweist dazu auf Beispiele in Skandinavien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in den USA. Dort werden die Rechenzentren gezielt mit der Erzeugung aus erneuerbaren Energien und Speichern kombiniert. Damit wird einerseits der klimafreundliche Betrieb der Rechenzentren mit ihrem immensen Stromverbrauch gesichert, ohne andererseits die Netze zu überlasten. So werden diese Projekte deutlich wirtschaftlicher, als wenn sie mit zentralen, fossil befeuerten Kraftwerken betrieben werden, deren Strom aufwendig über weite Strecken transportiert werden muss.
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Solche Kombinationen entstehen auch in Deutschland. Hierzulande gibt es schon die ersten integrierten Projekte, bei denen erneuerbare Energien, Batteriespeicher und KI-Rechenzentren zu einem gemeinsamen Energiesystem verbunden werden.„Rechenzentren und Energiespeicher sind keine Konkurrenten, sondern Partner im Energiesystem der Zukunft“, betont BVES-Vizepräsident Heinrich Gärtner. „Wer beide intelligent zusammendenkt, schafft die Grundlage für eine leistungsfähige, resiliente und klimafreundliche digitale Infrastruktur.“
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Integrierte Systeme bevorzugen
Aus den bisherigen Erfahrungen heraus und mit Blick auf die begrenzten Netzkapazitäten spricht sich der BVES für eine Ergänzung der Rechenzentrenstrategie aus. Diese müssen konsequent als integrierte Lösungen geplant werden. Die Netzanschlussverfahren müssen so ausgestaltet werden, dass integrierte Lösungen ermöglicht und systemdienliche Kombinationen gezielt gefördert werden, fordert der Branchenverband. Eine isolierte Betrachtung einzelner Technologien werde den Anforderungen eines zunehmend vernetzten Energiesystems nicht gerecht.