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Niedersachsen 

24-MW-Elektrolyseur, Offshore-Wasserstoff und ein H2-Ökosystem

„Offshore-Wind und 'grüner' Wasserstoff - was wird 2022 wichtig und was muss bis 2030 passieren?" so der Titel einer Diskussionsrunde, zu der die WAB eingeladen hatte.  eingeladen: Dabei waren Kristina Vogt, Bremer Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz und Tobias Goldschmidt, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein.

"Die Offshore-Windbranche steht mit den neuen Plänen der Bundesregierung für einen Ausbau auf 30 Gigawatt bis 2030 und 40 Gigawatt bis 2035 nach der Ausbauflaute der letzten Jahre vor einer riesigen Herausforderung", sagte der WAB-Vorstandsvorsitzende Jens Assheuer. Die dafür notwendigen Investitionen betrachtet er gleichzeitig als riesige Chance, auch für kleine und mittelständische Firmen. "Gerne begleiten und unterstützen wir als WAB unsere Mitglieder dabei, diese Chance zu ergreifen", so Assheuer. Für die nun erforderliche Geschwindigkeit gehe es darum, "den Boom, den wir schon einmal hatten, nicht nur zu wiederholen, sondern zu toppen".

Die Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt betonte in ihrem Impulsbeitrag ebenfalls, dass sie für die Offshore-Windbranche eine "Wiedergeburt auf hohem Niveau" erwarte. Für die Umsetzung der neuen Offshore-Wind-Ziele müsse die Offshore-Windbranche über einen Zeitraum von 20 Jahren im Schnitt 3 GW pro Jahr installieren, deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr. Jetzt sei ein "Fließbandsystem" für den künftigen Ausbau notwendig. Zudem müsse rasch der Verlust an Fachkräften und damit an Know-how ausgeglichen werden, der durch die Ausbaulücke der letzten Jahre entstanden sei. Die norddeutsche Zusammenarbeit in der Wasserstoffstrategie sei richtig, so Vogt weiter, auch wenn Wasserstoff zu einem großen Teil importiert werden müsse. 

Für die Pläne der Bundesregierung, bis 2045 klimaneutral zu werden, könne Offshore-Windenergie einen wichtigen Beitrag leisten, sagte der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies. Der dafür notwendige Netzausbau müsse intelligent geplant werden, als Netzwerk und nicht nur als Verbindung zwischen jeweils zwei Orten. Ein wichtiger Schritt sei zudem, die künftige Netzentwicklung für Strom und Wasserstoff integriert zu betrachten - auch um zu ermitteln, wo Wasserstoff idealerweise produziert werden kann. Der notwendige Leitungsausbau müsse gut erklärt werden. Für eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren sollten die Energieminister prüfen, ob es sinnvoll sei, im Küstenmeer nach einem Raumordnungsverfahren im anschließenden Planfeststellungsverfahren "noch einmal alles zu hinterfragen".

Der Kieler Energiewende-Staatssekretär Tobias Goldschmidt sprach sich dafür aus, Leitungen in "Hubs" zu bündeln und dort Wasserstoff zu erzeugen, wo der Strom angelandet werde, um den Übertragungsbedarf zu minimieren. Wasserstofferzeugung im großen Maßstab sei vor allem ein Thema für Norddeutschland. Niemand wolle dem Süden verbieten, Wasserstoff-Elektrolyseure zu betreiben - aber das werde dort "nicht im Gigawattbereich passieren", so Goldschmidt. Beim Offshore-Wind-Ausbau von 30 GW bis 2030 geht es für Goldschmidt vor allem um Geschwindigkeit, während der langfristige Ausbau auf 70 GW bis 2045 vor allem ein Thema der Schutzgüter sei. Die Diskussion über eine Ko-Nutzung sei wichtig, da es für den Naturschutz und die Belange der Fischerei ebenfalls sehr gute Argumente gebe. Um die Ausbauziele zu erreichen, gehe es künftig darum, das Ressortdenken zu überwinden und gute Lösungen zu finden.

Regionales Wasserstoff-Ökosystem für die Stadt Waiblingen

Vorreiter beim Thema Wasserstoff ist GP Joule. Die Stadtwerke Waiblingen bauen mit Unterstützung des Regenerativunternehmens jetzt ein regionales Wasserstoff-Ökosystem auf. Dafür haben die beiden Unternehmen die gemeinsame Projektgesellschaft Hy Waiblingen gegründet. Sie soll einen Elektrolyseur mit einer Leistung von zwei Megawatt errichten. Dieser wird Ende 2023 Wasserstoff aus regionalem Ökostrom erzeugen. Der grüne Wasserstoff soll ebenfalls ab Ende 2023 an einer öffentlichen Tankstelle in Waiblingen erhältlich sein. Er wird für Busse und Lkw mit einem Druck von 350 bar zur Verfügung gestellt, für Pkw mit einem Druck von 700 bar. 

Als feste Abnehmer sind zunächst neun Brennstoffzellen-Busse im Waiblinger Nahverkehr und zwei Doppelkabinenfahrzeuge für die Straßenmeisterei im Rems-Murr-Kreis eingeplant. Auch im Fuhrpark der Hy Waiblingen und der Stadtwerke Waiblingen werden fünf Pkw mit Wasserstoff betrieben werden. Die am Elektrolyseur entstehende Abwärme soll in ein Fernwärmenetz eingespeist werden. Das steigere den Gesamtwirkungsgrad der Anlage erheblich, heißt es aus Waiblingen. Genauere Planungen hierfür würden folgen. „Wir sind stolz, als Stadtwerke Waiblingen die Energiewende regional tatkräftig voranzubringen und eine so neue Technologie in unser Portfolio mit aufzunehmen. Wir freuen uns auf das anstehende Projekt“, sagt Bernhard Zipp, Technischer Leiter der Stadtwerke Waiblingen und Geschäftsführer der Hy Waiblingen. 

„Als Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender erfüllt es mich mit Freude und Stolz, dass unsere Stadtwerke Waiblingen mithelfen, einer klimaneutralen Zukunftstechnologie zum Einsatz im Alltag zu verhelfen und Waiblingen der Standort dafür ist. Allen Beteiligten bei den Stadtwerken und der Stadtverwaltung danke ich herzlich. Der Gemeinderat und der Aufsichtsrat sind von diesem Projekt überzeugt“, so Andreas Hesky, Oberbürgermeister Waiblingen. 

André Steinau, ebenfalls Geschäftsführer der Hy Waiblingen und Leiter des Geschäftsbereichs Wasserstoff bei GP Joule erklärt: „Die Akzeptanz vor Ort bildet die Grundlage für unser Handeln. Wenn der Zusammenhang zwischen erneuerbarer Energieerzeugung und der Abnahme vor Ort deutlich wird, können wir die Bürger und Bürgerinnen von unseren nachhaltigen Projekten überzeugen. Mit den Wasserstoffbussen, Firmenautos und hoffentlich vielen weiteren Pkw wird dieser Zusammenhang direkt erfahrbar.”

Elektrolyse-Element, das in Porsgrunn, Norwegen, zum Einsatz kommt.

TM Power

Elektrolyse-Element, das in Porsgrunn, Norwegen, zum Einsatz kommt.

PEM-Elektrolyseur mit 24 MW von Linde

Und auch Linde Engineering treibt den Ausbau der Wasserstoff-Technologie weiter voran. Das Unternehmen gab gerade die Unterzeichnung eines Vertrags mit Yara über den Bau einer 24-MW-Anlage für die Produktion von grünem Wasserstoff bekannt. Im Dezember 2021 erhielt Yara vom norwegischen Energieunternehmen Enova eine Finanzierungszusage für die Entwicklung dieser ersten Anlage. Gemeinsam werden Linde Engineering und Yara zeigen, wie sich mit Hilfe von Ammoniak, das mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, die Kohlendioxidemissionen in der Düngemittelproduktion reduzieren lassen. Die 24-MW-Elektrolyseanlage wird auf der Protonen-Austausch-Membran-Technologie (PEM) von ITM Power basieren und in Porsgrunn im Heroya Industriepark in Norwegen errichtet. Dies wird bereits die zweite 24 MW-PEM-Elektrolyseanlage sein, die von Linde Engineering entworfen und gebaut wird. Die erste entsteht derzeit im Chemiekomplex Leuna in Deutschland. Die Elektrolyseanlage wird eine Kapazität von rund 10.000 Kilogramm Wasserstoff pro Tag besitzen. Die Wasserelektrolyse wird grünen Wasserstoff produzieren, um den grauen Wasserstoff, der in der Ammoniakanlage von Yara bisher zum Einsatz kommt, anteilig zu ersetzen. Dadurch lassen sich jährlich 41.000 Tonnen an Kohlendioxidemissionen einsparen. Diese Menge entspricht ungefähr den Emissionen von rund 16.000 Pkw.

Die Anlage liefert Wasserstoff für die Produktion von 20.500 Tonnen Ammoniak pro Jahr, die in 60.000 bis 80.000 Tonnen grünen Dünger umgewandelt werden können. Die Anlage ist Yaras erster Schritt zur Dekarbonisierung der Ammoniakindustrie. “Dieses Projekt demonstriert die Marktführerschaft von Linde Engineering bei Elektrolyseprojekten. Angesichts der wachsenden Nachfrage der Düngemittelindustrie nach grünem Wasserstoff ist diese Anlage ein wichtiger Schritt hin zu weiterer Hochskalierung und ein klares Signal für noch größere Projekte weltweit“, sagt John van der Velden, Senior Vice President Global Sales & Technology bei Linde Engineering.

"Das Projekt zielt darauf ab, bereits Mitte 2023 die ersten grünen Ammoniakprodukte auf den Markt zu bringen, sowohl als Düngemittel, das ohne fossile Grundstoffe auskommt, als auch als emissionsfreier Kraftstoff für Schiffe. Grünes Ammoniak ist der Schlüssel zur Reduzierung der Emissionen aus der globalen Nahrungsmittelproduktion und dem internationalen Schiffsverkehr. Mit diesem Projekt machen wir gemeinsam mit Linde Engineering und lokalen Auftragnehmern den entscheidenden Schritt von bloßer Absicht zu konkreten Maßnahmen“, sagt Magnus Ankarstrand, Präsident von Yara Clean Ammonia. (nw)

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