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Wartungsservice

Vestas kauft Availon

Vestas übernimmt den bisher herstellerunabhängigen Wartungsservice-Dienstleister Availon. Das bringt Vestas einem wichtigen mittelfristigen Wachstumsziel näher.

Inhaltsverzeichnis

von Tilman Weber

Wie der Weltmarktführer der Windturbinenbauer aus Dänemark gestern am späten Nachmittag mitteilte, bezahlt er 88 Millionen Euro. Availon hat ein Windpark-Portfolio von weltweit 2,6 Gigawatt (GW) unter Vertrag. Mit Availon erwirbt Vestas nicht nur eine Marktführerschaft beim Service auf dem deutschen Markt. Der 400-Mitarbeiter-Dienstleister gehörte bisher zu den zwei führenden herstellerunabhängigen Wartungsunternehmen in Deutschland und ist in seinem Kernmarkt Deutschland stark vertreten. Zugleich holt sich Vestas mit der Übernahme auch ein Leistungsvolumen bei Vestas-Anlagen von mehr als einem Gigawatt (GW) in den eigenen Service zurück sowie zusätzlich ein ähnlich hohes Volumen an Anlagen anderer Windturbinenhersteller wie vor allem GE und Gamesa. „Wir stärken mit dem Kauf unseren Trend, die Reichweite unseres Wartungsservice auf andere Turbinentechnologien auszuweiten. Das ist wichtig für unsere Kunden“, sagte Vestas-Konzernpressesprecher Michael Zarin heute Morgen zu ERNEUERBARE ENERGIEN.

Damit spielt der dänische Anlagenbauer auf einen Professionalisierungs-Trend der gesamten Branche an, wonach große oft kapitalstarke Gesellschaften nach dem Kauf größerer Windparkportfolien den Service ihrer Windparks gerne in einer Hand vereinigt sehen. Aber auch traditionelle Betreiber von Mischwindparks mit Turbinen aus verschiedenen Baujahren und von verschiedenen Herstellern haben ein Interesse, durch die Konzentration des Service auf nur einen Dienstleister für sich weitere Effizienzreserven zu heben.

Ziel: Umsatzwachstum im Service um 30 Prozent

Geschäft Wartungsservice mit Wachstumspotenzial

Mit dem Kauf werde Vestas seinem mittelfristigen Ziel näher kommen, binnen eines Zeitraums von drei bis fünf Jahren den Umsatz im Geschäftsfeld Service um 30 Prozent zu erhöhen, sagte Zarin. Mit der Übernahme von Availon versuche der dänische Konzern zwei Strategien gleichzeitig zu dienen: Das angestrebte Wachstum zu beschleunigen sowie „ein organisches Wachstum“ beizubehalten. Dass Vestas mit der Übernahme von bisher herstellerunabhängigen Servicedienstleistern auch seine Position als größter Wartungsdienst in der gesamten Branche untermauere, sei hingegen „nicht notwendigerweise“ ein gewünschtes Ergebnis des Deals. Schon im vergangenen Monat Dezember hatte Vestas auch den amerikanischen Service-Dienstleister Upwind übernommen, der mit rund drei GW Leistung ein ähnlich großes Windparkportfolio unter Vertrag hat wie Availon.

Der Wartungsdienstleister Availon hat seinen Sitz im westfälischen Rheine und gehörte zum Zeitpunkt des Verkaufs der deutschen Eigenkapital-Investmentgesellschaft Parcom sowie zu kleineren Teilen auch dem Management. Vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich, Italien, Portugal, Spanien und Polen hat Availon Windparks unter Vertrag. Der Umsatz betrug 2015 knapp 60 Millionen Euro. Die Übernahme soll nach den Plänen von Vestas noch im ersten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein, wenn die Wettbewerbsaufsichtsbehörden dem Kauf zugestimmt haben werden.

"Anteile der 16 GW fremdbetreuter Anlagen zurückgewinnen"

Turbinenbauer Vestas hatte bereits im Geschäftsjahr 2014 einen bilanzierten Umsatz allein im Service für Windparks an Land einen Umsatz von noch ganz knapp unter einer Milliarde Euro erreicht. Nach 954 Millionen Euro im Jahr 2013 stieg der Umsatz dieser Sparte im vorvergangenen Jahr auf 979 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz betrug 2014 knapp sieben Milliarden Euro. In dieser bisher letzten Jahresbilanz des Konzerns erklärten die Dänen auch, Angebote entwickeln zu wollen, um Kunden zurückzugewinnen. Man wolle einen Teil der 16 GW nicht mehr vom eigenen Service betreuter Vestas-Anlagen zurückgewinnen, hieß es Anfang 2015 in dem Geschäftsbericht – bei damals weltweit insgesamt 66 GW in Vestas-Windparks installierter Leistung.

Durch die beiden Firmenkäufe dürfte Vestas gemäß den im Geschäftsbericht 2014 präsentierten Daten in den beiden Märkten Europa plus Afrika sowie Nord- und Südamerika mehr als 30 GW sowie rund 20 GW an Vestas-Turbinenkapazität unter Vertrag haben. Der Anlagenservice ist bei den Windturbinenbauern inzwischen der Geschäftsbereich mit den besten Gewinnmargen, während der weltweite Konsolidierungsdruck auf die Turbinenhersteller die Gewinne im Geschäftsbereich Anlagenherstellung in den vergangenen Jahren stark reduziert hatte.

Aufgabe Integration der Unternehmenszukäufe

Inwiefern Vestas nach den beiden Einkäufen weitere Übernahmen ausschließe, wollte Vestas-Sprecher Zarin auf Nachfrage zunächst nicht beantworten. Zarin betonte: „Unsere finanziellen Rahmenbedingungen sind derzeit gut. Wenn sich Gelegenheiten ergeben, wird Vestas im Einzelfall entscheiden. Aber jetzt geht es zunächst um die Integration der beiden Unternehmen.“ Mit Sicherheit gehe es bei den Übernahmen im Service aber nicht um eine Konsolidierungsmaßnahme, bei der sich Vestas nun von einer größeren Zahl von Service-Teams trennen könne. Vielmehr gelte für die Availon-Übernahme: „Wachstum ist das Ziel."

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