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Studie: Atomenergie ist keine wirksame Option für schnellen und bezahlbaren Klimaschutz

Die Diskussion kocht immer wieder hoch: Könnte nicht die Atomkraft eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen? Eine neue Studie kommt jetzt zu einem klaren Ergebnis: Nein.

Bei der Bekämpfung des Klimawandels werde Kernenergie allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen, schreiben Forschende des Öko-Instituts im Auftrag des Bundesumweltamtes in einer aktuellen Studie. Für eine weltweite Transformation der Stromerzeugung mit Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 seien erneuerbare Energien die zentrale Technologie.

Die Autoren haben die Rolle der Atomenergie in globalen Energieszenarien und in nationalen Ausbauplänen sowie mit Blick auf Kosten, Flexibilität, Klimarisiken und Umweltauswirkungen untersucht. Zentrales Ergebnis: Trotz vergleichsweise niedriger Emissionen im gesamten Lebenszyklus ist die Kernenergie keine geeignete Option, um Treibhausgasemissionen schnell, verlässlich und kosteneffizient zu senken.

Die Studie prognostiziert den weltweiten Anteil der Atomenergie 2050 auf neun Prozent

Die ausgewerteten globalen Energieszenarien zeigten, dass erneuerbare Energien der entscheidende Faktor für das Erreichen der Klimaziele seien, heißt es in einer Presseinformation des Öko-Instituts. Ihr Anteil an der Stromerzeugung steigt in den Szenarien bis 2050 auf 70 bis 100 Prozent. Die Rolle der Kernenergie bleibt dagegen begrenzt: Ihr Anteil liegt im Jahr 2050 je nach Szenario zwischen null und neun Prozent. Selbst ambitionierte nationale Ausbaupläne führen laut Studie nicht zu einer oft beschworenen globalen „Renaissance“ der Kernenergie.

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„Die Klimadebatte braucht realistische Optionen. Neue Kernkraftwerke sind teuer, ihre Inbetriebnahme dauert sehr lange und sie passen nur schlecht in ein Energiesystem, das künftig stark von Wind- und Solarenergie geprägt sein wird“, sagt Christoph Pistner, Leiter des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut. „Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss vor allem auf Technologien setzen, die schnell verfügbar, bezahlbar und in einem erneuerbaren Stromsystem gut integrierbar sind.“

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Kosten. Neue Atomkraftwerke weisen demnach deutlich höhere Stromgestehungskosten als erneuerbare Energien auf.

Schon jetzt liegen doe Kosten deutlich über denen für Wind und Sonne

So lagen die Kosten der Kernenergie in Europa für das Jahr 2020 bei 15 bis rund 19 Cent pro Kilowattstunde und sind damit deutlich über den Durchschnittswerten für die Erzeugung von Photovoltaik oder Windenergie an Land. Für das Jahr 2030 erwartet die Studie bei neuen Kernkraftwerken sogar weiter steigende Kosten, für Windenergie an Land und Photovoltaik werden dagegen deutlich niedrigere globale Durchschnittswerte erwartet.

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Auch zur Vermeidung von Treibhausgasen sei Kernenergie im Vergleich zu erneuerbaren Energien eine teure Option, schreiben die Autoren. Während erneuerbare Energien bereits heute und auch perspektivisch kostengünstige Möglichkeiten zur Emissionsminderung böten, blieben neue Kernkraftwerke aufgrund hoher Kapitalkosten, langer Bauzeiten und erheblicher finanzieller Risiken eine kostenintensive Vermeidungsoption.

Hinzu kommt: Kernenergie ist für ein zukünftiges Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien nur begrenzt geeignet. Wind- und Solarenergie erzeugen Strom abhängig von Wetterbedingungen und Tageszeit. Das künftige Energiesystem braucht daher flexible Anlagen, die diese Schwankungen ausgleichen können. Konventionelle Atomkraftwerke sind aufgrund ihrer Größe, technischen Eigenschaften und wirtschaftlichen Anforderungen auf hohe Auslastung angewiesen. Ein flexibler Betrieb würde ihre ohnehin hohen Stromerzeugungskosten weiter erhöhen.

Verdreifachung der Atomkraft bis 2050 ist unrealistisch

Die Studie untersucht außerdem, ob das Ziel einiger Staaten, die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen, realistisch ist. Eine solche Verdreifachung würde eine Netto-Stromkapazität von 1.160 Gigawatt bis 2050 erfordern. Dafür müssten über 25 Jahre hinweg im Durchschnitt jedes Jahr neue Kapazitäten in der Größenordnung des historischen Maximums von circa 30 Gigawatt ans Netz gehen. Demgegenüber wurden laut Öko-Institut in den vergangenen mehr als 30 Jahren meist weniger als zehn Gigawatt neu in Betrieb genommen. Das zeige, dass eine Verdreifachung bis 2050 unrealistisch sei.

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„Unser Fazit: Neue Kernkraftwerke sind zu teuer und stünden zu spät bereit, um einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der bestehenden Klimaziele zu leisten“, so Pistner. „Erneuerbare Energien bleiben damit die zentrale Säule eines klimaneutralen Stromsystems.“