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Künstliche Intelligenz macht Speicher wirtschaftlicher und erweitert Geschäftsmodelle

Der Batteriespeicher von Fion ist mit KI ausgestattet. Was macht die KI konkret?

Johannes Meriläinen: Sie berechnet fortlaufend, welche Anwendung und welcher Einsatz des Speichers für die jeweilige Kundenanlage am wirtschaftlichsten und sinnvollsten ist. Häufig sind zwei Anwendungen theoretisch wirtschaftlich sinnvoll – die eine benötigt jedoch weniger Speicherkapazität und erzielt damit einen höheren Ertrag pro Zyklus. Die KI denkt, analysiert und optimiert kontinuierlich mit und legt fest, wie der Speicher in jedem 15-Minuten-Takt eingesetzt werden soll. Der 15-Minuten-Takt ist die Standardeinheit, nach der im Energiemarkt abgerechnet wird.

Welche Daten benötigt die KI, um den Speicher entsprechend der lokalen Anforderungen zu steuern?

Die KI benötigt mehrere Datenpunkte. Zum einen lesen wir unterschiedlichste Zähler aus, die beim Industriekunden installiert sind – Erzeugungsanlagen, einzelne Verbraucher und Trafostationen. Zum anderen werden Marktpreise und Wetterdaten analysiert. Zusätzlich prognostizieren wir Verbrauch und Erzeugung, um den Fahrplan des Speichers und die jeweils frei verfügbare Kapazität bestimmen zu können.

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Greift sie auch auf Wetterprognosen und ähnliche Daten der Solaranlage zurück?

Ja. Wetterdaten fließen in die Steuerung ein – insbesondere, um die Erzeugung der Solaranlage zu prognostizieren und den Speichereinsatz darauf abzustimmen.

Johannes Merläinen ist Geschäftsführer von Fion Energy.

Fion Energy

Johannes Merläinen ist Geschäftsführer von Fion Energy.

Woher bekommt das System die Daten?

Am Speicher sitzt vor Ort eine eigene Steuerbox, die mit unserer Software in der Cloud kommuniziert. Die rechenstarken Optimierungen laufen auf unseren leistungsstarken Servern in Deutschland. Der Speicher erhält die Berechnungen und Steuerbefehle aus der Cloud. Wird die Verbindung unterbrochen, weiß der Speicher weiterhin, was zu tun ist: Er priorisiert dann definierte Anwendungen wie die Lastspitzenkappung oder die Eigenverbrauchsoptimierung, je nach Kundenfall.

Kann man etwa Produktionspläne des Unternehmens manuell einspeisen, und ändert der Speicher daraufhin seine Fahrweise?

Das ist nicht nötig. Wir legen den Speicher so aus, dass er auf Basis der historischen Lastgänge funktioniert. Diese decken in der Regel bereits unterschiedliche Wochen mit unterschiedlichen Produktionsplänen ab. Das Besondere: Industrieunternehmen müssen ihre Produktion nicht anpassen. Der Speicher ist eine Flexibilität on top, die Lastspitzen nachhaltig senkt und Lasten netzschonend verschiebt, sodass Netzentgelte gespart werden.

Batteriespeicher könnten im Stromsystem fast vier Milliarden Euro pro Jahr einsparen

Wie schnell reagiert die KI auf Änderungen der Last- und Erzeugungssituation?

Die Steuerung reagiert im Sekundentakt – wie ein Herzschlag –, teilweise sogar im Subsekundenbereich. So wird die Fahrweise des Speichers laufend an die aktuelle Situation angepasst.

Wie funktioniert diese Anpassung genau?

Über eine situative Priorisierung der Anwendungen. Ist der Speicher etwa für Lastspitzenkappung und Eigenverbrauchsoptimierung zuständig, hat die Lastspitzenkappung Vorrang. Denn schon eine einzige Spitze im Jahr kann die Netzentgelte dauerhaft erhöhen. Geregelt wird immer anhand der Messung am Netzübergabepunkt: Das System liest fortlaufend aus, was am Übergabepunkt bezogen oder eingespeist wird, und steuert den Speicher so, dass ein definierter Sollwert in beide Richtungen nicht überschritten wird.

Welche zusätzlichen Geschäftsmodelle werden durch die KI-Steuerung möglich?

Beispielsweise die Vermarktung von Flexibilitäten. In Zeiten, in denen der Speicher vor Ort nicht benötigt wird, bündeln wir ihn mit weiteren Fion-Speichern zu einem virtuellen Großspeicher und vermarkten diesen an verschiedenen Märkten – etwa im Spot-Intraday- oder Day-Ahead-Handel –, um für den Kunden zusätzliche Erlöse zu erzielen. Künftig sehen wir weitere Modelle. Wenn zum Beispiel Netzentgelte dynamisiert werden, kann der Speicher auch diese dynamischen Signale berücksichtigen und die Netzentgelte noch weiter senken.

Europäischer Speichermarkt wächst weiter

Wird durch die KI-Implementierung möglich, mehrere Geschäftsmodelle gleichzeitig zu bedienen?

Ja, genau das leistet unsere KI‑Steuerung. Sie kombiniert mehrere Anwendungen wie Lastspitzenkappung, Verschiebung der Solarstromnutzung und die Nutzung flexibler Stromtarife und priorisiert sie situativ, um in Summe das wirtschaftlich beste Ergebnis zu erzielen.

Wie wird der Speicher bei gleichzeitiger Nutzung ausgelegt – Lastspitzenkappung hat andere Anforderungen an Leistung und Kapazität als die Verschiebung der Solarstromnutzung?

Wir legen den Speicher datenbasiert aus und dimensionieren ihn bewusst nicht über. Auf Basis der aktuellen und historischen Energiedaten des Kunden simulieren wir verschiedene Speichergrößen und ermitteln jene Größe, die zu optimalen Einsparungen bei gleichzeitig optimaler Amortisationszeit führt. In der Regel ist die Lastspitzenkappung der maßgebende Faktor für die Auslegung – nicht die Eigenverbrauchsoptimierung. So definieren wir für jeden Standort exakt die passende Speichergröße und die vorgesehenen Anwendungen, statt den Speicher zu überdimensionieren.

Welche Einsparungen sind mit einem solchen System möglich?

Die Einsparungen sind stark standortabhängig. Um sie je Standort zu ermitteln, bieten wir eine unabhängige, datenbasierte und unverbindliche Analyse an – inklusive der passenden Speichergröße und der vorgesehenen Anwendungen. Marktüblich sind Amortisationszeiten von drei bis fünf Jahren, mit Ausreißern nach oben und unten. Das macht die Investition sehr attraktiv. Wir haben Kunden, die mit ihren Speichern jährliche Einsparungen im sechsstelligen Bereich erzielen – abhängig von der Größe des Speichers.

Die Fragen stellte Sven Ullrich.