Die Lücke zwischen dem Willen der Bundesbürger und der Energiepolitik der Bundesregierung kann derzeit kaum größer sein. Denn während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Kapazitätsmarkt ausschließlich mit Gaskraftwerken bestücken möchte, will die Mehrheit der Bundesbürger Ökostromschwankungen primär mit Batteriespeichern ausgeglichen wissen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar).
Die Mehrheit will kein Erdgas im System
Die Meinungsforscher haben immerhin 2.190 Wahlberechtigte repräsentativ befragt, wie die Schwankungen bei der Produktion von Solar- und Windstrom ausgeglichen werden sollen. Das Ergebnis zeigt, dass die Batteriespeicher mit 42 Prozent die höchste Präferenz besitzen. Erdgaskraftwerke würden nur 17 Prozent der Befragten bevorzugen. Damit liegt diese Technologie mit Abstand am wenigsten in der Gunst der Wähler:innen. Denn selbst Biomassekraftwerke und Wasserstoff-Gaskraftwerke würden mit 32 beziehungsweise 31 Prozent mehr Befragte bevorzugen als die teuren Erdgasanlagen, wobei Mehrfachnennungen offenbar möglich waren.
Bau von Speichern geht schneller
Für den BSW-Solar ist dieses Ergebnis eine klare Absage an die Strategie des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Verband fordert deshalb, Speicherlösungen bei den anstehenden Auktionen zur Kraftwerksstrategie gleichberechtigt zu berücksichtigen. „Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein für ein kosteneffizientes, resilientes und klimaneutrales Energiesystem“, betont Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Gegenüber neuen Erdgaskraftwerken bieten sie entscheidende Vorteile: Sie sind innerhalb kürzester Zeit verfügbar, vermeiden direkte CO2-Emissionen im Betrieb und senken Systemkosten, indem sie erneuerbare Energien effizient integrieren und Netzengpässe reduzieren. Zudem reagieren sie in Sekundenbruchteilen auf Netzschwankungen und stellen kostengünstiger als Gaskraftwerke und in größeren Mengen Momentanreserve bereit und erhöhen damit die Systemstabilität und die Versorgungssicherheit deutlich schneller und präziser als konventionelle Kraftwerke“, weiß Körnig.
Subventionen werden umgelegt
Stattdessen warnt er vor dem übermäßigen Bau von Erdgaskraftwerken. Denn diese würden das fossil angetriebene Energiesystem langfristig weiter zementieren, mit enormen Folgen für die Energiepreise in Deutschland und die Abhängigkeit von Energieimporten aus meist autokratischen Ländern. Zudem würde die Bevorzugung von Erdgaskraftwerken gegenüber Batteriespeichern in den Ausschreibungen zu unnötig hohen Subventionen für die Reservekraftwerke führen. Dies würde den Strom für Verbraucher zusätzlich verteuern, anstatt die Lücken mit günstig gespeichertem Strom aus Sonne und Wind zu füllen. Denn die ersten Vorschläge von Katherina Reiche zeigen deutlich, dass die Subvention der Gaskraftwerke in Reserve mit einer Umlage auf den Strompreis finanziert werden soll.
Keine Diskriminierung bei der Ausschreibung
Zudem verweist der BSW-Solar auf die grundsätzliche Freigabe der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung durch die EU-Kommission – allerdings unter dem Vorbehalt, dass die geplanten zwölf Gigawatt an neuer Kraftwerkskapazität wettbewerblich und diskriminierungsfrei ausgeschrieben werden. „Bei der Ausschreibung von flexibler Kraftwerkskapazität erwarten wir faire Wettbewerbsbedingungen, in denen sich die effizientesten und zukunftsfähigsten Technologien durchsetzen können. Batteriespeicher gezielt zu benachteiligen würde hingegen sowohl den Klimazielen als auch den ökonomischen und systemischen Anforderungen der Energiewende widersprechen“, warnt Carsten Körnig.
Die Erdgaspläne der Bundesregierung sind auch Thema der morgigen Demonstrationen für die Energiewende. Diese finden zeitgleich in Berlin, Hamburg, Köln und München statt. Unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen“ können Bundesbürger:innen ihre Unterstützung für die konsequente Energiewende deutlich machen. Informationen zu den einzelnen Demos finden Sie HIER.