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Führt dieser grau-grüne Biosprit im Windparkverkehr zu Resilienz und Klimaschutz?

Es ist der erste für den kommerziellen Betrieb geeignete Biomethanol-Speicher- und Versorgungsdienst des Vereinigten Königreiches, den die drei beteiligten Partnerunternehmen nun im größten nationalen Frachthafen eröffnet haben. Das hinter der Initiative stehende Konsortium aus dem Speicherunternehmen Exolum, dem angeblich führenden Methanolproduzenten Methanex und Energiekonzern Ørsted gab nun bekannt, mit der neu eröffneten Lagerstätte einen der am schwierigsten bei den Emissionen zu mäßigenden Industriebereiche dekarbonisieren zu wollen. Die mit der Einlagerung von Biomethanol für den Schiffsverkehr geleistete Innovation sei im Einklang mit den Anstrengungen des Landes bei „sauberen Energien“ und bringe „die Häfen in Sachen nachhaltiger Schiffsverkehr ganz nach vorne“.

Während Exolum die Lagerkapazitäten und die Schiffsbetankungsinfrastruktur zur Verfügung stellt, wird Ørsted als Erstnutzer mit dem Biosprit die Schiffe des eigenen Wartungsservices für Meereswindparks betanken. Zertifiziert ist das aus Bio- oder theoretisch auch Klärgas zu gewinnende Biomethanol, das die neuen Exolum-Lager an der Humber-Mündung in die Nordsee speichern, durch das von der Europäischen Union anerkannte ISCC-Siegel.

Allerdings gibt es an ISCC auch viel Kritik. Umweltschützer bemängeln etwa, dass die ISCC-Zertifizierung abhängig von Industrieinteressen sei. Auch die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace schlussfolgerte in einer mit „Zertifizierte Zerstörung“ überschriebenen Marktstudie zum Vergleich von Nachhaltigkeitssiegelgebern: Bei ISCC hätten nicht von Unternehmen selbst geschickte Personen an wichtigen Entscheidungsprozessen keine Mehrheit, Grundsätze wie eine ökologische Land- oder Forstwirtschaft verlange das Zertifizierungssystem auch nicht. Zwar erkennt der Greenpeace Report für ISCC mehrere Waldschutzgrundsätze an sowie die Achtung der Interessen von Arbeitnehmern einerseits wie auch von Ureinwohnern andererseits. Allerdings kritisiert die Organisation auch die fehlende Rückverfolgbarkeit einiger Kriterien etwa bei Vorlieferanten oder die Nichtzugehörigkeit zur Dachorganisation Iseal, die Glaubwürdigkeitsstandards für Nachhaltigkeitssiegel setzt.

Fraglich ist zumindest auf den ersten Blick die Beschaffung von Biomethanol aus der Produktion des kanadischen Unternehmens Methanex. Methanex liefere das Biomethanol aus seinen US-Lagerstätten am Golf von Mexiko, so informieren die Partner. Die damit wohl fällige rund 10.000 Kilometer lange Schifffahrt und deren mögliche Klimagasbilanz war indes kein Thema in der Mitteilung der drei Unternehmen. Der Grundstoff für das Biomethanol kommt aus Reststoffen und Abfall wie beispielsweise organischen Bestandteilen aus dem Haushaltsmüll.