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Aktuelle Marktanalyse

Europa stemmt Energiewende am schnellsten

Auch wenn es derzeit nicht so aussieht: Europa wird bis 2050 im weltweiten Vergleich mit der Energiewende am weitesten sein. Selbst China wird mit dem riesigen Zubau an Anlagen den Anteil der Erneuerbaren nicht so schnell erhöhen können wie Europa.

Wind- und Solarkraftwerke werden bis 2050 fast die Hälfte des insgesamt auf der Erde produzierten Stroms liefern. Das ist eines der Ergebnisse der neusten Marktstudie von Bloomberg New Energy Finance (BNEF). Konkret werden die beiden Technologien für 48 Prozent der gesamten weltweiten Stromlieferung verantwortlich sein. Derzeit liegt der Anteil der beiden Technologien bei gut zehn Prozent. Dazu kommen noch einmal 14 Prozent weitere Ökostromerzeuger, wobei hier die Wasserkraft den größte Posten übernimmt. Dennoch werden sowohl Windkraft als auch Photovoltaik jeweils einzeln mehr Strom produzieren als die Wasserkraft.

Der maximale Zubau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen ist auch notwendig. Schließlich können die Staaten der Erde ihr beschlossenes Ziel schaffen, die Erdtemperatur nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen zu lassen, wie es im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart wurde.

Riesige Investitionssummen notwendig

Insgesamt gehen die Marktexperten von einem zum au von zwölf Terawatt Erzeugungskapazität weltweit aus. Dafür sind Investitionen in Höhe von 13,3 Billionen US-Dollar notwendig, die vor allem auf China mit 2,63 Billionen Dollar, auf Indien mit 1,44 Billionen Dollar und auf die USA mit fast 1,1 Billionen Dollar entfallen. Große Einzelmärkte werden aber auch Deutschland, Großbritannien, Japan und die Türkei sein.

Zwar wachsen die europäischen Märkte langsamer als beispielsweise China, Indien und die USA. Dennoch wird Europa im Jahr 2050 mit der Energiewende am weitesten kommen. Hier werden 92 Prozent der gesamten Stromversorgung dekarbonisiert sein. Der Anteil von Sonne und Wind im Stromnetz wird auf 80 Prozent steigen, während Indien bis dahin nur einen Wind- und Solaranteil von 55 Prozent schafft. China wird es bis 2050 auf einen Anteil von 48 Prozent Photovoltaik- und Windstrom im Netz schaffen. Die USA werden bis dahin nur auf einen Anteil von mageren 35 Prozent kommen. Da wird selbst Australien mit einem Anteil von 78 Prozent nur knapp hinter Europa landen.

Solar und Wind werden bis 2030 am preiswertesten

Das hat natürlich mehrere Gründe. Zum einen ist der Stromverbrauch in China und in Indien viel größer als in Europa oder gar in Australien. Zusätzlich dazu haben die Analysten von BNEF erkannt, dass beispielsweise die modernen Kohlekraftwerke, die in China in den letzten Jahren gebaut wurden und auch weiterhin gebaut werden, den Anteil der Erneuerbaren im Netz langsamer wachsen lassen. Ähnliche Gründe hat auch der langsamer steigende Anteil von Wind- und Solarstrom in den USA. Dort werden vor allem die mit billigem Erdgas aus eigener Produktion befeuerten Kraftwerke weiterhin bestimmend sein, trotz der Tatsache, dass die Solar- und Windenergie bis 2030 preislich weit unter den Gestehungskosten jeglicher Kohle- und Gaskraftwerke kommt.

Ab 2026 geht die Kohlekraft überall zurück

Denn bis dahin werden die Preise für Photovoltaikanlagen um weitere 85 Prozent sinken. In ähnlicher Größenordnung gehen auch die Preise für Speicher zurück. Die Kosten für Windkraftwerke sinken bis dahin um weitere 49 Prozent. Deshalb werden zwar bis 2026 die Anteile der Kohlekraft weiter ansteigen, vor allem weil China und Indien viel Kohlestrom produzieren. Doch danach geht die Kohleverstromung rapide zurück. In Europa sinkt der Anteil von Kohlestrom im Netz bereits seit 2012 und geht auch weiter zurück. Ähnlich sieht es in den USA aus.

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