C/sell

Größtes Projekt für die regenerative Infrastruktur der Zukunft abgeschlossen

Das größte Sinteg-Projekt zur Energieinfrastruktur von morgen, C/sells, ist nach vier Jahren abgeschlossen. Viele spannende Erkenntnisse.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Nach vier Jahren Projektarbeit trafen sich jetzt die Partner, politische Entscheidungsträger sowie die interessierte Öffentlichkeit digital, um zum Projektabschluss über die Ergebnisse aus C/sells zu sprechen. C/sells gilt als eines der größten Infrastruktur-Transformationsprojekt in der deutschen Geschichte.

Zur Erinnerung: Im Förderprogramm "Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende" (Sinteg) wurden in großflächigen Modellregionen übertragbare Musterlösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung bei 100 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien entwickelt. C/sells wiederum liefert als größtes Schaufenster von Sinteg skalierbare Musterlösungen für eine nachhaltige Energieversorgung und zeigt, wie die Energiewende aussehen wird: zellulär, partizipativ und vielseitig.

In C/sells wird ein zelluläres Energiesystem demonstriert. Zellen können einzelne Gebäude, aber auch ganze Liegenschaften, Areale, Quartiere, Städte oder Regionen sein. Prägend für eine Zelle ist, dass über den Einsatz

von in ihr vorhandenen Energieerzeugern und -verbrauchern weitgehend autonom entschieden werden kann. Dies ermöglicht der Zelle, ihre eigene Erzeugung mit ihrem eigenen Verbrauch optimal abzustimmen. Die Abstimmung erfolgt aber auch zwischen Zellen, wodurch das gesamte Energiesystem im Verbund optimiert wird. Zellen tauschen dann Energie miteinander aus, aber auch andere energienahe Dienstleistungen.

Uusammengefassten Erkenntnisse aus dem Projekt

Spannend war im Rahmen eines Abschluss-Symposiums die Vorstellung der Energiewirtschaftlichen Positionen (EPos). Diese wurden über vier Jahre partizipativ von den Mitwirkenden des Projekts entwickelt und stellen die zusammengefassten Erkenntnisse aus dem Projekt vor. Sie sind dazu bestimmt, die Schlüsselergebnisse den Ministern sowie den politischen Kräften der C/sells-Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sowie des Bundes zu präsentieren und auf Basis konkreter Empfehlungen gemeinsame Aktionen zu vereinbaren. Themenbereiche der EPos sind Zellularität, Systemdenken, Flexibilitäten, Energiewende-Praxis, Partizipations-Marketing sowie Reallabore.

Folgende zentrale energiewirtschaftliche Positionen und Empfehlungen wurden aus der C/sells-Projektarbeit „auf einen Blick“ zusammengestellt:

1. Zellen als Räume partizipativer und autonomer

Gestaltung schaffen

C/sells entwickelt Beispiele zellulär verbundener, vielfältiger und partizipativer Energieinfrastrukturen für die nahezu vollständige Marktdurchdringung EE und die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger sowie der Wirtschaft. Aufgabe: Gestaltung von Autonomiezellen vereinfachen – in einem überschaubaren legislativen Umfeld.

2. Flexibilität und Digitalisierung als Enabler der Energiewende fördern, erproben und nutzen

C/sells denkt Netz und Markt gemeinsam und erprobt Plattformlösungen für die Flexibilität auf der Verbraucher- wie der Erzeugerseite. Aufgabe: Marktzugang für kleine Anlagen vereinfachen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen (zum Beispiel den Energieaustausch in der Nachbarschaft, autonom handelnde Eigenversorger und EE-Gemeinschaften, aber auch die Nutzung im Netzengpassmanagement

über eine unbürokratische Teilnahme an den Flex-Plattformen). Und: Abgaben-, Umlagen- und Entgeltsystematik so gestalten, dass eine systemisch sinnvolle, interferenzfreie Integration von Flexibilität ermöglicht wird und weder den Netzbetreibern noch den Flexibilitätsbereitstellern

Zusatzkosten für einen netzdienlichen Flexibilitätseinsatz entstehen, sondern vielmehr Anreize für netzdienliches Verhalten geschaffen werden.

Außerdem: Flächendeckende Flexibilitätspotenzial- und Machbarkeitsanalyse

sowie eine weiterführende Roadmap beauftragen.

3. Energiewende als Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik

betrachten

C/sells versteht Energiewende als grundlegenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Wandel mit innovativen und transdisziplinären Kollaborationslösungen im technischen, ökonomischen, aber ebenso im

gesellschaftlichen Bereich. Aufgabe: Multi-Channel Kommunikationskampagnen zur Steigerung des Bewusstseins für die Digitalisierung der Energiewende mit Fokus auf den persönlichen und

volkswirtschaftlichen Nutzen. Aufbau von Vertrauen der Bevölkerung in die Digitalisierung im Energiesektor und insbesondere in Datenschutz und Datensicherheit des intelligenten Messsystems. Außerdem: Einführung von längerfristigen Experimentierräumen in Eigenverantwortung für Flexibilitätsmechanismen vom Übertragungsnetzbetreiber bis zur Kundenanlage sowie für das systemische Zusammenwirken aller relevanten

Komponenten inklusive Regulierungsrahmen, partizipationsfähiger Marktmechanismen, Security und Governance. Und: Umgestaltung und Vereinfachung des Systems zur Förderung von Innovationsprojekten, inklusive Projektvorbereitungsbudget.

4. Mit Vielfalt und Standards in die Fläche gehen

C/sells zeigt die vielfältigen Lösungsmöglichkeiten für die Umsetzung der Energiewende in der Fläche und die technischen Voraussetzungen für eine massenhafte Implementierung auf. Aufgabe: Nach dem Motto „Vielfalt braucht Standards“ sind die Standardisierung von Schnittstellen und Prozessen sowie Label für intelligente, nachhaltige Gebäude mit

einer standardisierten Smart-Grids-Schnittstelle (zum Beispiel „C/sells-Smart-Grids-Ready“) zu entwickeln. Hierfür empfehlen die Experten einen digitalen Netzanschluss zu flexiblen Gebäudezellen zu definieren, der die

Regelung der Leistung am Netzanschluss durch den Netzbetreiber ermöglicht und die geschützte Schnittstelle zum autonomen Energiemanagement innerhalb der Gebäude bildet. Dazu notwendige Technologien sowie Interoperabilität und Sicherheit sollen durch die

Industrie, Verbände und Standardisierungsgremien vorangetrieben werden. Dazu ist eine Investitionsförderung zur Ertüchtigung der elektrischen Infrastruktur der Bestandsgebäude zu empfehlen. Und: Für die flexiblen Anlagen sind digitale Schnittstellen zu definieren, die eine Regelung ohne Relais ermöglichen und damit die Gateways zur sicheren Kommunikations-

und Regelungskomponente machen.

Projekt-Blaupause für die Energiewende

Moderiert wurden das Symposium und der Ministerdialog von Gesamtprojektleiter Albrecht Reuter sowie Peter Birkner (Leitung C/sells Regionalkoordination Hessen). Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nannte Sinteg während der Pressekonferenz zur Veranstaltung eine "Projekt-Blaupause für die Energiewende bei sehr hohem Erneuerbare-Energien-Anteil". "Das ist die Welt, auf die wir uns vorbereiten müssen", so Feicht. Wie in dem Projekt deutlich geworden sei, müsse PV vor Ort genutzt werden und die Menschen vor Ort müssten einbezogen werden. Das Wirtschaftsministerium werde sich die Erkenntnisse aus C/sells genau anschauen.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller betonte, es sei seinem Land wichtig gewesen, hier dabei zu sein, zumal Baden-Württemberg stark betroffen ist von den Veränderungen durch Atom- und Kohleausstieg. Er betonte die Bedeutung der PV und erklärte, die vielen Stadtwerke in seinem Land wollten Partner sein bei der Umgestaltung des Energiesystems. Er nutzte die Gelegenheit, die im neuen EEG vorgesehene Südquote bei Windpark-Ausschreibungen zu loben. Er betonte, wie wichtig es sei, dem Eigenverbrauch keine Hürden in den Weg zu legen.

Mit der Abschlussveranstaltung endet C/sells jedoch noch nicht vollständig. Einige Projektpartner erhielten durch das BMWi eine kostenneutrale Verlängerung des Förderungszeitraums bis März 2021. Darüber hinaus wurde von Gesamtprojektleiter Reuter der C/sells-Club ins Leben gerufen. Hier soll über das Projektende hinaus eine wöchentliche Telefonkonferenz stattfinden. Diese soll allen Interessierten offenstehen, die weiter am Netzwerk teilhaben wollen und C/sells gemeinschaftlich weitergestalten möchten.

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