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Mehr als Großspeicher: Vom Wechselrichter bis zum Elektrolyseur

Sungrow wird oft auf Speicher reduziert. Was gehört darüber hinaus zum Portfolio?

Robert von Wahl: Im Grunde sind wir ein ganzheitlicher One-Stop-Anbieter für das komplette Projekt – vom Residential-Bereich bis zur Utility-Größe. Das reicht vom PV-Wechselrichter über den Speicher bis zu EV-Chargern, also Ladestationen, und Hybridlösungen. Wir verstehen uns als ganzheitlicher Anbieter für erneuerbare Energien – nicht nur PV und Speicher, sondern auch Ladestationen und Wasserstoffproduktion mit Elektrolyse. Sungrow ist einer der Top-3-Produzenten von Elektrolyseuren weltweit. Das erste Referenzprojekt läuft gerade in Italien.

Also auch Elektrolyseure.

Robert von Wahl: Genau, Elektrolyseure für Wasserstoff. Dazu kommt die Windsparte, die unter anderem Konverter liefert – in China produzieren wir außerdem sehr viele Onboard-Charger für die Autoproduktion, dazu weitere Module und Speichersysteme.

Was ist der Vorteil, alles aus einer Hand zu bekommen?

Robert von Wahl: Wir stellen für unsere Kunden die Kompatibilität aller Produkte sicher. Die Inbetriebnahme läuft schnell in einem Durchgang – wir müssen nicht warten, bis der eine den Wechselrichter, der andere den Speicher und wieder jemand die Ladestation bringt. Und falls es später zu einem Garantiefall oder einem Defekt kommt, gibt es keinen Fingerzeig auf einen Unterlieferanten. Wir sind der einzige Ansprechpartner.

Wäre es denkbar, dass ein Kunde in fünf Jahren wiederkommt und eine Ladestation ergänzt?

Robert von Wahl: Auf jeden Fall. Das sehen wir schon im Residential-Bereich, wo PV-Anlagen und Speicher nachgerüstet werden. Und bei großen PV-Projekten mit dem Power Titan II oder III achten wir von vornherein auf Kompatibilität und gemeinsame Steuerung. Wir sind seit 2011 in Europa aktiv, das Unternehmen gibt es seit 1997.

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Wie groß ist das Unternehmen inzwischen?

Robert von Wahl: Wir haben rund 18.000 Mitarbeiter, viele davon auch in Europa. Wir betreiben Forschungs- und Entwicklungsstandorte, die ebenfalls in Europa liegen – etwa zum Thema EV-Charging oder, in München, zum Thema Wasserstoff. Mehr als 40 Prozent der Leute arbeiten in der Entwicklung. Als ich vor neun Jahren angefangen habe, waren wir 25 Kollegen, weil wir damals nur PV-Utility-Wechselrichter gemacht haben. Allein im PV-Bereich sind wir hier inzwischen über 100 Kollegen – dazu kommen die anderen Geschäftseinheiten.

Harry Nortje (links) und Robert von Wahl

Nicole Weinhold

Harry Nortje (links) und Robert von Wahl

Harry Nortje: Zudem bauen wir in Polen eine neue Fabrik. Sie ist bereits im Bau, und ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres beginnen wir dort mit der Produktion – sowohl von Wechselrichtern als auch von großen Speichern.

Funktioniert das Wasserstoffgeschäft in China?

Robert von Wahl: Ja, dort gibt es bereits mehrere große Projekte, und die Elektrolyseure werden in China schon eher aufgebaut. Jetzt kommt das erste Projekt in Italien dazu. Die entscheidende Frage ist natürlich die Wettbewerbsfähigkeit – man muss den Wasserstoff ja produzieren. Gerade dieser Bereich wird in China durchaus gefördert. Und die Erfahrung aus China können wir nach Europa transferieren.

Kommen wir zu den Projekten. In Bayern haben Sie mit Max Solar die Kombination aus Speicher und PV umgesetzt.

Harry Nortje: Ja, und selbst ohne Pflicht macht das fast immer Sinn. Es ist gerade ein großes Geschäft, Speicher an bestehende Solaranlagen nachzurüsten, weil man am Ende des Tages mit Solar plus Batterie mehr verdient. Das ist zugleich eine große Netzentlastung – das Netz ist in ganz Europa gestresst, nicht nur in Deutschland.

Mehr über den europäischen Speichermarkt lesen Sie hier.

Welche weiteren Projekte sind interessant?

Harry Nortje: Bulgarien ist derzeit der am stärksten wachsende Markt, mit einigen der größten Projekte Europas – meist Standalone. Dort sind wir gut vertreten und haben starke Partner. In Belgien haben wir im Februar einen großen Batteriespeicher mit 800 Megawattstunden eröffnet. In Großbritannien soll nächstes Jahr ein noch viel größerer mit 3,2 Gigawattstunden ans Netz gehen, ebenfalls Standalone. Deutschland ist mit Projekten von 300, 400 Megawattstunden derzeit eher noch kleiner.

Sie haben auch Projekte in Schweden – teils im Wald?

Harry Nortje: Wir haben ein Wind- und Speicherprojekt in Schweden, das wir jetzt umsetzen; dazu wird es nächstes Jahr voraussichtlich Kommunikation geben. Jedes Land hat seine Herausforderungen – die einen haben zu viel Sand, die anderen zu viel Feuchtigkeit.

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Robert von Wahl: Bei Schweden oder Finnland muss man darauf achten, dass die Speicher nicht zu kalt werden. Unsere Systeme sind darauf ausgelegt, dass auch bei Minusgraden alles funktioniert – wir hatten letztes Jahr ein Projekt am Polarkreis in Finnland. Und im anderen Extrem, bei Hitze in Spanien, funktioniert es ebenso. Das sind durchaus Anforderungen.

Unsere Zeitschrift richtet sich an Projektplaner. Wie unterstützen Sie diese?

Robert von Wahl: Wir arbeiten sehr gern mit Planern zusammen, weil unsere Komponenten von Anfang an im Projekt vertreten sind – in der Genehmigungsphase, beim Netzanschlussverfahren. Wir sind kein Ingenieurbüro, das die Detailplanung übernimmt, aber wir geben alle technischen Informationen an die Hand. Wir haben eine Projektcheckliste, auf deren Basis wir ein technisches Konzept erstellen, inklusive Layout für eine vorgegebene Fläche, Anzahl der Power-Titan-Container sowie Spannung von Transformatoren und Schaltanlagen.

Harry Nortje: Dazu kommt, dass wir in jedem Land lokale Vertriebspartner haben, die viel Erfahrung mitbringen. Uns geht es um langfristige Partnerschaften.

Robert von Wahl: Und wir sind zunehmend mit den großen Netzbetreibern im Gespräch, weil die jeweils spezifische Anforderungen haben. Das fließt dann auch in die Frage zurück, welche Komponenten wir einsetzen.