Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Der Netzbetreiber Eon hat zusammen mit dem Speichersystemanbieter Eco Stor einen Standard für flexible Netzanschlüsse (Flexible Connection Agreements – FCA) entwickelt. Im Rahmen eines Projekts in Bollingstedt in Schleswig-Holstein wird der Ansatz jetzt getestet. Sollte er sich bewähren, will Eon diesen Ansatz konzernweit ausrollen.
Bei den flexiblen Netzanschlüssen geht es darum, den Betrieb des Speichers stärker mit den tatsächlichen Netzbedingungen und der Einspeisung von Ökostrom zu synchronisieren. In Phasen hoher Netzauslastung werde die Einspeise- oder Bezugsleistung temporär angepasst, beschreibt der Konzern das Prinzip. Umgekehrt nutzen Speicher gezielt freie Kapazitäten in Zeiten geringerer Netzlast. So können sie auch an Standorten angeschlossen werden, an denen ein konventioneller Netzanschluss nicht sofort oder nur mit erheblichem Netzausbau möglich wäre.
Integration von Speichern beschleunigen
Thomas König, Netzvorstand von Eon, sieht in den FCA einen Weg, mehr Speicherkapazität ans Netz zu bringen – trotz schleppenden Netzausbaus. Der von Eon gemeinsam mit Eco Stor entwickelte Standard sei dafür das richtige Instrument. „Er beschleunigt die Integration und nutzt vorhandene Netzkapazitäten effizient – ohne die Netzsicherheit zu gefährden“, erklärt Thomas König. Georg Gallmetzer aus der Geschäftsführung von Eco Stor ergänzt: „Standardisierte Lösungen wie die FCA von Eon schaffen Investitionssicherheit für Speicherprojekte und helfen gleichzeitig, die Integration erneuerbarer Energien und den Ausbau der Speicherkapazitäten in Deutschland zu beschleunigen.“
Starrer Standardvertrag beschränkt Flexibilität
Das ist auch korrekt. Allerdings kritisiert der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) das Vorpreschen von Eon, ohne mit der Speicherbranche zu reden. „Bevor ein FCA-Modell bei einem der größten Netzbetreiber Deutschlands flächendeckend ausgerollt wird, sollte die Branche einbezogen werden. Denn ein starrer Standardvertrag von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen beschränkt den Einsatz von Flexibilität und verteuert damit die notwendige Flexibilität unnötig, ohne positiven Effekt für das System oder Netz“, warnt Urban Windelen, Geschäftsführer des BVES.
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Er begrüßt grundsätzlich, dass an einem Standard für FCA gearbeitet wird. „Flexible Netzanschlussvereinbarungen können ein wichtiges Instrument sein, um den Speicherhochlauf zu beschleunigen und Netzengpässe pragmatisch zu überbrücken. Sie können auch Netzbetreibern die Sorge nehmen, dass Speicher irgendwas machen, was die Netzbetreiber nicht wollen“, sagt er. „Entscheidend ist aber die konkrete Ausgestaltung. FCA müssen wirtschaftlich tragfähig, technisch nachvollziehbar und verhältnismäßig sein“, fordert Windelen.
FCA könnten Netzausbau weiter verschleppen
So weist nach seiner Ansicht FCA von Eon erhebliche Defizite für den bundesweiten Einsatz auf. Die vorgesehenen Einschränkungen seien aus Sicht vieler Speicherbetreiber für die Nutzung wirtschaftlich und operativ nicht tragfähig. Gleichzeitig bestünde die Gefahr, dass FCA zu einem Instrument werde, mit dem Investitionsdefizite bei Digitalisierung, kritisiert der Verband. „Ziel von flexiblen Anschlussvereinbarungen kann nicht sein, dass Speicher über Jahrzehnte auf dem Stand der Netzführung von gestern betrieben werden müssen“, wettert Urban Windelen. „Maßstab muss der Stand moderner Netzführung sein.“ Deshalb müsse aus Sicht des BVES der vollständige Netzanschluss weiterhin der Regelfall bleiben.
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Kriterienkatalog entwickeln
Statt eines Alleingangs eines Netzbetreibers schlägt der BVES einen Kriterienkatalog vor, der vor Ort nach dem Baukastenprinzip angewendet wird. Dabei würden nur diejenigen Einschränkungen angewendet, die im jeweiligen Netzgebiet tatsächlich erforderlich sind. Außerdem fordert der BVES die Fortführung des im vergangenen Jahr begonnenen Branchendialogs, um auch für Speicherbetreiber wirtschaftlich tragfähige FCA zu entwickeln und um einseitige Festlegungen solcher zentraler Themen zu vermeiden.
Baukostenzuschläge anpassen
Der BVES benennt noch einen weiteren Kritikpunkt. Da bei den FCA die tatsächlich nutzbare Netzanschlussleistung begrenzt wird, sollten auch die Zuschläge für den Ausbau des Netzes entsprechend reduziert werden. Diese Baukostenzuschläge verlangen Netzbetreiber, um angeblich den Ausbau des Netzes zu finanzieren, damit die Speicher angeschlossen werden können. Der BVES verlangt, dass die Baukostenzuschläge beim Abschluss eines FCA reduziert werden. Je stärker ein Speicherbetreiber netzdienliche Maßnahmen übernimmt, desto größer sollte auch eine Entlastung beim Baukostenzuschuss ausfallen.