Foto: David Menke

Vogelschutz versus Windkraft

Untersuchung zu Rotmilan-Killern

Wie eine Untersuchung zeigt, sterben 50 Prozent aller Rotmilane schon als Jungtier oder noch als Ei durch andere Tiere wie Habicht, Waschbär und Marder.

Nicole Weinhold

Windkraftgegner führen häufig den Rotmilan an, wenn es darum geht, die Genehmigung eines neuen Windparks zu verhindern. Dabei lauert die Gefahr für den Rotmilan bereits in seiner Kinderstube. Unter Prädation versteht man das Töten und Fressen von Tieren durch andere Tiere. Der Rotmilan ist selbst ein Raubvogel, doch werden seine Jungtiere oder Eier auch Beute anderer Tiere. Deutlich wurde das durch ein Forschungsprojekt. Im Rahmen des Rotmilanprojektes der Ernst-August-Universität Göttingen werden seit 2009 eine Reihe von Nestern mit Kameras ausgestattet. Auch Nesträuber wurden durch die Kameraaufnahmen enttarnt. An bislang 56 Horstbäumen sind Fotofallen auch unten am Brutbaum installiert worden, um kletternde Prädatoren zu dokumentieren. Ergebnis: Fast 30 Prozent der jungen Milane wurden im Untersuchungszeitraum seit 2009 von Habichten geschlagen. Andere Bruten wurden durch kletternde Waschbären und Marder zerstört, was noch einmal 21 Prozent der Brutaufgaben ausmacht.

In Deutschland leben über 50 Prozent der Weltpopulation des Rotmilans, ca. 11.800 Paare. Wie ließen sich die Jungtiere schützen? In der Praxis hat sich die Verwendung von 1,25 m hoher handelsüblicher Verglasungsfolie (Bezug aus dem Baumarkt oder Internet) bewährt, heißt es bei rotmilan.org. Die Folie wird auf Brusthöhe am Brutbaum angebracht und am besten mit witterungsbeständigem Klebeband befestigt. Nach der Brutsaison wird die Folie wieder abgenommen und kann so jahrelang wiederverwendet werden. Die Anbringung und Demontage können problemlos von einer Person durchgeführt werden.

Da man relativ gut weiß, wo Waschbären in Deutschland verbreitet sind, kann man die Folie zum Teil auf diese Gebiete beschränken. Das für die Verbreitung des Waschbären in Europa wichtigste Ereignis war das Aussetzen von zwei Waschbärpaaren am 12. April 1934 am hessischen Edersee. Der Ausbruch von etwa zwei Dutzend Waschbären aus einer Pelzfarm in Wolfshagen bei Strausberg in Brandenburg im Jahr 1945 führte zu einem weiteren Verbreitungsgebiet.

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