Solarfloß in Indien. Die asiatischen Schwellenländer werden viel Geld in die Energiewende investieren. Die steigende Stromnachfrage wird aber weiter auch mit alten und neuen Kohlekraftwerken gedeckt.
Foto: Vikram Solar

Klimapolitik

9 Trends der globalen Energiewende

Die Energiewende ist bis 2040 nicht abgeschlossen. Bloomberg New Energy Finance hat Trends erarbeitet, die künftig die Erzeugung dominieren werden.

Inhaltsverzeichnis

Von Sven Ullrich

In den kommenden Jahren werden weltweit die meisten Investitionen in die Stromerzeugung in Technologien der erneuerbaren Energien fließen. Das wird aber nicht ausreichen, um das angestrebte Ziel, die Erderwärmung bei 2 Grad Celsius zu stoppen, zu schaffen. Das ist das zentrale Ergebnis des aktuellen New Energy Outlook 2016 von Bloomberg New Energy Finance (BNEF). „Etwa 7,8 Billionen US-Dollar werden weltweit zwischen 2016 und 2040 in die erneuerbaren Energien investiert“, fasst Seb Henbest, bei BNEF für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) zuständig, die Zahlen zusammen. „Das werden zwei Drittel der Investitionen in allen Stromerzeugungskapazitäten sein. Aber es werden Billionen an Dollar mehr notwendig sein, um die weltweiten Emissionen an Treibausgasen auf einen Pfad zu bringen, der kompatibel mit dem Klimaziel der Vereinten Nationen von zwei Grad Celsius ist.“

1. Preise für fossile Brennstoffe bleiben niedrig

Ein Grund für die durchwachsenen Zahlen sind die Preise für fossile Brennstoffe, die auf einem relativ niedrigem Level bleiben. Die Analysten erwarten, dass die Kosten für die fossilen Energieträger Kohle und Gas 30 bis 33 Prozent unter den bisher prognostizierten Werten liegen. Das wird das Ergebnis eines Überangebots sein, aufgrund der sinkenden Nachfrage, weil die Stromerzeugung aus diesen beiden fossilen Energieträgern sinkt. DAS führt aber dazu, dass die Kosten für die Verstromung von Kohle und Gas weiterhin niedrig bleiben.

2. Kosten der Ökostromerzeugung sinken drastisch weiter

Allerdings werden die Solarenergie und die Windkraft diese beiden Energieträger weit hinter sich lassen, was die Kosten angeht. Die Stromgestehungskosten in der Windkraft an Land werden bis 2040 um 41 Prozent fallen. Photovoltaikanlagen werden im Jahr 2040 ihren Strom sogar zu 60 Prozent geringeren Kosten produzieren als jetzt.

3. Mehr Investitionen in Erneuerbare

Dadurch werden diese beiden Technologien bis 2020 in vielen und bis 2030 in den meisten Ländern der Erde zu den preiswertesten Stromerzeugern. Dies wiederum wird die Investitionssumme von 7,8 Billionen US-Dollar auslösen, die Seb Henbest genannt hat. Die meisten Investitionen werden dabei in den Ausbau der Photovoltaik gesteckt. Die Analysten erwarten, dass bis 2040 3,4 Billionen Dollar in solche Anlagen fließen. In die Windkraft – On- und Offshore zusammen – werden 3,1 Billionen Dollar fließen. Weitere 911 Milliarden Dollar erwarten die Analysten an Investitionen in die Wasserkraft.

4. Erneuerbare dominieren in Europa und den USA

Das wird dazu führen, dass die Energiewende vor allem in Europa und in den USA weiter vorankommt. Selbst die letzten Barrieren, die die Politik in Europa aufstellt, werden dann nicht mehr halten. Bis 2040 – so erwarten es die Analysten – werden 70 Prozent der Stromerzeugung erneuerbar sein. Derzeit liegt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Europa bei 32 Prozent. In den USA wird sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 14 auf 44 Prozent nahezu verdreifachen.

5. Investitionen in fossile Kraftwerke gehen weiter

Den hohen Investitionssummen in erneuerbare Erzeugungskapazitäten stehen weltweit Investitionen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar in die Kohlekraft gegenüber. Bis 2040 werden außerdem noch 892 Milliarden Dollar in neue Gaskraftwerke investiert. Diese Investitionen werden hauptsächlich in den Schwellenländern Asiens getätigt. „Die steigende Stromerzeugung durch die Verfeuerung von Kohle in Indien und anderen asiatischen Schwellenländern zeigt, dass die globalen Emissionen an Treibhausgasen im Jahr 2040 immer noch bei 700 Megatonnen liegen werden“, beschreibt Henbest das Szenario. „Das sind 5 Prozent mehr als 2015.“

6. China und Indien werden das Klima beeinflussen

Vor allem in China werden nicht nur neue Windkraft- und Solaranlagen errichtet, sondern auch neue Kohlekraftwerke. Die Analysten erwarten, dass der Ausstoß an Treibhausgasen im Reich der Mitte bis 2025 weiter zunehmen und erst dann langsam zurückgehen wird. Der Zubau an Kohlekraftwerke in China wird aber 21 Prozent niedriger sein, als bisher erwartet. Das führt dazu, dass Indien die künftigen Emissionen an Treibhausgasen beeinflussen wird. Immerhin steigt die Stromnachfrage aufgrund der wachsenden Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem südasiatischen Subkontinent zwischen 2016 und 2040 um das 3,8fache. Dies wachsende Nachfrage wird Indien nicht allein mit erneuerbaren Energien decken. In solche Anlagen werden bis 2040 611 Milliarden Dollar fließen. Vor allem wird mit Kohlekraftwerken die wachsende Nachfrage nach Strom gedeckt. Dazu kommen noch Atomkraftwerke, in die in den kommenden 24 Jahren immerhin noch 115 Milliarden Dollar gesteckt werden.

7. Klimaziele werden nicht erreicht

Die politischen Widerstände gegen die Energiewende in vielen Ländern und die niedrigen Preise für die fossilen Brennstoffe führen dazu, dass zu viel Geld in die alte Energiewelt gesteckt wird. Um die Klimaziele zu erreichen, die in Paris beschlossen wurden, werden 5,3 Billionen Dollar mehr an Investitionen in die Ökostromerzeugung benötigt.

8. Elektromobilität nimmt Fahrt auf

Zwar ist die fossile Stromerzeugung nur einer der Klimakiller. Auch die Bereitstellung von Wärme und vor allem der Verkehr tragen erheblich zur Erderwärmung bei. Doch werden diese beiden Segmente an Bedeutung verlieren. Vor allem auf den Straßen der Welt wird die Energiewende gut vorankommen. Der Absatz von Elektroautos wird bis 2040 um das 90fache im Vergleich zu 2015 steigen. Das wird aber dazu führen, dass die Stromnachfrage um 2.701 Terawattstunden steigt.

9. Stromspeicher werden attraktiv

Die größere Verbreitung der Elektromobilität hat aber noch einen zweiten Effekt. Sie wird die Kosten für Stromspeicher signifikat senken. Skaleneffekte und technologische Weiterentwicklungen – getrieben durch den Absatz von Elektroautos – werden dazu führen, dass die Kosten für Lithium-Ionen-Speicher so weit sinken, dass sie immer öfter zusammen mit großen und kleinen Solaranlagen installiert werden. Der jährliche Absatz Stromspeichern in Privathaushalten und Unternehmen wird von 400 Megawattstunden derzeit auf 760 Gigawattstunden im Jahr 2040 steigen. Dazu kommen noch die Speichersysteme, die sich Netzbetreiber installieren, um ihre Netze stabil zu halten. Insgesamt werden 2040 Speicher mit einem Gesamtwert von 250 Milliarden Dollar abgesetzt.

Foto: Solarfloß in Indien. Die asiatischen Schwellenländer werden viel Geld in die Energiewende investieren. Die steigende Stromnachfrage wird aber weiter auch mit alten und neuen Kohlekraftwerken gedeckt.

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