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Drei Alternativen zum Redispatch-Vorbehalt

Die Debatte um die Weiterentwicklung der Energiewende ist in vollem Gange. Tatsächlich sieht es eher nicht so aus, als ob Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ihren Kahlschlag umsetzen kann. Denn die Kritik vor allem am Netzpaket kommt nicht nur aus der Branche, sondern auch vom Koalitionspartner SPD und vor allem von den Bundesländern. Im Mittelpunkt der Debatte steht hier der sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Der Plan sieht vor, dass in Zukunft bei Netzengpässen unter bestimmten Voraussetzungen die Anlagen ohne Entschädigung abgeregelt werden, wenn die Netze ausgereizt sind.

Alternativen sind effizienter als Reiches Vorschlag

Auf diese Weise würde die Wirtschaftlichkeit von derzeit geplanten Projekten mit einer Gesamtleistung von rund 32 Gigawatt wackeln. Es stehen 45 Milliarden Euro privater Investitionen in 90 Landkreisen auf dem Spiel, wie Green Planet Energy (GPE) mitteilt. Um diese Investitionen zu retten, hat der Ökoenergieversorger das auf Energiethemen spezialisierte Beratungsinstitut Enervis beauftragt, Alternativen aufzuzeigen, wie der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft trotz ausgereizter Netze weitergehen kann.

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Das Ergebnis ist eindeutig. Die von Enervis gezeigten Alternativen sind wirksamer als der von Reiche vorgesehene Redispatch-Vorbehalt. Denn der Plan der Wirtschaftsministerin verlagert nicht nur die Risiken von Netzengpässen einseitig auf Betreiber von Wind- und Solarparks und macht deren Erlöse unplanbar. Er steuert darüber hinaus auch noch den Ausbau nur ungenau. „Das Ziel des Netzpakets ist richtig, aber die Lösung darf die Energiewende nicht stilllegen“, warnt Carolin Dähling, die bei GPE für Politik und Kommunikation zuständig ist. „Wir müssen den Ausbau besser steuern, die Netze effizienter nutzen und Investitionen in neue Anlagen kalkulierbar halten.“

1. Regionale Baukostenzuschüsse erheben

Dazu schlägt Enervis einen Mix aus zwei Maßnahmen vor. Die erste Maßnahme ist, den Ausbau über regionale Baukostenzuschüsse zu steuern. Die Idee dahinter ist, dass die Projektentwickler einen einmaligen Obolus für den Netzausbau in der Region zahlen, in der die Anlage angeschlossen werden soll. In Regionen, in denen das Netz schon hoch ausgelastet ist, würde der Baukostenzuschuss höher ausfallen als dort, wo noch Platz im Netz ist. Damit entstünde ein Anreiz, die Anlagen dort zu bauen, wo noch viel Ökostrom ins Netz passt, ohne dass die Anlagenbetreiber mit unplanbaren Verlusten rechnen müssen.

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2. Netzanschlüsse systemdienlich nutzen

Dies könnte mit einer sogenannten systemdienlichen Anschlussleistung kombiniert werden. Das heißt, die Anlagen bekommen eine bestimmte Leistung, mit der sie garantiert ins Netz einspeisen können. Diese Strommengen werden vergütet. Alles, was darüber hinaus ins Netz fließt, wird nicht mehr vergütet. Damit haben die Projektierer den Anreiz, die Anlagen mit Speichern zu bauen, um die Einspeisung über die Anschlussleistung hinaus zu verschieben und die Anlagen netzdienlich zu betreiben. Damit bleibt ein Großteil der Erträge planbar, während weniger Strom zu den Zeiten ins Netz fließt, wenn dieses schon überlastet ist. Die Leitungen werden effizienter genutzt.

Energieminister der Länder üben deutliche Kritik an Katherina Reiche

Enervis hat sich für seine Empfehlung mehrere Ansätze angeschaut. Diese reichen von Redispatch 2.0 über die genannten Baukostenzuschüsse, einen Kapazitätspreis und dynamische Netzentgelte bis zu netzoptimierten Ausschreibungen, systemdienlichen Anschlussleistungen und flexiblen Netzanschlussvereinbarungen. Für jeden Ansatz haben die Analysten die Wirksamkeit der regionalen Ausbausteuerung, die effiziente Auslastung der Netze und den effizienten Einsatz der Anlagen bewertet. In die Bewertung sind auch die Erlösrisiken der Anlagenbetreiber, die Verteilungsgerechtigkeit und die Komplexität des jeweiligen Ansatzes eingeflossen.

3. Netzanschlüsse überbauen

Einen dritten Vorschlag, den sich Enervis nicht angeschaut hat, unterbreitet Node Energy. Der Monitoring- und Abrechungsdienstleister plädiert für die konsequente Überbauung von Netzanschlüssen. BÜHNE nennt Node Energy seinen Ansatz. Das steht für Bestandsüberbauung und Hybridisierung am Netzeinspeisepunkt. Das bedeutet, dass bestehende Netzanschlüsse über die bereits genehmigte Einspeise- und Bezugsleistung hinaus überbaut werden, etwa indem ein Windpark um Solarleistung und Batteriespeicher ergänzt wird.

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Dabei bleiben Anlagen hinter solchen Anschlüssen vom Redispatch-Vorbehalt ausgenommen, zusätzliche Einzelauflagen könnten entfallen. Node Energy plädiert dabei für einfache, einheitliche Regeln statt individuell verhandelter Vereinbarungen. Eine hausinterne Analyse auf Basis der Daten aus dem Optinode-Cockpit zeige, dass sich der Netzanschluss eines Windparks mit gleicher Solarleistung überbauen ließe und dabei nur rund 0,5 Prozent der möglichen Erzeugung abgeregelt werden müssten. Dies wäre vorwiegend in Zeiten niedriger oder negativer Preise der Fall.

Vorschläge liegen auf dem Tisch

Carolin Dähling von Green Planet Energy fordert die Bundesregierung auf, auf Basis der vielen Vorschläge, die gemacht wurden, endlich einen Kompromiss zu finden. „Die gute Nachricht ist: Bessere Instrumente liegen auf dem Tisch“, erklärt Carolin Dähling. Auch Matthias Karger, Geschäftsführer von Node Energy sieht den Handlungsbedarf, warnt aber vor falschen Schlüssen. „Die Diagnose, dass wir auf Systemkosten achten und kosteneffizienter werden müssen, trage ich vollständig mit. Aber die Medizin, die vorgeschlagen wird, nämlich den Ausbau der Erneuerbaren zu drosseln und stattdessen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu konservieren, ist nicht nur falsch, sondern auch total unnötig“, kritisiert Matthias Karger.