Foto: HUSUM Wind - Messe Husum & Congress

Kommunale Energiewende - Beispiel Heidenrod

Wo sich Wind für Bürger, Kommunen und Stadtwerke lohnt

Der Bürger-, Gemeinde- und Energieversorgerwindpark Heidenrod ist ein Musterbeispiel örtlich lohnender Stromerzeugung. Das belegt auch Jahr fünf.

Tilman Weber

Die Bürgergenossenschaft Windenergie Heidenrod zog zufrieden Bilanz, wie auch die Lokalzeitung Wiesbadener Kurier am Freitag vermeldete. Das Geschäftsjahr 2019 war gemäß dieser Bilanz wieder besser als erwartet. Auch die Gewinnausschüttung wird über Plan ausfallen. Und die im bisherigen Jahresverlauf schon erreichten Einspeisevolumen des Windparks ließen selbst bei nur durchschnittlich guten Windverhältnissen fürs Gesamtjahr 2020 schon heute ein gutes Ergebnis erwarten.

Die 2015 in Betrieb genommenen zwölf GE-Anlagen mit 120 Meter Rotordurchmesser und jeweils 2,5 Megawatt (MW) Nennleistung des Windparks Heidenrod sind für die Ernte sogenannter küstenferner Schwachwindlagen im Binnenland designt. Der Windpark steht auf der Nordseite des Mittelgebirgszuges Taunus zwischen Wiesbaden und Frankfurt. Bei einem Bürgerentscheid hatten 2012 sich 88 Prozent der abstimmenden Anwohner für die Errichtung der Turbinen entschieden. In den Windpark investierten daraufhin jeweils zur Hälfte die Gemeinde Heidenrod selbst sowie der Frankfurter Regionalversorger Süwag. Schon 2016 veräußerten beide Gesellschafter zusammen zehn Prozent an eine lokale Windparkgenossenschaft mit 310 Bürgern.

Für die Gemeinde bedeutet der Windpark seither Einnahmen von jährlich 800.000 Euro, die Heidenrod aus den vorher roten Zahlen brachten. So konnte die Gemeinde auch die finanziellen Vorgaben zur Befreiung aus der Kontrollaufsicht des Landes Hessen für verschuldete Kommunen erfüllen. Auch Regionalversorger Süwag erzielt regelmäßig Gewinne. Gemäß dem bisher letzten vorliegenden Jahresbericht waren es 2018 beispielsweise 1,645 Millionen Euro, was einer Jahresdividende am investierten Eigenkapital von 13,2 Millionen Euro beziehungsweise von knapp 12,5 Prozent entspricht. Die Bürgergenossenschaft Windenergie Heidenrod wiederum hat sich inzwischen auch an einem örtlichen Quartiers-Blockheizkraftwerk und einem örtlichen Solarkraftwerk beteiligt. Sie schüttete ihren Genossen eine Dividende von drei Prozent der Einlagen aus.

Rechnerisch produziert der Windpark Heidenrod das Achtfache des Bedarfs in Heidenrod. Kommune und Süwag arbeiten an einem Konzept, wie sich die Energie direkt im Gemeindegebiet verbrauchen lässt. Das in Frankfurt ansässige Energieunternehmen versorgt eine Region in den süddeutschen Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern und hat 2020 zum siebten Mal den Titel Top Lokalversorger erhalten. Die Auszeichnung vergeben ein Verbraucherportal sowie ein Institut der Uni Hannover.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Windkraft im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.