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„Die Zukunft gehört hybriden Energiesystemen“

Jost Backhaus, Geschäftsführung der Juwi GmbH, erklärt im Interview, warum das Thema Co-Location immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Herr Backhaus, Sie sprechen häufig von hybriden Energiesystemen. Was bedeutet das konkret?

Jost Backhaus: Die klassische Logik der Energiewende lautete lange: Wir bauen Windparks oder Solaranlagen und speisen den Strom ins Netz ein. Dieses Modell funktioniert heute nur noch eingeschränkt. Die Zukunft liegt in hybriden Energiesystemen. Das bedeutet, dass verschiedene Technologien kombiniert werden – zum Beispiel Windenergie, Photovoltaik und Batteriespeicher. Diese Anlagen werden gemeinsam geplant, betrieben und der erzeugte Strom vermarktet.

Was ist der Vorteil solcher Kombinationen?

Jost Backhaus: Der wichtigste Vorteil ist Flexibilität. Wind und Sonne erzeugen Strom nicht immer zur gleichen Zeit. Wenn man beide Technologien kombiniert, glätten sich die Erzeugungsprofile bereits ein Stück weit. Der entscheidende Baustein sind jedoch Batteriespeicher. Sie ermöglichen es, Strom zeitlich zu verschieben. Solarstrom vom Mittag kann beispielsweise in die Abendstunden verschoben werden. Damit lassen sich Erlöse verbessern und gleichzeitig das Stromsystem stabilisieren.

Spielt diese Kombination für Projektentwickler wie Juwi eine wichtige Rolle?

Jost Backhaus: Absolut. Wir denken heute praktisch jedes größere Projekt als hybrides System. Das gilt sowohl für Solarparks als auch für Windparks. In vielen Fällen verbessert ein Speicher die Wirtschaftlichkeit eines Projekts erheblich. Ein Solarpark ohne Speicher ist heute in Deutschland nur noch in wenigen Fällen wirklich attraktiv.

Welche Rolle spielen solche Systeme für die Netzstabilität?

Jost Backhaus: Eine sehr große. Batterie­speicher können sehr schnell auf Netzschwankungen reagieren. Sie stabilisieren Frequenz und Spannung und können damit Aufgaben übernehmen, die früher vor allem konventionelle Kraftwerke erfüllt haben. Deshalb spricht man auch zunehmend von sogenannten Kombikraftwerken. Dabei werden mehrere erneuerbare Techno­logien zusammengeführt und über intelligente Steuerungssysteme betrieben.

Kann man sich solche Anlagen auch als virtuelle Kraftwerke vorstellen?

Jost Backhaus: Ja, im Grunde schon. Entscheidend ist die Steuerung. Moderne Energiesysteme werden digital betrieben. Erzeugung, Speicherung und Vermarktung müssen zusammen gedacht werden. Bei Juwi arbeiten wir dafür eng mit der Trading Organisation unseres Mutterkonzerns MVV zusammen. Dort werden Erlösmodelle entwickelt, Stromverträge strukturiert und Vermarktungsstrategien aufgebaut.

Das heißt, Projektentwicklung und Stromhandel wachsen stärker zusammen?

Jost Backhaus: Genau. Früher bestand die Wertschöpfung eines Projektentwicklers darin, ein Projekt zu entwickeln und anschließend zu verkaufen. Heute geht es zunehmend darum, integrierte Energielösungen anzubieten. Das umfasst Projektentwicklung, Bau, Betrieb, Vermarktung und teilweise auch langfristige Energie­versorgung für Industriekunden.

Welche Rolle spielen dabei Großspeicher?

Jost Backhaus: Großspeicher werden ein zentraler Bestandteil des Energiesystems. Sie ermöglichen es, erneuerbare Energien systemdienlich zu integrieren. Allerdings gibt es in Deutschland noch regulatorische Unsicherheiten. Zum Beispiel ist nicht in allen Fällen klar geregelt, wie Speicher betrieben werden dürfen oder welche Netzentgelte anfallen. Hier brauchen wir mehr Planungssicherheit. Wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen klar sind, werden Investitionen in Speicher sehr schnell zunehmen.

Wie sieht Ihre Vision für das künftige Energiesystem aus?

Jost Backhaus: Ein flexibles, digitales Energiesystem, das aus vielen miteinander vernetzten Komponenten besteht. Windparks, Solarparks, Batteriespeicher, industrielle Verbraucher und intelligente Netze arbeiten dann zusammen. Die Energie wird dort erzeugt, gespeichert und genutzt, wo es sinnvoll ist. Hybridkraftwerke sind dafür ein entscheidender Baustein.