Der Speicheranbieter Voltfang hat für Icecreek Energy im ehemaligen Bergbauort Alsdorf, nordöstlich von Aachen, ein Batteriekraftwerk direkt am Mittelspannungsnetz errichtet. Die Anlage kann 20 Megawattstunden Strom aufnehmen und mit einer Leistung von 9,5 Megawatt wieder ins Verteilnetz von Regionetz einspeisen. Auf diese Weise übernehmen die Batterien Netzdienstleistungen wie die Bereitstellung von Regelenergie und das Management lokaler Engpässe im Stromnetz.
Alle Akteure an einen Tisch bringen
Zudem wird der Speicher noch über den Arbitragehandel refinanziert, indem er Volatilitäten am Strommarkt nutzt. „Die Umsetzung von Projekten in dieser Größenordnung erfordert gute Planung, skalierbare Batteriekompetenz und solide Finanzierung“, betont David Oudsandji, Geschäftsführer von Voltfang. „Gemeinsam mit Icecreek Energy, Regionetz und der Stadt Alsdorf haben wir gezeigt, dass wir alle relevanten Akteure an einen Tisch bringen können und damit einen messbaren Beitrag zur Energiewende leisten.“
Energiewende vor Ort
Die Anlage ist nicht nur für den Netzbetreiber in Zeiten der Energiewende relevant, sondern auch für die Gemeinde. Denn durch die Regelungen im Jahressteuergesetz 2024 verbleiben 90 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen aus Energiespeicheranlagen bei der Standortkommune. Diese Regelung ist ein direkter Hebel für den kommunalen Haushalt der Stadt, die einst vom Steinkohleabbau lebte. Sie erhöht aber auch die Akzeptanz vor Ort. „Voltfang zeigt, wie die Energiewende vor Ort gelingen kann und wie Kommunen dazu beitragen können“, sagt Tim Krämer, Bürgermeister von Alsdorf. „Mit Großspeichern, aus europäischer Fertigung, wird hier eine tragende Säule für eine dezentrale und resiliente Energieversorgung geschaffen. Es zeigt auch, wie Innovation, Nachhaltigkeit und kommunale Interessen erfolgreich zusammengeführt werden“, betont der Bürgermeister.
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Kommunale Aufgaben finanzieren
Denn mit den zusätzlichen Steuereinnahmen kann Alsdorf gezielt soziale Einrichtungen wie Kita-, Jugend- oder Pflegeangebote ausbauen und Geld in andere Pflichtaufgaben investieren. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos lasse sich mit den Steuereinnahmen aus dem Betrieb des Speichers kofinanzieren, teilt Volfang mit. So werde die Wertschöpfung aus dem Speicherkraftwerk direkt sichtbar und stärke die lokale Daseinsvorsorge sowie die Verkehrswende in der Gemeinde.
Video: Experte gibt Tipps zur Planung von Großspeichern
Weitere Projekte in Vorbereitung
Für Voltfang ist das Projekt der Startschuss für eine umfassendere Strategie. Denn das Unternehmen plant vier weitere Projekte. Baustart ist noch in diesem Jahr. Für die Entwicklung, Finanzierung, Realisierung und den Betrieb weiterer systemdienlicher Großspeicher in Deutschland bestehe eine langfristige Partnerschaftsstruktur mit institutionellem Kapital, die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe bis 2029 vorsehe, teilt das Unternehmen mit. Diese Struktur ermögliche schnelle Replikation und Roll-out weiterer Standorte auf Basis identischer technischer Standards.
Einen Bericht über die Planung und den Betrieb von großen Speichern zur Netzunterstützung lesen Sie in der nächsten Ausgabe von ERNEUERBARE ENERGIEN, die am 5. Februar 2026 erscheint. Sie haben noch kein Abo? Dann können Sie hier reinschnuppern!